Die Angedacht!-Manuskripte vom 12. bis 18. September 2021

Autorin: Maike Jakob, Mainz


Thema: Feiert Eure*n Namenspatron*in – zum Beispiel Maria!

Sonntag, 12. September 2021, 6:40 Uhr

Herzlichen Glückwunsch: Miriam, Mareike, Marie, Marion, Meike und Maria! Ihr habt ja alle was zu feiern heute. Heute steht das Fest „Mariä Namen“ im Kalender der kirchlichen Feste. An dem Tag können alle die von Euch Namenstag feiern, die einen Namen haben, der irgendwie von „Maria“ abgeleitet ist. Früher ist so ein Namenstag gefeiert worden, wie ein zweiter Geburtstag: Weil man am Namenstag natürlich an den Menschen denkt, der einen bestimmten Namen trägt - also Euch - , aber auch an die Heiligen, auf die Euer Name zurück geht. - Und deren Gedenktag ist: Euer Namenstag. Wenn Ihr erfahren wollt, wer Eurer Namenspatron ist oder Eure Namenspatronin, wann Ihr Namenstag habt und damit Grund zum Feiern: Gebt einfach in Eure Suchmaschine ein: Euren Namen plus Schutzpatron und schaut mal, was sie ausspuckt. Etwas tricky werden könnte das bei Maria, der Mutter von Jesus – denn die hat ziemlich viele Gedenktage. Deswegen gibt’s den Tag heute: Mariä Namen, da wird Marias Namenstag gefeiert. Also: Wenn Ihr wen kennt, der einen marianischen Namen hat: Überrascht den oder diejenige heute doch mal mit einem „Herzlichen Glückwunsch - zum Namenstag!“


Thema: Gott zu begegnen – (k)ein Kunststück?

Montag, 13. September 2021, 5:40 Uhr

Was für die USA die Freiheitsstatue ist, ist für Brasilien die Statue „Christus, der Erlöser“. – Bestimmt habt Ihr schonmal auf 'nem Bild gesehen, wie dieser riesige Christus seine Arme weit über Rio de Janeiro ausbreitet. Wie es so ist, diesem Christus ganz nah zu sein, haben jetzt zwei Touristen aus Frankreich praktisch ausprobiert: Die haben sich abends in der Kapelle versteckt, die sich im Sockel der Statue befindet und haben sich einschließen lassen. Am frühen Morgen sind sie dann über eine Wendeltreppe in der Statue hoch gestiegen, von da aus auf die Arme Christi gekraxelt – und haben den Sonnenaufgang bewundert. Aber das Vergnügen währte nur kurz, die beiden sind entdeckt und festgenommen worden. Einer von ihnen hat zur Polizei gesagt, er hätte „die Welt aus den Augen Gottes sehen“ wollen. Was haltet Ihr davon - Gott nah sein und die Welt mit seinen Augen sehen? Geht auch einfacher, oder? Zum Beispiel, wenn Ihr anderen aufmerksam begegnet und helft. Wie‘s Jesus formuliert in der Bibel: Was ihr dem Geringsten tut, tut ihr mir. Also: Gott, glauben Christ*innen. Dazu braucht Ihr keine Kunststücke vollführen – sondern „nur“ Eure Mitmenschen beachten, ihnen ein Ohr leihen oder eine Hand. Wem könntet Ihr heute ein Ohr oder eine Hand leihen?


Thema: Urteilt – auf keinen Fall nach dem ersten Augenschein!

