Die Angedacht!-Manuskripte vom 19. bis 25. Juni 2022

Autorin: Maike Jakob, Mainz


Thema: Die letzte Hoffnung: Gott

Sonntag, 19. Juni 2022, 6:40 Uhr

Dass der Krieg in der Ukraine noch dauern wird, damit haben sich ja viele abgefunden. Womöglich haben sich auch einige von Euch an die Bilder gewöhnt, die seit Monaten über den Screen flirren: Ausgebombte Häuser, Verletzte, Leichen und immer wieder Menschen, die weinen und verzweifeln. Bei aller Gewöhnung: Fragt Ihr Euch manchmal, wieso das passieren muss? Und: Ob es einen Gott geben kann, der so was zulässt? Im Reli-Unterricht diskutiere ich oft mit meinen Schülerinnen, wo Gott denn ist, bei allem, was passiert. Beantworten kann ich die Frage nicht, aber drüber nachdenken ist wichtig: Wo könnte Gott sein: Bei denen, die seit Monaten im Keller ausharren? Oder bei den Familien, deren Männer eingezogen werden, um zu kämpfen? Bei den russischen Bürger*innen, denen Strafe droht, weil sie das Regime nicht stützen? Überall da könnte Gott sein – bei denen, die leiden. Um ihnen einen letzten Halt zu geben und sie nicht alleine zu lassen. Ob das so ist – kann keiner filmen oder irgendwie im Bild festhalten. Das können die Menschen nur spüren und glauben. Tatsächlich berichten viele, bei denen mal alles auf der Kippe gestanden hat, dass ihnen da ihr Glaube geholfen hat. Könnte sein, dass Ihr das auch erlebt oder bei anderen mitbekommen habt. – Wann und wo?


Thema: Eine bessere Welt für alle

Montag, 20. Juni 2022, 5:40 Uhr

Mehr als Einhundert Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Einhundert Millionen - Zur Orientierung: Deutschland verzeichnet etwa vierundachtzig Millionen Einwohner. Und etwa eins-komma-drei Millionen Flüchtlinge haben wir in Deutschland aufgenommen, also etwa ein Prozent von der Gesamtzahl der Einwohner. Und ja: Dass wir Geflüchtete aufnehmen, kann bedeuten, dass unser wirtschaftlicher Wohlstand sinkt, dass wir uns kritisch mit anderen Kulturen auseinandersetzen müssen und sicher sind da auch schwarze Schafe dabei. Ohne Frage: Da haben wir ein paar ganz dicke Bretter zu bohren. Aber: Könnt Ihr’s 'nem Menschen verdenken, dass er sich aufmacht, um eine besseren Welt zu suchen - wenn er zuhause nicht leben kann: Weil Krieg ist oder er diskriminiert, versklavt oder verstümmelt wird? Da spielen wir hier ja in einer ganz anderen Liga: Bei uns versteht‘s sich von selbst, dass es Menschenrechte gibt, dass jeder frei ist und jedem eine Würde zukommt, an der nicht gerüttelt wird. Egal, woher er kommt, oder was sie leistet. Wir alle sind Abbilder Gottes. Und: Wollt Ihr nicht in einer Welt leben, wo Menschen auch so behandelt werden: Respektiert und wertgeschätzt als Mensch? Wo und wie könnt Ihr dazu beitragen – gerade heute am Weltflüchtlingstag?


