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Mittwoch, 27. Januar 2016

Brücken bauen zwischen den Religionen

Das Interreligiöse Forum in Speyer arbeitet in der Flüchtlingshilfe zusammen

Eröffnung der Interkulturellen Woche mit Vertretern der Speyerer Religionsgemeinschaften 

Speyer. „Als wir die Initiative 2012 gegründet haben, wussten wir nicht, dass wir so aktuell werden würden“, sagt Markus Lamm, Pastoralreferent von St. Hedwig, Initiator und Sprecher des Interreligiösen Forums Speyer. Wir, das ist eine Arbeitsgemeinschaft aus zwölf Personen. Diese gehören der katholischen Pfarrei Pax Christi, der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde, der Türkisch-Islamischen Gemeinde Speyer, der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz und dem Forum für interkulturellen Dialog mit Sitz in Mainz an.

Zwar treffen sich die Mitglieder in unregelmäßigen Abständen, doch der Austausch untereinander sei stets gegenwärtig, beschreibt Lamm die Vernetzung. Denn eine offene Verständigung unter den Religionsgemeinschaften und unterschiedlichen Kulturen, die in der Stadt Speyer gelebt werden, ist Ziel der Initiative. „Immerhin leben in Speyer Menschen aus über 100 unterschiedlichen Nationalitäten friedlich zusammen“, merkt Lamm an.

So sei insbesondere das Bemühen um Dialog und gegenseitigen Respekt auf lokaler Ebene wesentliches Ziel des Forums. „Es geht darum, Verständnis, Toleranz und Akzeptanz füreinander zu fördern“, bringt Lamm es auf den Punkt.  „Wir wollen gemeinsam den Austausch über Menschenrechte und Religionsfreiheit eröffnen.“

Wieviel der Islam, das Judentum  und das Christentum miteinander gemeinsam haben, zeige sich in identischen Formulierungen im Koran, der Thora und in der Bibel, sagt er. „Die Gebote, die die Wertmaßstäbe unserer westlichen Gesellschaft prägen, werden genauso auch unter Muslimen und Juden in aller Welt gelebt.“ Dass Religion selbst nicht Quelle von Konflikten ist, sei das Credo des Forums, das jegliche Art von Extremismus, Rassismus, Gewalt, Terror, Diskriminierung und Fremdenhass verurteilt.

Trotz der krisengeschüttelten Weltsituation könnten sie aber nicht für den Weltfrieden kämpfen: „Wir sind eine ausschließlich auf Speyerer konzentrierte Initiative“, betont Sprecher Markus Lamm. „Den Dialog stellen wir in Speyer auch öffentlich her. Zum Beispiel durch Vorträge, die teilweise in Zusammenarbeit mit dem Beirat für Migration und Integration der Stadt organisiert werden.“

Im Herbst 2014 sei der Journalist Andreas Zumach im Haus der Vereine zu Gast gewesen und habe zum ‚Arabischen Frühling‘ und seinem Ende in Syrien referiert, erinnert sich Lamm. Aber auch zum Weltfrauentag sei das Interreligiöse Forum aktiv, berichtet der Forumssprecher. „Wir haben im März 2015 ein Tanzfestival in St. Hedwig organisiert, waren beim Fest der Kulturen im vergangenen Mai dabei und haben mit einem gemeinsamen Friedensgebet und einem Vortrag zu den Religionen die Interkulturellen Woche im November eröffnet“, sagt er.

Auch für 2016 seien wieder unterschiedliche Aktivitäten geplant. „Beim Fest der Kulturen, das Ende Mai 2016 zum zweiten Mal stattfindet, sind wir erstmals mit einem eigenen Stand vertreten. In unserer Arbeit fließen oft unterschiedliche Aktionen ineinander. Es geht um Gemeindearbeit, Vernetzung der Religionsgemeinden und interkulturellen Austausch der Speyerer untereinander“, berichtet der Theologe.

