Die Angedacht!-Manuskripte vom 11. bis 16. Mai 2020

Autor: Uwe Burkert, Speyer


Thema: Wann, wenn nicht in Corona-Zeiten? Auszeit!

Montag, 11. Mai 2020, 5:40 Uhr

Kennt Ihr das Zeichen, die Geste für Auszeit? Time out? Könnt Ihr bei Ballsportarten wie Handball, Volleyball und Basketball immer wieder sehen. Auszeit nimmt der Trainer entweder, wenn's kritisch wird, das eigene Team aus dem Tritt gerät, es hinten und vorne nicht rund läuft. Oder ein Trainer nimmt eine Auszeit, weil die Zeichen auf Sieg stehen kurz vor Schluss; um das andere Team zu nerven und aus dem Rhythmus zu bringen, das gerade versucht 'ranzukommen. Nun jagt Ihr keine Medaillen und wollt auch nicht Welt- oder Europameister werden. Aber 'ne Auszeit - solltet Ihr Euch ab und zu schon nehmen und gönnen! 'Ne Auszeit, die entweder dafür sorgt, dass Ihr gar nicht erst aus dem Tritt kommt, sondern weiter auf Kurs bleibt, dahin unterwegs, wo Ihr hin wollt. Oder 'ne Auszeit, die Euch wieder auf Kurs bringt; in den Rhythmus, der Euch gut tut und denen, mit denen Ihr zusammen seid oder für die Ihr da seid. Denn immer nur und immer weiter und pausenlos powern und alles geben und sich verausgaben, das ist nicht das Erfolgsrezept, so seh'n Sieger nicht aus. Sogar Gott nimmt laut Bibel einen Tag Auszeit, nachdem er die Welt geschaffen hat. Natürlich braucht Gott keine Pause. Aber, will die Bibel sagen: Ihr. Und deshalb das Vorbild: Gott. Damit Ihr's genau so macht. Am besten gleich heute. Denn wann - wenn nicht in Corona-Zeiten?


Thema: Der Tod – als Ende oder Station wohin?

Dienstag, 12. Mai 2020, 5:40 Uhr

Was meint Ihr? Hat Epikur Recht, der griechische Philosoph, der vor über 2000 Jahren behauptet: „Das schauerlichste Übel …, der Tod, geht uns nichts an; denn solange wir existieren, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, existieren wir nicht mehr.“ Schön wär’s, oder? Denn in Zeiten von Corona ist der Tod allgegenwärtig: jeden Tag neue Zahlen aus der ganzen Welt. Selten dürften so massenhaft und kollektiv alle Menschen zugleich erleben und erfahren, wie zerbrechlich jedes Leben ist, wie endlich unser Dasein – und dass es keinesfalls selbstverständlich ist, abends ins Bett zu gehen und am nächsten Morgen putzmunter wieder aufzustehen. Der Tod ist ein ständiger Begleiter, das wird gerade überdeutlich, teils unerträglich deutlich. Wie geht Ihr damit um? Kopf in den Sand und lieber nix davon wissen wollen? Oder betont locker und gechillt: ach ja, der Tod - soll er doch? Ist der Tod für Euch das Ende – oder gehört er für Euch zum Leben: als eine Station? Auf einem Weg, von dem niemand weiß, wohin er führt? Von dem aber viele glauben und die Religionen erzählen: dass er wohin führt? Zu Gott, ins ewige Leben, ins immerwährende Aufgehobensein und Zuhausesein, ins Glück? Was glaubt Ihr?


Thema: Ewig/es Leben – oder nicht: Euer Stand-Punkt?

Mittwoch, 13. Mai 2020, 5:40 Uhr

Wie vermessen findet Ihr, an ein Leben, an ein weiter Leben nach dem Tod zu glauben – sogar an ewiges und ewig leben? Alles eine Frage der Perspektive, oder? Wie das halb volle und das halb leere Glas. Denn natürlich seht Ihr Tag für Tag, Stunde um Stunde, wie Leben vergeht, wie Leben zu Ende geht. Tausende sterben - an Krankheiten, Hunger, in Kriegen, Naturkatastrophen, durch Verbrechen und Gewalttaten. Und auch die Natur vergeht: Bäume und Büsche verlieren Früchte und Blätter und sterben selber irgendwann. Tiere werden gefressen, fressen andere Tiere, Eintagsfliegen haben nicht viel Zeit. Und sogar im Kosmos verglühen Sterne, schwarze Löcher fressen Materie – alles ein endloses, unendliches Sterben und Vergehen. Einerseits. Denn andererseits - ist das die andere Perspektive: Dauernd wächst, blüht und gedeiht irgendwas irgendwo auf diesem Planeten. Dauernd wird irgendwas irgendwo geerntet, angepflanzt, entwickelt sich, wird neu geboren: Tiere, Menschen – Tausende in jeder Sekunde. Das Universum dehnt sich aus – auch da geht also noch was. Drum - was glaubt Ihr? Welche Perspektive nehmt Ihr ein, welchen Stand-Punkt? Seht Ihr vor allem, dass alles vergänglich ist – oder seht Ihr vor allem, dass dauernd irgendwas und –wer geboren wird? Warum glaubt Ihr an ewiges Leben – oder warum nicht?