Thema: Sonne, Licht und Leben

Dienstag, 21. Juni 2022, 5:40 Uhr

Am längsten Tag in diesem Jahr. Auch wenn Ihr schon vor Wochen geschwitzt habt: Heute beginnt der Sommer, astronomisch genau berechnet um elf Uhr dreizehn mit der Sommer-Sonnenwende. Vor allem in skandinavischen Ländern wird das ja groß gefeiert – könnte sein, dass einige von Euch schon mal das berühmte „Mittsommerfest“ erlebt haben. Aber auch anderswo gibt‘s verschiedene Bräuche zur Sommersonnenwende: Ein Feuer anzünden und drüber springen, drum rum tanzen oder was drin verbrennen. Diese Bräuche sind uralt und vor langer Zeit entstanden, um böse Geister zu vertreiben. Und weil viele Menschen geglaubt haben, die Sonne sei ein Gott – den wollten sie mit dem Feuer verehren. Im Christlichen Glauben ist‘s ein bisschen anders, da vergleichen die Gläubigen Gott mit der Sonne: Gott ist wie eine Sonne, weil er Licht in ihr Leben bringt, sie wärmt und ihnen die Kraft gibt, die sie zum Leben brauchen. - Wie die Sonne. Deswegen beziehen sich auch viele christliche Feste auf die Sonne. – Der Weihnachtstermin zum Beispiel ist eng verbunden mit der Wintersonnenwende. Heute feiern wir kein christliches Fest. Aber Ihr könnt den Tag als Anlass nehmen, zu überlegen: Wer für Euch wie eine Sonne ist. Wer wärmt und erhellt Euer Leben?


Thema: Nicht alles steht in den Sternen

Mittwoch, 22. Juni 2022, 5:40 Uhr

Das klingt gut: „Sie sorgen gut für ihr Umfeld, fühlen sich zuhause am wohlsten und lassen ihren Emotionen freien Lauf.“ – Wenn Ihr Horoskopen glaubt, ticken so oder ähnlich alle, die in den nächsten dreißig Tagen Geburtstag haben, also zum Sternzeichen „Krebs“ gehören. Wie genau nehmt Ihr‘s mit solchen Vorhersagen oder Eurem persönlichen Tages- oder Liebes-Horoskop? Richtet Ihr Euch danach oder amüsiert‘s Euch eher? Tatsächlich orientieren sich Menschen ja seit Jahrtausenden an den Sternen. Schon die frühen Hochkulturen haben Sterne zu Bildern zusammengefügt, um sich daran zu orientieren. Die Horoskope, die Ihr heute lest und hört, sind ein Überbleibsel davon. Wie zutreffend sie sind, darüber könnt Ihr viel streiten. Mir persönlich fällt‘s schwer jeden Tag zu tun, was meine Sterne gerade sagen. Ich orientiere mich lieber an allgemeineren Weisungen, wie sie mir zum Beispiel die zehn Gebote geben: Dass ich versuche grundsätzlich bei der Wahrheit zu bleiben, und das Eigentum anderer zu respektieren, kurz: Dass ich jeden so behandle, wie ich behandelt werden möchte. Wie ist das bei Euch: Woran orientiert Ihr Euch bei dem, was Ihr heute tut und lasst?


Thema: Klare Worte statt Mainstream

Donnerstag, 23. Juni 2022, 6:40 Uhr

Wie wichtig ist‘s für Euch, „politisch korrekt“ zu sein? Also: Gut drauf zu achten, wie und was Ihr öffentlich sagt und tut – damit Euch keiner 'nen Strick draus drehen kann. Passt Ihr Euch da gerne dem „Mainstream“ an – oder fühlt Ihr Euch bevormundet, wenn andere Euch vorgeben, was „man tut“ oder eben nicht. Reizt es Euch manchmal, denen da oben die Meinung zu geigen? So, wie Johannes der Täufer: Der war mit vielem, was damals passiert ist, nicht einverstanden. Tief in sich hat er gespürt, dass er anders leben will - auch, wenn das hart ist. Dem Gespür ist er gefolgt: Er hat den Mächtigen schonungslos den Spiegel vorgehalten. Johannes war echt. Und viele waren froh, dass einer den Mut hatte, den Gelehrten zu sagen: „Ihr Schlangenbrut! Kümmert nicht so viel um Euer Ansehen, sondern lebt selbst, was ihr anderen predigt.“ Solche Statements haben Johannes am Ende den Kopf gekostet. Wortwörtlich. Was er gesagt hat, hat den Mächtigen missfallen. Er war ihnen unangenehm: zu anders, zerzaust, schlecht gekleidet, laut, direkt, völlig unangepasst. Heute feiert die Kirche Johannes‘ Gedenktag. Und wir können von ihm lernen: Echt zu sein statt gute Miene zum bösen Spiel zu machen. – Wäre das was für Euch? – Dann versucht’s doch heute mal.


