Die Angedacht!-Manuskripte vom 1. bis 7. März 2020

Autorin: Maike Jakob, Mainz


Thema: Fastenzeit – welche „Baustelle“ nehmt Ihr Euch vor?

Sonntag, 1. März 2020, 6:40 Uhr

Seit Aschermittwoch ist alles vorbei, danach steht das große „Reinemachen“ an: Die Fastnachter unter Euch packen die Kostüme fein säuberlich ein bis zum nächsten Mal und auch in den Fastnachtshochburgen kehrt der Alltag ein. Obwohl: Nicht ganz. Denn mit Aschermittwoch hat auch die Fastenzeit der Christen begonnen und die ist ja auch was Besonderes. Wer Bekannte hat, die fasten, kriegt das nicht unbedingt mit. Denn für Christen gibt es keine festen Vorschriften, wie und was gefastet wird. Da geht’s drum, dass Ihr in der Fastenzeit, also in den vierzig Tagen vor Ostern, Euch selbst und Euer Leben unter die Lupe nehmt. Dass Ihr prüft, ob sich da Gewohnheiten eingeschlichen haben, von denen Ihr eigentlich nichts haltet. Also zum Beispiel, dass Ihr zu viel am Handy oder am Internet hängt, dass Ihr wichtige Menschen vernachlässigt oder sonst wie unachtsam mit Eurem Leben oder der Umwelt umgeht. Da hat ja jeder seine eigenen Baustellen. Und deswegen macht’s Sinn, dass Ihr jeder selbst über Euer persönliches Fastenopfer bestimmen könnt: So wie‘s eben zu Euren Baustellen passt. Entscheidet selbst, ob Ihr mehr auf Eure Ernährung achten wollt, mal auf Euer Auto verzichten, was für Euer spirituelles Leben tun, oder was ganz anderes. – Was für ein Fastenopfer könnt Ihr Euch auferlegen für vierzig Tage?


Thema: Packt Eure Sehnsucht am Schopf!

Montag, 2. März 2020, 5:40 Uhr

Habt Ihr Sehnsüchte? Etwas, von dem Ihr träumt und hofft, dass es sich erfüllt? Wollt Ihr den Partner für’s Leben finden, eine Familie gründen oder eine bestimmte Reise machen? – Was ist Euer Herzenswunsch? Und: Was tut Ihr, damit er sich erfüllt? Plant Ihr Euer Leben aktiv um dem Traum näher zu kommen? Oder hofft und wartet Ihr drauf, dass Eure Sehnsucht zu Euch findet? Ob das so hilfreich ist? Beten und hoffen alleine, das genügt oft nicht. Die Bibel zeigt das mit folgender Geschichte: Die jungen Eltern, Maria und Josef, bringen ihren neugeborenen Jesus zum Tempel nach Jerusalem. Als sie beim Tempel ankommen, läuft ein alter Mann auf sie zu, schnappt sich den kleinen Jesus und sagt: „Nun kann ich in Frieden sterben, meine Augen sehen das Heil der Welt.“ Dann taucht die schrullige Hannah auf und sie fängt an lauthals über die Zukunft dieses Kindes zu predigen. – Fragt Ihr Euch, ob die beiden noch ganz knusper sind? Eins haben sie ganz offensichtlich richtig gemacht: Sie haben sich die Sehnsucht ihres Herzens erfüllt: Sie haben die Gelegenheit, auf die sie ein Leben lang gewartet haben erkannt und am Schopf gepackt. Sie haben auf Gott gehofft und selbst gehandelt! Auf welche Gelegenheit wartet Ihr um Eure Sehnsucht zu erfüllen?


Thema: Vor Gott sind alle gleichwertig!

Dienstag, 3. März 2020, 5:40 Uhr

Starke Frauen, Gleichberechtigung, Frauenqoute oder Emanzipation. – Wie steht Ihr dazu? Ist das Thema für Euch ausgelutscht, weil es Euch völlig klar ist, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind? Oder denkt Ihr, wir müssen dran bleiben, weil’s eben immer noch so ist, dass Frauen und Männer für gleiche Arbeit nicht unbedingt gleich bezahlt werden und der Mann beim Friseur weniger für seinen Kurzhaarschnitt zahlt als die Frau für ihren? Andererseits: Sind wir hier in Deutschland echt gut dran, Frauen dürfen zum Beispiel wählen und Autofahren. – Das ist nicht überall üblich. Und: Das haben wir auch unserer christlichen Kultur und Prägung zu verdanken. Weil Jesus einer war, der nicht nach Geschlecht unterschieden hat, sondern Frauen unter seinen Jüngern hatte, und ihnen auf Augenhöhe begegnet ist statt auf sie hinab zu schauen. Er hat Frauen Mut gemacht, die sich aus gutem Grund gegen Männer durchgeboxt haben. (Mk, 5,25ff)  – Und das war damals alles andere als üblich. Damit zeigt er Euch: Vor Gott haben alle Menschen den gleichen Wert! Und das hat sich nicht geändert. Fragt Ihr Euch jetzt, warum dann in der katholischen Kirche die Frauen noch immer nicht in alle Ämter dürfen? Ja, da knabbern viele meiner Kolleginnen und Kollegen dran. Aber was zählt, ist die Botschaft Jesu: Jeder hat denselben Wert. Und dafür zu kämpfen lohnt sich. In der Kirche und in Eurem Alltag! – Wo könnt Ihr Euch ins Zeug legen für die Gleichwertigkeit aller Menschen?


Thema: 100% Sicher – leider nicht hier und jetzt!

Mittwoch, 4. März 2020, 5:40 Uhr

Was war das für ein Fastnachtswochenende dieses Jahr: Auf eine Shishabar wurde geschossen, ein Amokfahrer rast in den Rosenmontagszug. Da haben Menschen, die friedlich zusammen gesessen oder gefeiert haben ihr Leben verloren. Ist Euch bei diesen Nachrichten auch das Lachen im Hals stecken geblieben? Und zu guter Letzt kam ja noch die Info, dass das Coronavirus jetzt auch in Rheinland-Pfalz angekommen ist. Wie geht’s Euch, wenn Ihr solche Meldungen hört? Könnt Ihr da ruhig bleiben? Oder werdet Ihr nervös, weil Ihr merkt, dass Ihr Euch nicht vor allem schützen könnt? