Die Angedacht!-Manuskripte vom 21. bis 27. Juni 2020

Autorin: Maike Jakob, Mainz


Thema: Geborgen - bei Gott?

Sonntag, 21. Juni 2020, 6:40 Uhr

Stellt Euch mal folgende Situation vor: Ihr seid in einer unbekannten Umgebung, um Euch rum nur fremde Leute und Euch geht’s körperlich richtig schlecht. Die meisten Menschen vor Ort wollen Euch helfen – nur: es ist kein bekanntes Gesicht dabei. Den Gedanken findet Ihr nicht so prickelnd? – So geht’s den Patienten, die in den letzten Tagen und Wochen in den Krankenhäusern liegen: Sie sind krank oder haben irgendein anderes Gebrechen und obwohl sich die meisten mit anderen ein Zimmer teilen, fühlen sich viele einsam. Besuch dürfen sie momentan ja nicht empfangen – wegen Corona. So 'ne Situation kann einem ganz schön an die Nerven gehen. Den Familien zuhause geht’s ja oft ähnlich: Die sorgen sich um den Kranken. An wen könntet Ihr Euch wenden in so einer Lage? Wohin mit Euren Gefühlen und Euren Ängsten? In 'nem christlichen Lied heißt es „Geborgen bei Dir Gott, ruhe ich aus, bin ich zufrieden“ und „Gehalten in Dir, Gott, wache ich auf, wage ich tastend den Tageslauf.“ – Rückhalt zu finden in Gott, das hilft Milliarden Menschen durch’s Leben. Besonders dann, wenn’s eng wird. Könnt Ihr Euch das vorstellen, Halt zu finden bei Gott, wenn alle Stricke reißen? Oder wer gibt Euch Halt - wenn Ihr welchen braucht?


Thema: Sagt mal Danke!

Montag, 22. Juni 2020, 5:40 Uhr

Wann hat Euch zum letzten Mal jemand „Danke“ gesagt? Zum Beispiel, weil Ihr demjenigen einen Gefallen getan habt und eine Kleinigkeit für Ihn erledigt habt, wie ein Paket anzunehmen. Oder Ihr habt 'ne größere Sache übernommen, wie dass Ihr gerade dem Kollegen bei 'nem aufwändigen Projekt geholfen habt, mit dem Ihr sonst nicht so gut könnt. Gab’s da ein „Dankeschön“? Mir kommt‘s so vor, als wäre ein ehrliches, ernst gemeintes „Danke“ sagen selten geworden. In Bundesländern Hessen sind sogar Lehrer dazu angehalten, Kindern neu beizubringen, dass man sich bedankt. – Dabei ist es ja nicht selbstverständlich, dass andere helfen und dem Helfer tut ein „Dankeschön“ als Anerkennung für seine Mühe gut. So geht’s auch Jesus. Unterwegs kommen zehn Schwerkranke zu ihm und bitten ihn, dass er sie heilt. Er verspricht, dass sie auf ihrem Heimweg gesund werden und sie gehen. Genau einer von ihnen kommt zurück um „Danke“ zu sagen. Kein Wunder, dass Jesus enttäuscht ist. „Wieso kommst nur Du? Sind die anderen nicht gesund geworden?“ fragt er. Doch, sind sie. Nur: Sie sind nicht gekommen um „Danke“ zu sagen. – Dabei tut das nicht weh. Also: Wem und wofür könnt Ihr heute - oder morgen - „Danke“ sagen?


Thema: Werde Lebensretter!

Dienstag, 23. Juni 2020, 5:40 Uhr

Wie steht Ihr eigentlich zum Thema Blutspenden? Gehört Ihr zu denen, die seit Jahren selbstverständlich zur Blutspende gehen? Oder habt Ihr da eher Respekt davor? Gerade jetzt befürchten ja viele, sie könnten sich mit Covid-19 infizieren, wenn sie zur Spende gehen. Das hat schwere Folgen: Ärzte berichten, dass die Blutreserven in vielen Krankenhäusern zur Neige gehen. Diese Reserven werden aber gebraucht, um Menschen zu helfen, die viel Blut verloren haben, zum Beispiel bei 'ner OP oder durch 'nen Unfall. Mit dem Blut aus den Blutspenden kann ihr Leben gerettet werden. – Womöglich auch Eures, oder das Leben Eurer Familie. Denn so eine Situation, in der Ihr Blut braucht, die kann Euch auch schnell treffen. Umgekehrt schadet’s Euch nicht, was von Eurem Blut abzugeben, so lange Ihr gesund seid. Auch die Kirchen empfehlen, Blut zu spenden. Nach dem Motto: „Was ihr wollt, dass euch die anderen tun, das tut genauso auch ihnen!“ (Mt 7,12) Deswegen gibt’s auch kirchliche Organisationen, die Blutspenden sammeln, wie zum Beispiel die Malteser. Die kommen dazu auch in kleine Orte, bestimmt auch bei Euch in der Nähe. Also: Was spricht dagegen, das Spenden mal zu probieren? Und damit - womöglich - Leben zu retten?


Thema: Macht's wie Johannes!

Mittwoch, 24. Juni 2020, 5:40 Uhr

Irgendwie fehlen die großen Volksfeste in diesem Sommer, oder? Gerade heute wäre ja Anlass zum Feiern an vielen Orten. Heute ist nämlich der der Feiertag von Johannes dem Täufer. Auf den gehen die vielen Johannisfeste zurück, die - normaler Weise - Ende Juni gefeiert werden. Johannes der Täufer - erinnert Ihr Euch an den? Er war der Cousin von Jesus und muss ein echt markanter Mensch gewesen sein mit viel Mut: Obwohl seine Eltern angesehene Leute waren ist Johannes ausgewandert um Gottes Botschaft zu verbreiten: Alle sollen sich bekehren und sich als Zeichen dafür von ihm taufen lassen. Allerdings hat Johannes nicht feierlich in einer Kirche getauft, sondern mitten in der Wüste. Dort hat er im Fluss Jordan Erwachsene getauft. Dabei war’s ihm piepegal, wie sie angekommen sind und wie sie ausgesehen haben. Ihm ging’s um die Entscheidung ihres Herzens und den ehrlichen Wunsch ihr Leben zu ändern und Gott zu folgen. Da hat er keine Kompromisse gemacht und das hat ihn schließlich den Kopf gekostet: Weil er sogar den König öffentlich kritisiert hat. Kein schönes Schicksal, aber Johannes war im Reinen mit sich. Das ist ein ziemlich gutes Gefühl, oder? Heute steht auf Kritik nicht mehr die Todesstrafe. Worauf könnt Ihr hinweisen, mit dem Ihr nicht einverstanden seid?


Thema: Lernt von den Mönchen und Nonnen

Donnerstag, 25. Juni 2020, 6:40 Uhr

„Jeden Tag zuhause zu sein ist ein seltsames Gefühl, weil man immer dasselbe sieht und das Zeitgefühl verschwindet.“ – So beschreibt eine Schülerin, wie es ihr in der „Corona-Pause“ geht. Vermutlich haben es einige von Euch ähnlich erlebt – oder erleben‘s noch so: Aufstehen, an den Computer setzen, zwischendurch mal einkaufen, vierundzwanzig-sieben umgeben von denselben Leuten, schlafen gehen und wieder von vorn. Egal ob Werktag, Sonntag oder Feiertag. Als Seelsorgerin habe ich in dieser Zeit oft gehört, wie sehr es viele lähmt und an ihren Nerven zehrt, wenn jeder Tag dem andern gleicht. Kein Wunder: der Mensch ist so gebaut, dass er eine gewisse Struktur im Leben braucht. Besonders gut wissen das die Mönche und Nonnen im Kloster. Sie leben ja immer in derselben Umgebung, mit denselben Leuten, viele verlassen das Kloster kaum. Trotzdem strahlen die meisten von ihnen einen ganz besonderen Frieden aus. Und dazu haben sie ein uraltes „Rezept“: Sie leben nach einem bestimmten Rhythmus, in dem sie beten, arbeiten, essen und Freizeit haben. Sonn- und Feiertage weichen von diesem Rhythmus ab. Das funktioniert seit Jahrhunderten. Und das könnt Ihr für Euch selbst mal testen: Wenn Ihr Euch feste Zeiten setzt zum Arbeiten und auch einen freien Tag einplant. – Zum Beispiel den Sonntag.


Thema: Was Du nicht willst, das erspare auch andern!

Freitag, 26. Juni 2020, 5:40 Uhr

Bisher mussten Facebook, WhatsApp, insta und Co Posts löschen, in denen über bestimmte Gruppen gehetzt oder andere bedroht wurden. Seit letzter Woche sind die Anbieter von sozialen Netzwerken gesetzlich verpflichtet zu melden, wenn so was auf ihren Seiten passiert. Wie seht Ihr das? Findet Ihr, da mischt sich der Staat zu viel in Eure private Kommunikation ein? Fragt Ihr Euch, wie die Millionen Posts, die täglich verschickt werden, überhaupt kontrolliert werden sollen? Oder haltet Ihr’s für richtig, so 'nem Verhalten den Garaus zu machen, egal wie? Am besten wär’s ja, wenn wir so ein Gesetz gar nicht erst brauchen würden. Weil wir alle in Ruhe und Frieden leben könnten – ohne Angst zu haben. „Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ Diese uralte Regel kennen so oder ähnlich alle Kulturen und Religionen. Und die ist doch eine gute Ausgangsbasis dafür, dass wir friedlich zusammen leben können. Egal, zu welchem Volk wir gehören, oder von welchem Glauben wir überzeugt sind: Was Ihr nicht über Euch hören oder lesen wollt, das erzählt Ihr auch nicht über andere. Klingt machbar, oder? Je mehr sich daran halten, umso weniger haben Grund zu hetzen und zu drohen. Probiert das doch heute mal aus – im echten Leben und im Netz.


Thema: Let’s Dance!

Samstag, 27. Juni 2020, 6:25 h

Wann und wo habt Ihr zum letzten Mal so richtig abgetanzt? – War das heimlich, bei Euch zuhause, vielleicht als Euer Lieblingssong im Radio lief? Oder auf 'ner Party, als das noch ging, vor Corona? Tanzen ist ganz natürlich, eine ursprüngliche Bewegung, mit der Menschen ihre Gefühle ausdrücken. Womöglich habt Ihr schon beobachtet, dass Kleinkinder spontan anfangen zu tanzen, wenn sie sich freuen. Auch Erwachsene tanzen, überall auf der Welt: Zum Beispiel beim „Abzappeln“ im Club, oder beim klassischen Gesellschaftstanz, den Kreistänzen wie dem Sirtaki oder den urtümlichen Tänzen indigener Stämme. Die meisten tanzen, wenn sie ausgelassen sind, feiern und sich freuen. Davon erzählt auch die Bibel: Die Prophetin Mirjam tanzt als sie aus der Sklaverei in Ägypten geflohen ist. Auf Hochzeiten wird ausgelassen getanzt und gefeiert, auch Jesus tanzt auf der Hochzeit zu Kanaan. Miteinander glücklich und ausgelassen zu sein, das Leben zu feiern – so hat Gott sich das für wohl für alle Menschen vorgestellt. Schade nur, dass sich viele oft nicht trauen, ganz ausgelassen zu sein, sich zu freuen und zu tanzen. Denkt Ihr da: Peinlich - was denken nur die anderen?