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Freitag, 19. Februar 2016

Mega-Staudamm bedroht Mensch und Natur

Bischof Wilmar Santin berichtet über den Kampf für Menschenrechte in Brasilien

Bischof Wilmar Santin (links) im Gespräch mit Weihbischof Otto Georgens 

Die Misereor-Fastenaktion steht in diesem Jahr unter dem Motto „Das Recht ströme wie Wasser“ und macht damit auf die schwierige Rechtssituation von Millionen Menschen in Brasilien aufmerksam. Über den Kampf der Menschen gegen den Bau eines weiteren Staudamms in der brasilianischen Region Pará informierte der brasilianische Bischof Wilmar Santin bei einem Pressegespräch im Karmelitinnenkloster in Speyer. Santin ist selbst Karmelit und seit 2011 Bischof der Prälatur Itaituba im Amazonas-Bundesstaat Pará in Brasilien. Er teilt die Sorgen der Menschen um die Sicherung ihrer Lebensgrundlagen und unterstützt den Kampf gegen den Staudammbau am Tapajós und damit auch die Arbeit der Kommission für Landpastoral in seiner Prälatur.

Die indigene Bevölkerung lebt unmittelbar am und mit dem Fluss Tapajós. „Sollte die Regierung den Bau des Staudamms verwirklichen, wird das Wohngebiet dieser Menschen überflutet und sie wären gezwungen umzusiedeln“, machte Bischof Santin im Gespräch mit Weihbischof Otto Georgens, dem Bischofsvikar für weltkirchliche Aufgaben im Bistum Speyer, deutlich. Misereor unterstützt vor Ort Gruppen und Organisationen, die die Menschen über ihre Rechte aufklären und sie bei Behördengängen und Rechtsstreitigkeiten begleiten.

„Das Problem Amazoniens ist ein Problem aller. Wir alle haben darüber nachzudenken und gemeinsame Lösungen zu suchen“, sagt Bischof Wilmar Santin. Ihn treibt die Frage um, wie der geplante Studamm bei Itaituba das Leben der Menschen am Tapajos-Fluss verändern wird. Ein Großteil der Bewohner lebt am und vom Fluss. Die „Ribeirinhos“ (Ufermenschen) würden Heimat und Lebensgrundlage verlieren. Zudem ist dem Bischof klar, dass mit dem riesigen Staudammprojekt – Schleusen zur Schiffbarmachung eingeschlossen – ein weiterer gravierender Eingriff in das für die gesamte Menschheit so wichtige Ökosystem Amazoniens verbunden sein würde.

Itaituba steht seit Jahrzehnten für die problematischen Veränderungen in Amazonien. Die 100000-Einwohnerstadt liegt an der Transamazonica, die Straße, die das Amazonasgebiet wirtschaftlich erschließen soll. Vor einem Vierteljahrhundert stand bei Itaituba noch dichter Dschungel. Er war gefürchtet – wegen der Jaguare, wegen der Riesenschlangen, wegen der kriegerischen Stämme von Ureinwohnern. Heute muss man von der Stadt aus lange fahren, um überhaupt noch zusammenhängende Urwaldstücke zu sehen. Satellitenbilder zeigen, dass das Ausmaß der Abholzung im brasilianischen Amazonaswald seit einigen Jahren wieder deutlich zunimmt, signifikant in der Region rings um Itaituba, wie Experten festgestellt haben. Die Sägewerke der Stadt liefern großteils direkt ins Ausland – an Kunden in China, Deutschland und Kanada, legal und auch illegal.

Auf den gerodeten Flächen weiden Rinderherden, und es werden gigantische Monokulturen aus Sojafeldern angelegt. Die Ernte wird per Schiff an die Küste transportiert und von dort aus als Viehfutter exportiert – vor allem nach Europa. Die Abholzung ist in jedem Fall hoch profitabel – auf Kosten der Natur und der Menschen.

