Die Feels like heaven-Manuskripte vom 2. bis 8. Februar 2020

Autor: Stefan Weinert, Trier


Thema: Alfred Delp: Auf Not eine Antwort haben

Sonntag, 2. Februar 2020, ca. 6:20 Uhr + 10:47 Uhr

Der Jesuitenpater Alfred Delp war 37 Jahre alt, da wurde er von den Nazis hingerichtet - heute vor genau 75 Jahren. Geboren wurde Delp 1907 in Mannheim. Als er 25 Jahre alt ist, im Jahr 1933, kommt in Deutschland Adolf Hitler an die Macht. Alfred Delp ist ein Gegner der Nazis. Er gehört zum Kreisauer Kreis, einer Widerstandsgruppe - heimlich natürlich und unter großem Risiko. Dann, nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. April 1944, werden viele aus dem Kreisauer Kreis verhaftet, auch Pater Alfred Delp. Doch auch im Gefängnis lässt er sich nicht unterkriegen. Er ist fest überzeugt, dass Gott selbst Menschen in Not beisteht. Delp wörtlich: „Die Not werden wir fühlen und spüren; aber zugleich muss sichtbar werden: Wir haben die Antwort darauf.“ Und Sie? Not kennen Sie auch - auch wenn heute kein Gestapo-Gefängnis mehr droht. Und die Antwort? Welche Antwort können Sie geben, wenn Sie Not spüren - die eigene oder die anderer Menschen?


Thema: Hail Mary!

Montag, 3. Februar 2020, ca. 4:47 Uhr + 6:20 Uhr

Waren Sie heute Nacht live dabei, beim Super Bowl? Eins der größten Sport- und TV-Events der Welt. Wichtiger Spieler beim Football ist ja der Quarterback, der den Ball auf die Reise schickt - besonders spektakulär mit einem weit geworfenen Pass. Die ganz weiten Dinger, eher schon Verzweiflungswürfe, um das Spiel im letzten Moment herumzureißen, die nennt man Hail Mary - also Ave Maria, auf Deutsch „Gegrüßet seist Du, Maria“ - wie das Gebet. Warum? Weil mal ein Quarterback nach so einem extrem weiten, spielentscheidenden Pass gesagt hat: „Ich hab‘ meine Augen geschlossen und ein Ave Maria gebetet“, ein „Hail Mary“. Wenn Sportler beten, dann hoffen sie, dass Gott bei ihnen ist, vielleicht auch hilft, über sich hinauszuwachsen - „mit meinem Gott springe ich über Mauern“, heißt es in der Bibel. Gibt’s auch für Sie Momente, in denen Sie auf die Hilfe Gottes setzen, mit einem „Hail Mary“ oder einem anderen Gebet? Weil Sie darauf hoffen: „Mit meinem Gott springe ich über Mauern“? Welche Momente sind das?


Thema: Jeder hat ein Recht auf Umkehr

Dienstag, 4. Februar 2020, ca. 4:47 Uhr + 6:20 Uhr

Seit über 30 Jahren sitzt James Dailey in Florida im Todestrakt - zum Tode verurteilt wegen Mordes an einem 14-jährigen Mädchen. Er selbst beteuert seine Unschuld; und auch die katholischen Bischöfe in den USA haben große Zweifel an seiner Schuld, setzen sich für ihn ein. Auch, weil sie die Todesstrafe grundsätzlich ablehnen. Wie seht Ihr das? Ein Mörder hat nichts Besseres verdient? Aber wird durch eine Hinrichtung irgendetwas wieder gutgemacht? In Deutschland gibt es keine Todesstrafe. Es gilt: Auch wer schwere Schuld auf sich geladen hat, soll trotzdem die Chance haben, wieder Teil der Gemeinschaft zu werden. Jesus von Nazareth spricht von vergeben, von verzeihen. Dazu gehört, dass der Täter seine Schuld einsieht; Schaden wieder gut macht; und sich ehrlich bemüht, es nicht wieder zu tun. Und dafür verzeihen ihm die Anderen, nehmen ihn wieder auf in die Gemeinschaft. Weil jeder, selbst ein Mörder, das Recht hat, neu anzufangen und es besser zu machen. Weil jeder dieses Recht nötig hat. Sie doch auch, oder?


Thema: Synodaler Weg - wen interessiert's?

Mittwoch, 5. Februar 2020, ca. 4:47 Uhr + 6:20 Uhr

Die erste Aufregung ist abgeklungen seit der ersten Versammlung des Synodalen Wegs am Wochenende. Also des Prozesses, mit dem die katholische Kirche in Deutschland Antworten auf Fragen finden will, die sich durch den Missbrauchsskandal stellen: Macht in der Kirche; Lebensform der Priester; Rolle der Frauen in der katholischen Kirche; Sexualmoral. Haben Sie das verfolgt? Viele sind ja der Meinung, dass der Synodale Weg sehr entscheidend sei für die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland. Wenn man Sie fragt: Welche zwei, drei Punkte haben da Priorität? Dass die Priester heiraten dürfen? Dass wieder mehr Menschen in die Gottesdienste gehen? Dass sich die Kirche aus der Politik heraushält? Dass Frauen Priester werden dürfen? Dass die Kirche sich mehr einsetzt für Arme und Flüchtlinge? Interessiert Sie das überhaupt, was aus der katholischen Kirche wird? Aus den Kirchen? Aus dem christlichen Glauben? Warum ist Ihnen das wichtig? Oder – warum nicht?


Thema: Thomas Morus: Den Kopf hinhalten

Donnerstag, 6. Februar 2020, ca. 4:47 Uhr + 6:20 Uhr

„Nie hätte ich einer Sache zugestimmt, die gegen mein Gewissen gewesen wäre!“ So wünscht man sich Politiker, oder? Der Satz stammt von einem, nämlich von Sir Thomas More alias Thomas Morus, aus England vor rund 500 Jahren; heute oder morgen wäre sein Geburtstag. Ein kluger Kopf, befreundet mit Philosophen. Ein gläubiger Christ, später sogar heiliggesprochen. Ein humorvoller Geist, der über sich selbst lachen kann. Und ein einflussreicher Politiker, zweiter Mann hinter dem König, Heinrich VIII. Der ist seiner Gemahlin Katharina überdrüssig. Doch der Papst weigert sich, die Ehe für ungültig zu erklären. Wütend ernennt Heinrich sich selbst zum Herrn über die englische Kirche. Einige wenige bieten ihm die Stirn - darunter auch Thomas Morus. Er weiß, dass darauf die Todesstrafe steht. Aber für ihn ist die Lage klar: "Nie hätte ich einer Sache zugestimmt, die gegen mein Gewissen gewesen wäre." Diese Haltung kostet ihn den Kopf. Wie machen Sie’s: Kopf durchsetzen oder, wie Thomas Morus, auch mal den Kopf hinhalten – und wofür?


Thema: Jean-Luc Picard und die Menschenwürde

Freitag, 7. Februar 2020, ca. 4:47 Uhr + 6:20 Uhr

Falls Sie Star-Trek-Fan sind, wissen Sie: Heute erscheint die dritte Folge der neuen Star-Trek-Serie „Picard“ mit Jean-Luc Picard, Kapitän der Enterprise schon in der zweiten Serie „The next Generation“. Gleich in der ersten Folge gibt‘s eine Schlüsselszene. Jean-Luc Picard erzählt von einer gigantischen Katastrophe, die die Romulaner bedrohte - den Erzfeind der Menschen. Picard kommt den Feinden zu Hilfe - denn, wie er sagt, „es standen Millionen von Leben auf dem Spiel.“ - „Romulanische Leben“, wirft jemand ein. Und Picard: „Nein - Leben!“. Für ihn sind alle Leben gleich viel wert. Übertragen für uns Erdbewohner heute also etwa syrische Leben, russische Leben, deutsche Leben. Denn „alle Menschen sind gleich an Würde und Rechten geboren“, so die Erklärung der Menschenrechte. Oder biblisch: Alle Menschen sind als Ebenbilder Gottes geschaffen. Wer sind denn sozusagen Ihre Romulaner? Wer hat Ihre Hilfe, Ihren Respekt verdient - obwohl es Ihnen schwer fällt?


Thema: Sei gut, Mensch!

Samstag, 8. Februar 2020, ca. 6:20 Uhr + 10:47 Uhr

Wieso ist „Gutmensch“ eigentlich ein Schimpfwort? Was ist schlecht daran, ein guter Mensch zu sein? Die Caritas hält dagegen; also der Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche, der sich um Kranke kümmert und Flüchtlinge, um gestresste Mütter und psychisch kranke Väter, um Menschen ohne Wohnung. Die Caritas also hat eine Kampagne gestartet: „Sei gut, Mensch!“ – das Wortspiel ist sofort klar. In dieser Kampagne stellt die Caritas Gutmenschen vor, Menschen die anderen Gutes tun: Ulrike, Suchtberaterin in Kaiserslautern; in ihrer Freizeit organisiert sie ein internationales Frauenfrühstück für 50 Frauen aus verschiedenen Kulturen. Klaus, von Beruf Busfahrer, kocht in Herxheim bei Landau Marmelade mit Menschen mit Behinderung. Und Franziska kümmert sich als Altenpflegerin um Menschen mit Demenz, spielt mit ihnen Kicker oder nimmt sie in den Arm. Drei von vielen „Gutmenschen“ – Menschen, die für andere gut sind. Für wen sind Sie ein Gutmensch? Wer ist Ihr Lieblings-Gutmensch?