Thema: Was glaubt und genießt Ihr – vom Unendlichen?

Donnerstag, 14. Mai 2020, 6:40 Uhr

„Worum geht’s im Leben?“ wird der Fotograf Christopher Klettermayer gefragt in der Süddeutschen Zeitung. Klettermayer ist 37 und seit 2014 HIV infiziert. Das hat in seinem Leben fast alles verändert. Und vor allem weiß er seitdem, wie sich das anfühlt: wenn körperliche Nähe und Berührung plötzlich zu einer Frage - von Leben und Tod werden können. „Worum geht’s im Leben“, wird er gefragt – und Klettermayer antwortet: „Wieso glauben Sie, dass ich das weiß?“ Ja, sicher, er hat jahrelang nachgedacht über Leben und Sterben. Aber die „Lebenskatastrophe“, wie er seine HIV-Infektion nennt, hat ihn erst mal in ein riesiges dunkles Loch fallen lassen für zwei Jahre. „Worum geht’s im Leben?“, wird der Fotograf gefragt – und antwortet: „… keine Ahnung. Fest steht: Wir sind auf jeden Fall hier, um das Leben auch zu genießen. Überleben allein ist nicht genug.“ Überleben alleine – ist noch kein Leben? Wo findet Ihr Eure Genuss-Nischen – auch und gerade auch in Corona-Zeiten? Und genießt Ihr mit jedem Moment, den Ihr genießt – nicht noch mehr als diesen Moment? Sondern einen Zipfel vom großen Glück, vom ewigen Leben, vom Unendlichen? Oder – was glaubt und genießt Ihr?


Thema: Kinder-Lärm und Lebensfreude – statt Totenstille?

Freitag, 15. Mai 2020, 5:40 Uhr

Leben ist laut, jedenfalls mit Geräuschen verbunden – das Gegenteil ist die schauerliche Totenstille. Und selbst die Stille, die entsteht, wenn alles schweigt und alle schweigen – fängt auf einmal an zu sprechen: das berühmte beredte Schweigen. Nada Brahma heißt es in den Veden, einer heiligen Schrift im Hinduismus – was ungefähr meint: Gott hat die Welt aus Klang erschaffen, der ursprünglichen Energie, die alles lebendig hält. Wie kann es dann in Corona-Zeiten sein, dass sich Nachbarinnen und Anwohner – über Kinder-Lärm beschweren? In Neustadt an der Weinstraße zum Beispiel. Ja, sicher, kann’s einem mal zu viel werden und zu laut. Und jeder hat je nach persönlichem Nervenkostüm auch die eigene, persönliche Lärm-Schwelle und Grenze, an der’s einfach zu viel wird. Doch dann – wie wär’s mit Reden miteinander statt Kinder zu beschimpfen? Das würde dem eigenen inneren göttlichen Funken mehr entsprechen, der eigenen Gottebenbildlichkeit. Denn laut Bibel ist Gott ein „Freund des Lebens“ (Weish 11,26). Und Jesus sagt später klipp und klar: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder“ (Mt 18,3) – dann gute Nacht. Lebensfreude und Lebendigkeit – sind totenstill nicht zu haben. Oder – was meint Ihr?


Thema: Im täglichen Corona-Modus: Euer Lieblingsmantra?

Samstag, 16. Mai 2020, 6:25 h

Was ist Euer Rezept gegen schlechte Laune und den Corona-Kollaps? Michel Lejoyeux, Psychologieprofessor in Paris, nennt Meditation einen regelrechten Schlechte-Laune-Killer. Wie kommt's? In der Kundenzeitschrift "alverde" schreibt der Professor dazu: "Durch Meditation verändere ich meine mentale Einstellung und komme weg von dunklen Grübeleien. So hat man mehr Freude an der Gegenwart." Der Professor meditiert mit Mozart und trinkt dann gaaanz, gaaanz laaangsam eine Tasse Tee – mit Bedacht; oder achtsam, wenn Ihr das Modewort noch hören könnt. Auch ein einfaches Mantra eignet sich, findet Lejoyeux, ein Wort mit fünf Silben wie Ta-ka-Tu-ka-Land. Wenn Ihr das oft genug wiederholt, regelmäßig und gleichmäßig und ruhig, verspricht der Professor: "Wie ein Metronom gelangen Geist und Gehirn so in einen ruhigeren Rhythmus." Meditation spielt deshalb auch in allen Religionen eine wichtige Rolle. Und noch geeigneter als Ta-ka-Tu-ka-Land sind vermutlich bewährte Mantras wie OM, Jesus oder Kyrie eleison. Damit Ihr Euch ruhig dem widmen könnt, was Euch zentral wichtig ist, und nicht im Corona-Krisen-Modus zappelt jeden Tag. Damit Geist und Seele, Leib, Herz und Verstand in eine gute Balance kommen und ausgeglichen sind. Oder was ist Euer – Lieblingsmantra?