Eine neue Bedrohung von Natur und Mensch ist das geplante Staudammprojekt. Insgesamt 726 Quadratkilometer misst der geplante Stausee am Tapajos, so groß wie die drei größten Seen Deutschlands – Bodensee, Chiemsee und Mü̈ritzsee – zusammen. Er soll 10 Milliarden Euro kosten. 53 Meter hoch ragt dann eine gewaltige, 7,5 Kilometer lange Staumauer auf, die den Tapajos stauen und das Land ü̈berfluten wird.

Kirche kämpft mit den Menschen

Noch ist hier die Heimat von Tausenden Kleinbauern und Fischern sowie dem Volk der Munduruku, denen das Land ihrer Väter heilig ist. Wo sie bleiben sollen, ist ungewiss und auch, wovon sie dann leben werden. Die CPT, die Landpastoral des Bistums Itaituba, kämpft mit den Menschen der Region gegen den Staudammbau und berät die Kleinbauern und Munduruku ü̈ber ihre Rechte auf Wohnen und auf kulturelle Selbstbestimmung. Die CPT wird dabei von Misereor aus Deutschland unterstü̈tzt.

Laut Informationen der Tageszeitung „Estado de São Paulo“ plant die Regierung in Brasilia, beim geplanten Staudamm in Itaituba die bisher gültigen Vorschriften im offiziellen Genehmigungsverfahren zu ändern, was die Kritiker des Projektes zusätzlich aufhorchen lässt. Dem Zeitungsbericht zufolge sollen aus dem Genehmigungsverfahren die soziale Faktoren betreffenden Punkte, wie beispielsweise Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung, Gesundheit, öffentliche Sicherheit und Bildung, aus dem bisherigen Umweltgenehmigungsverfahren ausgegliedert und in einer neu zu schaffenden Institution behandelt werden. Das Verfahren soll damit beschleunigt werden. Das hätte zur Konsequenz, dass für Einsprüche so gut wie keine Zeit mehr bleiben würde. Kritiker sehen darin einen weiteren Angriff auf die in der Verfassung garantierten Rechte der vom Staudammprojekt betroffenen Bevölkerung. Der Staudamm São Luiz do Tapajos ist der zweitgrößte der derzeit in Planung beziehungsweise in Bau befindlichen Staudämme in Brasilien.

„Eine starke Zeit der Umkehr“

Die jährliche Misereor-Aktion fällt in die Fastenzeit. Für Bischof Santin sind diese Wochen „eine starke Zeit der Umkehr“. Eine Zeit, „intensiv die Barmherzigkeit, die Geschwisterlichkeit, die Solidarität und die Vergebung zu leben“. All dies könnten wir nicht für uns allein, unterstreicht er in seinen Predigten und Ansprachen. „Wir müssen uns öffnen und die Wirklichkeit weit und global betrachten“, ist er überzeugt und nennt als Beispiel die Thematik der Flüchtlinge und Einwanderer, die verzweifelt ihr Leben riskieren, um in Europa Sicherheit zu finden.

Als eine weitere „komplizierte Wirklichkeit“, die nach „Aufmerksamkeit und einer Positionierung aller Menschen guten Willens“ verlangt, nennt er die „Wirklichkeit“ in Amazonien. „Die Probleme sind vielfältig:

Abholzung, sklavenähnliche Arbeit, Zerstörung der Natur durch Ausbeutung der Erze unter völliger Missachtung der Umwelt.“ Das jetzt geplante Stadudammprojekt am Tapajos sei ein schwerer Angriff auf die Umwelt und die Rechte der indigenen Völker und Flussanrainer. „Dieser Fall der geplanten Staudämme erfordert von uns allen eine gemeinsame internationale Hilfs- und Solidaritätsaktion“, appelliert der Bischof.

 

Text: Kirchenzeitung „Der Pilger“ / Foto: is

 

 

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