Thema: Noch ein Grund zu feiern!

Freitag, 24. Juni 2022, 5:40 Uhr

„Das Johannesfest feiern wir immer, wenn die Johannisbeeren reif sind.“ – Keine schlechte Eselsbrücke, die sich eine meiner Schülerinnen da gebaut hat. Der wahre Grund, warum es dieses Wochenende so viele Johannesfeste gibt ist ein anderer: Die Feste gehen zurück auf den Geburtstag von Johannes dem Täufer am vierundzwanzigsten Juni, also heute. In vielen Städten und Gemeinden, die eine Johanneskirche haben oder sonst wie mit Johannes dem Täufer verbandelt sind, steigt jeweils am Wochenende drauf die Party. Auch in unserer Landeshauptstadt Mainz. Wenn Ihr denkt: Die Stadt feiert da doch ihren „berühmtesten Sohn“: Johannes Guttenberg! - liegt Ihr auch richtig. Das Mainzer Johannesfest hängt aber mit der zweit ältesten Kirche in Deutschland zusammen: Dem so genannten „Alten Dom“. Der stammt aus dem fünften Jahrhundert. Später ist die Kirche Johannes dem Täufer geweiht worden. Momentan graben und forschen da Archäologen. Das könnt Ihr hautnah erleben, wenn Ihr nach Mainz kommt: Die „St. Johanniskirche“ steht mitten in der Altstadt und ist tagsüber geöffnet. Wer abends unterwegs ist, kann durch Gucklöcher 'nen Blick reinwerfen. Es lohnt sich also doppelt, das Mainzer Johannesfest zu besuchen. – Schaut doch mal vorbei: Auf dem Fest und im „Alten Dom“.


Thema: Freunde für’s Leben

Samstag, 25. Juni 2022, 6:25 h

Wer sind für Euch gute Freund*innen? – Denen Ihr blind vertraut und auf die Ihr in jeder Lebenslage zählen könnt? Solche Freundschaften entstehen ja oft in der Schulzeit: Mit Euren Schulkamerad*innen macht Ihr eine Zeit durch, in der unglaublich viel passiert. Einige Schulfreund*innen treffen sich noch mit neunzig und lachen über alte Zeiten. – So stell' ich’s mir bei zwei meiner Schülerinnen vor: Die eine hat ihre mündliche Abi-Prüfung verpatzt. Ihre letzte Chance war die Zusatzprüfung - direkt am nächsten Morgen. Für die andre lief’s super, die hätte feiern können. Stattdessen, ist sie zu ihrer Freundin und hat mit ihr die Nacht durchgelernt. Am nächsten Morgen hat sie sie buchstäblich zur Prüfung getrieben: Die Wackelkandidatin hatte eigentlich schon aufgegeben, die Aussichten waren nicht rosig. Aber: Es hat gereicht. Als sie aus der Prüfung kam – wartete die andere schon mit Taschentüchern und Kaltgetränk, um zusammen zu feiern oder zu weinen. „Ein Freund liebt alle Zeit, als Bruder für die Not ist er geboren.“ (Spr 17,17). Dass der Bibelspruch stimmt und: natürlich genauso für Frauen gilt – haben die beiden bewiesen. Diese Freundschaft werden sie wohl nie vergessen. An welche Freund*innen oder Freundschaftsdienste wollt oder werdet Ihr immer denken?