Die Feels like heaven-Manuskripte vom 10. bis 16. April 2022

Autor: Uwe Burkert, Speyer


Thema: Armer Jesus, kurioser Kauz: Wem glauben Sie?

Sonntag, 10. April 2022, ca. 6:20 Uhr + 10:47 Uhr

Auf den ersten Blick scheint alles klar zu sein. Der arme Jesus, der die Feindesliebe predigt, der religiösen Elite die Leviten liest, der sich auf die Seite der Armen schlägt und der Ehebrecherinnen und der Steuereintreiber, der Kranke heilt und predigt, dass es aufs Herz ankomme, nicht auf den äußeren Anschein, dieser Wundertäter, Menschenfreund und sympathische Wanderprediger, der wird von unverständigen Dummköpfen, selbstherrlichen römischen Besatzern und religiösen Führern, die um ihre Privilegien fürchten, ans Kreuz gebracht. "Buh!" - brüllen auch Sie 2000 Jahre später, "Skandal! Schweinerei!"? Aber – Vorsicht! Wenn Sie mal in aller Ruhe in sich gehen über die Kar- und Ostertage: Hätten Sie diesem merkwürdigen Zimmermannssohn einfach so geglaubt? Der den Mund ziemlich voll nimmt und nie ein Blatt davor? Der sich mit allem und jedem anlegt? Der Ihnen empfiehlt, auch noch die linke Wange hinzuhalten, wenn die andere schon dicke ist? Der meint, er komme von Gott? Hätten Sie diesem kuriosen Kauz, hätten Sie - Jesus geglaubt?


Thema: Unglaubliches Drehbuch Karwoche: Und - Ihre Rolle?

Montag, 11. April 2022, ca. 6:20 Uhr + 10:47 Uhr

Vorhang auf - zur Karwoche! Mit einem Drehbuch, das Hollywood nicht spektakulärer hätte schreiben können. Schauplatz Jerusalem. Dahin kommt einer aus der Provinz. Jesus, aus Nazareth, Sohn eines Zimmermanns. Soll anderswo schon Lahme zum Springen gebracht haben, Aussatz zum Verschwinden, sogar Tote wieder zum Leben erweckt haben. Das Volk jubelt ihm zu laut Bibel, streut Kleider aus und Palmzweige: Das isser, der Messias, der die Römer zum Teufel jagen soll. Jesus umjubelt, ganz oben. Das Ende ist bekannt. Der Wind dreht sich in Jerusalem. In einer konzertierten Aktion von religiöser Elite und politischer Besatzungsmacht landet der Held der Massen am Kreuz wie ein kapitaler Schwerstverbrecher. Zwischen "Hosianna" und "Kreuzige ihn" liegen nur ein paar Tage. Doch das ist noch nicht der ultimative Showdown. Denn am Ende holt Gott den aus dem Grab, so die Bibel, auf den keiner mehr einen Pfifferling gegeben hätte. Sie sind eingeladen, in diesem unglaublichen Drehbuch diese Woche wieder aufmerksam nachzublättern. Seite für Seite. Und - Ihre Rolle darin zu finden!


Thema: Ihr Leben hingeben – für wen würden Sie das tun?

Dienstag, 12. April 2022, ca. 4:47 Uhr + 6:20 Uhr

Wie weit würden Sie geh'n in diesem Krieg? Juckt es Sie in den Fingern, so wie manche es machen, in die Ukraine zu gehen und dort die Menschen mit zu verteidigen und ihr Land, ihr Zuhause? Oder spenden Sie lieber, helfen Flüchtlingen, schnüren Hilfspakete? Wie weit würden Sie geh'n in diesem Krieg? Wollen Sie auch erst mal die Sanktionen weiter wirken lassen? Waffen liefern - aber keine Flugverbotszone einrichten und durchsetzen? Weil Ihnen das Risiko zu hoch erscheint, dass Putin die nächste Stufe der Eskalation zündet? Aber ist nicht schon längst alles eskaliert? Oder wie viele sollen noch sterben in der Ukraine? Wie weit würden Sie geh'n in diesem Krieg? In dem es von Anfang an geht - um Leben und Tod? Kann es da überhaupt Grenzen geben? Grenzen zu helfen, die vielen weiteren bedrohten Menschenleben zu schützen und zu verteidigen? "Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt", sagt Jesus im Johannes-Evangelium (Joh 15,13). Sein Leben hingeben – Ihr Leben hingeben: Für wen – würden Sie das tun?


Thema: Jagen Sie dem Frieden nach, verfolgen Sie ihn – allzeit!