Dienstag, 14. September 2021, 5:40 Uhr

Wenn Ihr durch 'ne Stadt schlendert rechnet ihr wohl nicht damit, einen zu treffen, der völlig ungepflegt ist, eine Bierdose nach der nächsten in sich rein kippt und unter dessen Shorts ihr sehen könnt, dass aus seinen Waden an mehreren Stellen eine Flüssigkeit tropft. Das ist ja schon beim bloßen Hören unangenehm, oder? An diesem Menschen bin ich wirklich vorbei gekommen und habe mich innerlich geschüttelt: Muss das wirklich sein, dass der sich so hier hin setzt? Muss ein Mensch sich derart runter kommen lassen? - Ja: Womöglich muss es sein, weil der arme Kerl nicht anders kann? Ich kenne seine Geschichte nicht. Wer weiß, was für ein Schicksalsschlag ihn getroffen hat? Und: wer weiß, wie ich in seiner Lage dran wäre? Wie kann ich überhaupt in Sekunden ein Urteil über jemanden fällen, den ich gar nicht kenne - nur aufgrund dessen, was ich von ihm sehe?! - Ist Euch so was auch schon passiert, dass Ihr wen beurteilt nur aufgrund dessen, was ihr von ihm seht oder hört? Und: Musstet Ihr so ein Vorurteil auch schonmal revidieren? „Urteilt und richtet nicht über andere“ Heißt’s in der Bibel. (Lk, 6,37) Achtet heute mal drauf, wenn Euch das passiert. Und dann: versucht die anderen lieber mit Verständnis wahrzunehmen - als sie zu beurteilen oder sogar zu verurteilen!


Thema: Keiner muss alleine sterben

Mittwoch, 15. September 2021, 5:40 Uhr

Alleine dem Sterben in die Augen zu sehen  – ist einer der schlimmsten Alpträume überhaupt, oder? Und umgekehrt tut’s weh: Wenn Ihr Euch von einem lieben Menschen nicht verabschieden könnt. Wenn’s Euch so ginge: Was würdet Ihr in Bewegung setzen, welche Entfernungen würdet Ihr überwinden, um einem „Lebewohl“ oder „Bis bald“ zu sagen? Was möglich werden kann, wenn scheinbar nichts mehr geht, hat der Landwirt Ben Jackson aus Australien vorgemacht: Bens Tante hatte den Kampf gegen den Krebs verloren. Ben lebt etwa vierhundert Kilometer weiter und durfte weder seine Tante noch ihre Beerdigung besuchen - wegen der Corona-Maßnahmen. Trotzdem hat er einen Weg gefunden, um sich von ihr zu verabschieden: Er hat für sie ein lebendiges Herz kreiert: Aus seinen Schafen. Die Schafe hat Ben so dressiert, dass sie sich auf ihrer Weide selbständig zu einem riesigen Herz zusammen finden. Das hat er gefilmt und den Clip unterlegt mit dem Lieblingssong seiner Tante. Damit hat Ben seiner Tante gezeigt, wie sehr er sie mag. Und Euch, wie Ihr’s anstellen könnt wenn‘s anders nicht geht, wem „Lebwohl“ zu sagen. Oder würdet Ihr sagen „bis bald“ – auf der anderen Seite des Lebens, bei Gott? Wo Euch keine Beschränkungen mehr voneinander trennen? Was glaubt Ihr?


Thema: Bundestagswahl: Dabei sein ist alles

Donnerstag, 16. September 2021, 6:40 Uhr

Der Count-Down läuft: In zehn Tagen ist Bundestagswahl. Wisst Ihr schon, wo Ihr Eure Kreuzchen setzt? Oder habt Ihr schon gewählt per Brief? Oder wählt Ihr lieber nicht, weil Ihr denkt, es bringt ja eh nichts? Irgendwie ist’s ja auch schwer: Euch blinken so viele Gesichter entgegen, auf den Monitoren und am Straßenrand. Dazu lest und hört Ihr Wahlparolen, bei denen Ihr manchmal gar nicht genau wisst, was dahinter steckt – oder bezweifelt, dass sie umgesetzt werden. Also wonach entscheidet Ihr, ob und, was Ihr wählt? – Macht Ihr's einfach so, wie immer? Entscheiden für Euch Themen wie Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit, wirtschaftlicher Fortschritt, Vertrauen oder Euer persönliches Wohlergehen? Wie wichtig ist’s Euch, aus welcher inneren Haltung wir die Zukunft gestalten: Die Welt, in der Eure Kinder leben werden – wie soll die aussehen? Dafür übernehmt Ihr Mitverantwortung, wenn Ihr wählt. Das ist übrigens auch ein Akt des Glaubens: Gott hat dem Menschen nämlich beauftragt, die Welt gut zu gestalten. Drum: wen Ihr wählt, ist Eure Sache. Aber dass Ihr wählt und so die Welt ein bisschen mitgestaltet – ist im Sinne Gottes und Eurer Mitverantwortung dafür, wie wir zusammen leben. Also: Hauptsache – Ihr wählt. Eure Stimme zählt!


