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Donnerstag, 24. März 2016

Glücksfall nach schwieriger Arbeitsplatzsuche

Im Interdisziplinären Netzwerk Autismus des Caritasverbandes Speyer arbeitet ein junger Asperger-Autist - Weltautismustag am 2. April 2016 steht für Aufklärung und Sensibilisierung

Bernd Krämer (stehenend) und sein Mitarbeiter Anthony Woodard 

Speyer. Ein Gespräch mit einem Journalisten ist für Anthony Woodard eine Herausforderung. Der junge Mann ist schon etwas nervös. Seine Augen gehen unruhig hin und her, er beschäftigt sich viel mit den Knöpfen seiner Hemdsärmel. Der strukturierte Alltag des 24-Jährigen gerät durcheinander. Anthony Woodard ist Autist, der gebürtige Kaiserslauterer arbeitet im Interdisziplinären Netzwerk Autismus der Caritas mit Standorten in Zweibrücken und Herxheim in seinem erlernten Beruf als Bürokaufmann. Woodards Schreibtisch steht im Caritas Förderzentrum Paul Josef Nardini in Zweibrücken, Netzwerk-Projektleiter Bernd Krämer sitzt im Büro nebenan. Er hat ein Auge auf seinen Mitarbeiter, hält große Stücke auf ihn. „Ich brauche ihn“, sagt er.

Hohe Fachlichkeit, gute Merkfähigkeit, Konzentrationsfähigkeit

Krämer zählt ein paar Fähigkeiten auf, die Menschen mit dem Asperger-Syndrom zugeschrieben werden: „Hohe Fachlichkeit, gute Merkfähigkeit, Ehrlichkeit, Pünktlichkeit, Konzentrationsfähigkeit, besonders gute Detailwahrnehmung.“ Die Liste des Projektleiters enthält noch weitere Punkte. Im Grunde, so Krämer, könne man als Unternehmer oder Verwaltungschef von einem Mitarbeiter mit solchen Fähigkeiten doch nur träumen. Aber ein Asperger-Autist wie Anthony Woodard habe nun mal auch  Einschränkungen, die die Arbeit in einem „normalen“ Betrieb unter Umständen schwer machten. Unter anderem eine grundsätzlich geringere Stresstoleranz, „Multitasking-fähig“ sei ein Autist schon gar nicht. Nötig sei auch eine sorgfältige Wortwahl bei der Kommunikation, man müsse berücksichtigen, dass Autisten alles wortwörtlich nähmen. „Die übliche Bildsprache sollte man nicht verwenden“, erklärt Bernd Krämer, ein Autist stelle sich unter Umständen erwartungsvoll ans Fenster, wenn man sage, dass es „Bindfäden regne.“

Für Anthony Woodard besteht die Arbeitswoche aus zwei Tagen, das Netzwerk Autismus bemüht sich aktuell darum, ihn einen weiteren Tag einzusetzen. Der junge Mann erzählt, dass er seine Ausbildung im Berufsbildungszentrum Neckargemünd gemacht hat. Diese Einrichtung kümmert sich um junge Menschen mit individuellem Förderbedarf. Nach dem Abschluss habe er sich auf verschiedene Stellen beworben. „Aber nur Absagen bekommen“, erzählt er. Dass die Caritas in der Verwaltung des Autismus-Netzwerks Verwendung für ihn hatte, sei ein glücklicher Zufall gewesen. 

Netzwerk Autismus der Caritas berät bistumsweit 170 Klienten

Anthony Woodard ist seit April 2015 mit Aufgaben wie Anschreiben verfassen und Statistiken überwachen befasst. Bernd Krämer zufolge  ist er aus dem Verwaltungsbetrieb nicht mehr wegzudenken.  „Unser Netzwerk betreut mittlerweile 170 Klienten“, macht Krämer den Umfang des Datenaufkommens klar. Das Interdisziplinäre Netzwerk Autismus des Caritasverbandes Speyer hält an seinen Standorten Zweibrücken und Herxheim ein umfangreiches Hilfsangebot vor. Dabei geht es um die individuelle und kontinuierliche Beratung von Menschen mit Autismus und ähnlicher Symptomatik. Eltern, Angehörige, Bezugspersonen und Fachkräfte (etwa Mitarbeiter von Kindertagesstätten, Wohneinrichtungen, Werkstätten)  sind miteingebunden. Bernd Krämer und seine Kollegen bringen ihre Kompetenz auf den verschiedensten Feldern ein. Unterstützung leisten sie beispielsweise  in den Bereichen Ausbildung, Arbeit, Wohnen und Freizeit. Auch die Krisenintervention in schwierigen Zeiten, Hilfe bei der Antragstellung auf Kostenübernahme und die Vermittlung von medizinisch-therapeutischen Angeboten sind  tägliche Netzwerk-Themen. Nähere Informationen dazu gibt es unter www.netzwerkautismus-cbs-speyer.de im Internet.

Text / Foto: Caritasverband / Thomas Brunner

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