Mittwoch, 13. April 2022, ca. 4:47 Uhr + 6:20 Uhr

Shalom und Salaam – würde ich Sie auf Hebräisch und Arabisch begrüßen. Shalom und Salaam, auf Deutsch: "Frieden". Gute Idee, oder - sich im Alltag bei jeder Begrüßung "Frieden" zu wünschen? Denn auf einmal haben wir gefühlt fast vor der Haustür – wieder Krieg. Und auf einmal bekommt die Aufforderung aus der Bibel eine fürchterlich aktuelle Bedeutung, aus Psalm 34: "Suche Frieden und jage ihm nach!" (Ps 34, 15b) Jage im nach, ja, ist so gemeint, mit diesem energischen, etwas aggressiven Grundton. Verfolge den Frieden – das ist das gleiche Wort im Hebräischen: nachjagen, verfolgen. Denn Frieden – ist ein hartes Stück Arbeit. Und manchmal bedeutet es sogar, sich mit allen Mitteln zu verteidigen im Krieg. Jage dem Frieden nach – das bedeutet beispielweise auch, sich einzusetzen gegen Unrecht und ungerechte Verhältnisse, sich stark zu machen für die Schwachen, für die Armen, für die ohne Macht. Frieden fällt Ihnen nicht einfach in den Schoß. Jagen Sie ihm nach, verfolgen Sie ihn hartnäckig – rät deshalb die Bibel. Was werden Sie heute tun – für den Frieden? Wo jagen Sie – ihm heute nach?


Thema: Letztes Abendmahl: Verrückte Energiequelle?

Donnerstag, 14. April 2022, ca. 4:47 Uhr + 6:20 Uhr

Vor fast vier Monaten noch Kind in der Krip¬pe, Süßer-die-Glocken-nie-klingen, Hirten und Weise aus dem Morgenland. Und heute, am Gründonnerstag? Der Prozess droht dem, den die Engel doch verkündet hatten als Messias und Retter. Heute Abend vor seiner Verhaftung feiert Jesus im engsten Freundeskreis das Paschamahl, feiert wie alle Juden den Auszug aus Ägypten, die Flucht vor dem Pharao, dass Gott sein Volk rettet aus der Skla¬verei. Und deutet um. Brot und Wein werden zu: "Das ist mein Leib und das ist mein Blut." Was soll das heißen? Was soll das bedeuten: mein Leib, mein Blut? Auch die Freunde Jesu kapieren an dem Abend erst mal eher nix. Erst als ihnen der Gekreuzigte später wieder begegnet, auferstanden und lebendig, da fangen sie an, dieses letzte Abendmahl immer und immer wieder zu feiern. Um ganz bei Jesus zu sein. Damit er da ist, mitten unter ihnen, handfest und leibhaftig. Ein Ge¬heimnis des Glaubens. Verrückt für die einen. Schwer zu fassen für andere. Lebenskraft, Energie¬quelle für Christgläubige. Wie geht’s Ihnen – mit dem letzten Abendmahl?


Thema: Karfreitag: Jesus als Messias - am Kreuz?

Freitag, 15. April 2022, ca. 4:47 Uhr + 6:20 Uhr

Nicht nur Kinder kriegen manchmal feuchte Augen, wenn sie auf den Mann am Kreuz schauen und sich vorstellen, wie schrecklich er gelitten haben muss. Das Kreuz ist ein Folterinstrument. Und dass es im Mittelpunkt des christlichen Glaubens steht, sogar als das Erkennungszeichen schlechthin gilt und deshalb beispielsweise auch als Schmuck getragen wird - das ist schon schwierig. Aber - kein Symbol steht so für das Christentum wie das Kreuz. An dem vor über 2000 Jahren Jesus hingerichtet worden ist wie ein Schwerverbrecher. Von Anfang an skandalumwittert. Was für ein Blödsinn, so die einen, der Sohn Gottes wird hingerichtet, stirbt am Kreuz – was soll das? Skandal, unglaublich, Gotteslästerung, so die anderen, das kann nicht der Messias sein. Kreuze begegnen Ihnen auf Schritt und Tritt: in Kirchen und unterwegs. Darüber könnten Sie fast vergessen, welche Sprengkraft darin steckt. Ein echter Aufreger für alle, die sich Gott so ganz anders und ganz allmächtig vorgestellt haben. Und seinen Sohn natürlich auch. Gott in Jesus als Messias, als Retter, Heiland und Erlöser der Welt - am Kreuz? Was - glauben Sie?


Thema: War da was - Ostern? Was glauben Sie?

Samstag, 16. April 2022, ca. 6:20 Uhr + 10:47 Uhr

War da was, morgen – an Ostern? Ein leeres Grab, ratlose Männer und Frauen, Anhänger dieses Zimmermannssohnes aus Nazareth, der Karfreitag ein übles Ende genommen hatte am Kreuz. Der Leichnam ist weg, sie haben den Herrn gestohlen - das waren die ersten panikartigen Reaktionen. Am Ende geht's uns selber noch ans Leder. Verrammelt haben sie sich und eingeschlossen, so die Bibel. Als die Frauen dann allerdings erzählen, das Grab ist leer, der Leichnam weg - da schmeißt Petrus den Turbo 'rein, denn das will er dann doch mit eigenen Augen sehen und – tatsächlich. Aber es soll noch viel besser kommen. Denn auf einmal steht angeblich Jesus mitten unter seinen Freunden, als wäre nichts gewesen und meint: "Shalom!" "Friede mit euch!" Kollektive Wahnvorstellung womöglich. Obwohl sich nach und nach alle überzeugen lassen laut Bibel: Ja, er ist's, der Freund, Jesus ist auferstanden, er lebt, Gott hat ihn aus dem Grab geholt. Draus geworden ist dann die größte aller Weltreligionen. Entweder ein besonders erfolgreicher Fall von kollektivem Wahn. Oder ... war da was - Ostern? Was - glauben Sie?