Thema: Macht’s wie Hildegard: Steht zu Eurer Überzeugung

Freitag, 17. September 2021, 5:40 Uhr

Vehement für eine Überzeugung einzustehen – ist ja nicht jedermanns Sache. Wie geht’s Euch da: Haltet Ihr Euch eher zurück oder nehmt Ihr kein Blatt vor den Mund? So wie die Ordensschwester Philippa Rath, wenn’s um die Rolle der Frau in der Kirche geht. Dazu sagt sie ganz öffentlich: „Dass Frauen allen Ernstes Priesterinnen werden wollen, können sich die männlichen Verantwortungsträger in meiner Kirche gar nicht vorstellen. Es kann halt nicht sein, was nicht sein darf.“ – Wundert’s Euch, diese Worte von einer gestandenen katholischen Ordensfrau zu hören? Philippa steht damit in guter Tradition: Denn das Kloster Eibingen, wo Philippa wohnt, hat Hildegard von Bingen gegründet. Und die hat schon vor siebenhundert Jahren, am Ende des Mittelalters, dagegen protestiert, dass Frauen nicht ernst genommen werden. – Weil sie überzeugt war, dass vor Gott alle denselben Wert haben. Inzwischen ist Hildegard heilig gesprochen und heute feiert die Kirche ihren Gedenktag. Hildegard ist ihrer tiefen Überzeugung gefolgt, ohne Rücksicht auf Verluste. Genau das tut auch Schwester Philippa. Und Ihr? – Macht’s doch auch so, wie Hildegard: Tretet ein für das, was Ihr glaubt und wovon Ihr überzeugt seid.


Thema: Der Mensch ist wunderbar - besser als perfekt

Samstag, 18. September 2021, 6:25 h

Wann wart Ihr zuletzt auf 'nem „echten“ Konzert? Erinnert Ihr Euch noch, was Euch da am besten gefallen hat? Und: Was macht für Euch das „Live-Erlebnis“ speziell – im Unterschied dazu, wenn Ihr zuhause Musik hört? Ist‘s dass Ihr Eure Stars persönlich erlebt, das Ihr mit anderen Fans zusammen seid, oder, dass der Funke überspringt von der Bühne zum Publikum? – Und könnt Ihr Euch vorstellen, wie’s wäre, wenn der Live-Act aus Maschinen bestehen würde? So ein Projekt existiert tatsächlich: Unter dem Namen „Empty Vessels“ musizieren Roboter. Die werden gesteuert von einer Künstlichen Intelligenz, und die schreibt auch die Musik für diese neuartige „Band“. Das ist eine völlig neue Form von Musik: Weil die Maschinen perfekt spielen. Aber auch, weil sie Klänge erzeugen, die Menschen gar nicht spielen können: Motorwummen zum Beispiel, oder: bei 'nem Cello alle Seiten gleichzeitig streichen. – Was haltet Ihr davon? Hättet Ihr Lust so ein Maschinen-Konzert live zu besuchen? Oder bevorzugt Ihr Menschen mit ihren Emotionen und spontanen Ideen, auch wenn da mal was schief geht? „Ich danke Dir Gott, dass ich, [als Mensch], so wunderbar gemacht bin.“ Heißt’s in der Bibel (Ps 139,14.) Der Mensch ist wunderbar? Mit all seinen Macken und Fehlern? Wie seht Ihr das?