Die Feels like heaven-Manuskripte vom 20. bis 26. Juni 2021

Autor: Stefan Weinert, Trier


Thema: Der heiße Tropfen und das Senfkorn

Sonntag, 20. Juni 2021, ca. 6:20 Uhr + 10:47 Uhr

“Das ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein!” Da klingt viel Skepsis mit, bei dieser Redewendung. Eine andere Sichtweise können Sie in der Bibel lesen. Da erzählt Jesus von einem Senfkorn. Ein winziges Samenkorn, ein, zwei Millimeter. Und daraus wird ein richtig großer Strauch, oder sogar ein Baum. Jesus von Nazareth schildert damit, wie es mit dem Reich Gottes ist, mit dem neuen Leben, dem neuen Miteinander, das durch und mit ihm angefangen hat: Geht klein und unscheinbar los, aber wächst und wächst. Papst Franziskus sagt dazu: Oft lassen wir den Mut sinken, weil wir den Eindruck haben, dass gute Ansätze wirkungslos bleiben - halt wie der Tropfen auf dem heißen Stein. Aber wir sollen uns beharrlich für das Gute einsetzen, und gleichzeitig auf Gott vertrauen. Und dann kann das was werden mit dem kleinen Samen. Denn mit Gott, so der Papst, gibt es selbst beim trockensten Boden noch Hoffnung auf neue Triebe. Welchen Samen haben Sie gesät? Was soll daraus wachsen? Und - auf wen vertrauen Sie dabei?


Thema: Heiliger Luigi, kicke für uns

Montag, 21. Juni 2021, ca. 6:20 Uhr + 10:47 Uhr

Nein, es gibt ihn nicht, den Fußballgott. Aber – es gibt einen Schutzpatron für Fußballspieler: den heiligen Luigi Scrosoppi. Luigi lebte von 1804 bis 84 in Udine in Norditalien. Gekickt hat er wohl nie. Luigi Scrosoppi war katholischer Priester. In einem Waisenhaus hat er mitgearbeitet und sich überhaupt mehr und mehr um Arme und Kranke gekümmert. Und für die Jugend hat er sich eingesetzt. Jede Menge Rückschläge hat er dabei einstecken müssen, aber das hat ihn offenbar nicht entmutigt. Wegen dieser Eigenschaften ist die Wahl auf den heiligen Luigi Scrosoppi gefallen, als vor einigen Jahren offiziell ein Schutzpatron für Fußballspieler gekürt wurde. Der heilige Luigi stehe für Fairness, Ausdauer und Zielstrebigkeit, und das passe gut zum Fußball, hieß es. Wäre der heilige Luigi Scrosoppi nicht sozusagen ein guter Mental-Coach für Sie? Denn ausdauernd zu sein, zielstrebig und dabei fair – das ist doch auch eine gute Taktik neben dem Platz, mitten im Alltag, oder? Was meinen Sie?


Thema: Thomas Morus: Den Kopf hinhalten

Dienstag, 22. Juni 2021, ca. 4:47 Uhr + 6:20 Uhr

„Nie hätte ich einer Sache zugestimmt, die gegen mein Gewissen gewesen wäre!“ So wünscht man sich Politiker und Politikerinnen, oder? Der Satz stammt von einem, nämlich von Sir Thomas More alias Thomas Morus, aus England vor rund 500 Jahren. Ein kluger Kopf, befreundet mit Philosophen. Ein gläubiger Christ, später sogar heiliggesprochen; heute ist sein Gedenktag. Und ein einflussreicher Politiker, zweiter Mann hinter dem König, Heinrich VIII. Der ist seiner Gemahlin Katharina überdrüssig. Doch der Papst weigert sich, die Ehe für ungültig zu erklären. Wütend ernennt Heinrich sich selbst zum Herrn über die englische Kirche. Einige wenige bieten ihm die Stirn - darunter auch Thomas Morus. Er weiß, dass darauf die Todesstrafe steht. Aber für ihn ist die Lage klar: "Nie hätte ich einer Sache zugestimmt, die gegen mein Gewissen gewesen wäre." Diese Haltung kostet ihn den Kopf. Wie machen Sie’s: Kopf durchsetzen wie König Heinrich oder, wie Thomas Morus, auch mal den Kopf hinhalten – und wofür?


