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Montag, 20. März 2017

„Es ist wichtig, den Glauben mit der diakonischen Dimension zu verbinden“

Podiumsdiskussion mit Bischof Wiesemann und Kirchenpräsident Schad über Perspektiven des Glaubens im Ludwigshafener Heinrich-Pesch-Haus

Dr. Mareile Lasogga, Kirchenpräsident Christian Schad, Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann und Privatdozent Dr. Burkhard Neumann (v.l.n.r.) 

Ludwigshafen. Über „Die Verkündigung des Glaubens in der modernen Gesellschaft“ haben Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann und Kirchenpräsident Christian Schad bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion im Ludwigshafener Heinrich-Pesch-Haus am Freitagabend diskutiert. Beide betonten die Bedeutung von Wahrhaftigkeit bei der Glaubensvermittlung und wiesen darauf hin, dass Glaube nicht beigebracht oder erzwungen werden könne.

Die Podiumsdiskussion fand im Rahmen der 61. Europäischen Tagung für Konfessionskunde statt, die sich vom 16. bis 18. März mit dem Thema „Perspektiven des Glaubens“ befasste. Moderiert wurde sie von Dr. Mareile Lasogga, Direktorin des evangelischen Konfessionskundlichen Instituts in Bensheim, und Privatdozent Dr. Burkhard Neumann vom katholischen Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik in Paderborn.

Wie können wir die Menschen heute erreichen? Wie und wo kann Glauben zeitgemäß vermittelt werden? Und wie wird das am besten gemacht? Diese Fragen diskutierten die beiden Geistlichen und lagen mit ihren Antworten meist eng beieinander. „Menschen suchen heute nach einfachen Antworten auf ihre Fragen. Was die Kirche ihnen bietet, ist alles viel zu theologisch“, beschrieb Bischof Karl-Heinz Wiesemann den Status quo. Um dies zu ändern, müsse die Kirche aus ihren gewohnten Wegen heraus- und an die Ränder gehen. Er verwies dazu auf Papst Franziskus Vergleich der Kirche mit einem Feldlazarett für die Verwundeten auf dem Weg. „Es ist wichtig, den Glauben mit der diakonischen Dimension zu verbinden“, betonte Wiesemann. Nur so komme man in die Gesellschaft hinein, sagte er, und verwies auf die Caritas, die einen viel höheren Zustimmungswert als die katholische Kirche habe. Man könne Gott nicht beibringen, aber gemeinsam entdecken, wo er lebendig ist „Gott kommt ins Spiel, wenn die Verletzlichkeit der Menschen in den Blick tritt“, ist der Bischof überzeugt. Bei der Glaubensvermittlung spiele außerdem die Authentizität, die Glaubwürdigkeit, eine entscheidende Rolle.

Das sah Kirchenpräsident Christian Schad genauso: „Wahrhaftigkeit ist der erste Akt des Glaubens“, betonte er. Der Glauben gebe der Existenz des Menschen Bestand und Festigkeit. Doch um glauben zu können, müsse jemand den Menschen von Gott und dem Glauben erzählt haben. Glauben könne nicht befohlen oder erzwungen werden. „Der Glaube kommt zu den Menschen“, zitierte Schad den Apostel Paulus.

Immer wieder kam in der Diskussion die Bedeutung der Sprache ins Spiel. Wiesemann wies auf die Notwendigkeit hin, eine neue Sprache zu finden, die an die Verletzbarkeit des Menschen anknüpfe. Dabei sei die Predigt noch immer grundlegend. „Verkünde das Evangelium und wenn nötig mit Worten“, zitierte er Papst Franziskus. Für Christian Schad ist die Kirche ein Ort, wo die Sprache von Trost und Hoffnung gesprochen wird. Außerdem habe Kirche etwas mit Sprachverantwortung zu tun. „Da hat Kirche einen Auftrag, den wir wahrnehmen müssen“, so Schad.

Beide waren sich einig, dass die Menschen zu einer verantworteten Glaubensentscheidung gebracht werden sollen. „Ein verantworteter und gebildeter Glaube ist eine wichtige Aufgabe der Kirche“, hob der Kirchenpräsident hervor. Dabei sei es wichtig, vor sich selbst und anderen wahrhaftig zu sein. „Wir haben uns völlig in die pluralistische Gesellschaft und ihre Diskussionen hineinzustellen“, forderte Bischof Wiesemann. Es gehöre zum Wahrheitsanspruch, diese Fragen zuzulassen: „Wenn wir dies schaffen, werden wir in der Ökumene weiterkommen, weil dann vieles nicht mehr so festgefahren erscheinen wird wie jetzt.“

Text / Foto: Dr. Anette Konrad

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