Auch in der aktuellen Flüchtlingshilfe bringt sich das Forum ein. Hierbei würden Angebote der einzelnen Religionsgemeinschaften ausgeweitet und verknüpft. „Bei der ersten Flüchtlingswelle aus Syrien 2012 haben zum Beispiel die christlichen Gemeinden in Zusammenarbeit mit der Jüdischen Kultusgemeinde eine Kleidersammlung organisiert“ erzählt Lamm. „Und in St. Hedwig treffen sich seit dem Frühjahr 2015 jeden Mittwoch von 10 bis 12 Uhr acht bis zehn Frauen aus dem gesamten Stadtgebiet mit rund 15 geflüchteten Frauen.“

„Wir kochen und backen miteinander, oder erzählen einfach, auf Deutsch mit ausländischen Worten zwischendrin“, sagt Christa Eigen, Gemeindemitglied und Initiatorin von „Frauen treffen Frauen“. Manchmal ginge es aber auch darum, ganz lebenspraktische Dinge zu erklären, erzählt sie. „Einmal haben wir die Frauen, die gerade mit ihrer Familie in eine eigene Wohnung gezogen sind, gebeten, ihren Müll mitzubringen. Den haben wir dann gemeinsam getrennt.“ Auch das Lesen des Busfahrplans hätten sie schon gemeinsam geübt und auch besprochen, wie viel ein Brief für die Postzustellung im In- und Ausland kostet, berichtet die engagierte Speyererin vom lebendigen wöchentlichen Miteinander. „Das ist nicht nur für die Flüchtlingsfrauen eine Bereicherung. Insbesondere in den orientalischen Ländern ist es üblich, dass sich Frauen regelmäßig ohne ihre Männer zum Austausch treffen, bei uns jedoch nicht in diesem Maße“, hat Christa Eigen festgestellt. Auch der Weltfrauentag werde in anderen Ländern anders gefeiert, als bei uns. „In Polen haben Frauen teilweise sogar einen halben Arbeitstag frei.“ Auch für den kommenden Weltfrauentag ist sie deshalb schon in Vorbereitung: „Am 5. März machen wir in St. Hedwig wieder ein Tanzfest und bringen uns zu internationaler Musik gegenseitig Tänze aus unterschiedlichen Ländern bei.“

Auch Forumsmitglied Uwe Weinerth lädt zum gemeinsamen Treff, immer donnerstags von 16 bis 18 Uhr zum Café Asyl im Martin-Luther-King-Haus. „Dann ist immer ein buntes Treiben in unserem Haus, zu dem bis zu 200 Menschen kommen“, erzählt der Pfarrer der Gedächtniskirche. Hier kämen Speyerer und frisch Eingetroffene, aber auch schon seit einiger Zeit in Speyer lebende Geflüchtete auf eine Tasse Tee oder Kaffee zusammen. Patenschaften würden hier geknüpft, für ganze Häuser, für Einzelpersonen und Familien. „Speyerer Bürger verabreden sich mit Geflüchteten zum Einkaufen, zum Deutschlernen oder organisieren Möbelstücke“, berichtet Weinerth. Selbst Praktika und Jobs würden hier vermittelt und eine Sozialarbeiterin stehe beratend zur Seite, sagt er.

Während des einmonatigen Fastenmonats Ramadan habe auch die Türkisch-Islamische Gemeinde Speyer im vergangenen Juni und Juli eine Einladung ausgesprochen, erinnert sich Lamm. Zum Fastenbrechen nach Sonnenuntergang bewirteten die Gemeindemitglieder von DITIB islamische Flüchtlinge im Begegnungsraum und in einem eigens vor der Moschee aufgestellten Zelten mit einer warmen Mahlzeit. „Rund 200 Menschen sind an jedem der 28 Abende bei uns gewesen“, bestätigt Servet Özel, Vorstandsvorsitzender der DITIB Speyer und – wie Weinerth und Lamm – Forumsmitglied. „Wir werden auch in diesem Sommer während der Ramadan-Zeit unsere Unterstützung fortführen“, stellt Özel in Aussicht.

„Das Hauptproblem in der Flüchtlingsarbeit ist, dass man einander nicht kennt“, resümiert Lamm die aktuellen Debatten. „Doch nur was man kennengelernt hat, kann man lieben, oder auch ablehnen“, stellt er klar. Daher gelte es, weiterhin Brücken zwischen religiösen und kulturellen Gruppen zu bauen, so der Forumssprecher.

Text: Caritasverband / Foto: Landry

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