Thema: Am Ball wie im Leben: Rumpelfüßler

Mittwoch, 23. Juni 2021, ca. 4:47 Uhr + 6:20 Uhr

Bei der Fußball-Europameisterschaft gibt‘s packende und begeisternde Spiele. Aber auch rüdes Geholze und müdes Gekicke, klar. Es soll Franz Beckenbauer gewesen sein, der da den Begriff Rumpelfüßler geprägt hat. Aber haben Sie’s mal selbst probiert? Dribbeln, passen - gar nicht so einfach. Viele Menschen sind von Natur aus eher Rumpelfüßler, nicht nur beim Fußball. Denn nicht nur der Ball läuft oft anders als Sie wollen, sondern auch Ihr Leben, oder? Da wollten Sie aufmerksam sein, wenn es jemandem schlecht geht – und haben’s dann doch wieder vermasselt. Wollten nicht mehr so aufbrausend sein – und haben doch wieder jemanden verletzt. Rumpelfüßler halt. Da hilft: Fehler erkennen, Schuld bereuen, Schaden wieder gut machen. Darum geht’s, wenn’s im Vaterunser heißt: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“. Bitten Sie um Vergebung und vergeben Sie selbst. Und fangen Sie dann neu an. Denn nach dem Spiel ist vor dem Spiel - nicht nur im Fußball, sondern auch in Ihrem Leben.


Thema: Beten vor schwierigen Entscheidungen - nicht nur im Bundestag

Donnerstag, 24. Juni 2021, ca. 4:47 Uhr + 6:20 Uhr

Im Bundestag treffen sich heute wieder einige Abgeordnete zu einer Andacht, zum Beten; wie jeden Donnerstag in den Sitzungswochen. Mitglieder aus allen Fraktionen kommen dorthin, versichert Marian Wendt von der CDU; er selbst vor allem vor schwierigen Abstimmungen; als es um Sterbehilfe ging zum Beispiel, oder um Auslandseinsätze der Bundeswehr. Die Bibel erzählt, dass auch Jesus von Nazareth sich immer wieder zurückgezogen hat, um sich über seine nächsten Schritte klar zu werden - betend, im Gespräch mit Gott. Beten ersetzt nicht Ihr eigenes Nachdenken, es geht nicht ohne Sie. Beten ist andererseits mehr als eine Art mentales Training; es geht nicht nur um Sie. Beten heißt, mit Gott in Kontakt zu treten. Wie? Dafür gibt’s keine Rezepte, aber Vorlagen wie das Vaterunser. Probieren Sie's aus, tasten Sie sich heran, finden Sie Ihre Form des Betens! Vor großen Entscheidungen und im kleinen Alltag. Wie wär’s - heute?


Thema: Christen - manchmal quer

Freitag, 25. Juni 2021, ca. 4:47 Uhr + 6:20 Uhr

In Deutschland spuckt Sie niemand an oder verprügelt Sie, wenn Sie Christ sind. Anders in Indien. Dort gibt’s Gewalt von radikalen Hindus gegen Christen. Häuser wurden niedergebrannt, es gab auch schon Tote. Und seit Monaten sitzt der Jesuitenpater Stan Swamy in Haft. Wie andere setzt er sich dafür ein, dass die Adivasi zu ihrem Recht kommen, die indigene Bevölkerung Indiens. Und auch die Dalits, die Unberührbaren. In der indischen Kasten-Gesellschaft stehen die ganz unten, werden ausgebeutet und unterdrückt. Der christliche Einsatz für die Adivasi und Dalits wird nicht von allen gern gesehen in Indien. Aber wo Christen ernst machen mit ihrem Glauben, dürfen sie nicht wegsehen, wenn Politik oder Tradition Menschen ausgrenzen. Wie sehen Sie das: Gibt’s auch in Deutschland Anlässe, sich quer zu stellen? Wie christliche Gemeinden, die Flüchtlinge vor Abschiebung schützen, weil ihnen im Herkunftsland Gefahr droht? Wie christliche Gruppen, die die vielen Abtreibungen nicht hinnehmen? Oder - bei was stellen Sie sich quer?


Thema: Tag des Verzeihens: siegzigmal siebenmal

Samstag, 26. Juni 2021, ca. 6:20 Uhr + 10:47 Uhr

26. Juni - heute ist der Tag des Verzeihens. Und offenbar gibt’s noch zwei weitere internationale Tage des Verzeihens im August und September. Gut so - denn ohne sich zu verzeihen, zu vergeben können Menschen nicht miteinander leben. Dazu gibt es zu viele Verletzungen, zu viele Kränkungen. Die Bibel erzählt, wie Petrus Jesus von Nazareth fragt: Wie oft muss ich jemandem vergeben? Siebenmal? Und Jesus antwortet: Nein, siebzigmal siebenmal! Macht 490 mal. Aber da geht’s nicht darum, mitzuzählen. In der biblischen Zahlensymbolik heißt das nichts anders als: Immer! Vergeben? Immer wieder neu! Wenn der, die andere bereut, Schaden gut macht, und bereit ist, es künftig besser zu machen. Denn ohne Vergebung und damit ohne Neuanfang fressen sich Konflikte immer tiefer ein. Das kennen Sie vielleicht aus der Familie oder dem Freundeskreis. Also - jeder Tag passt als Tag des Verzeihens, Tag der Vergebung. Wem sollten Sie verzeihen? Und wen sollten Sie um Verzeihung bitten?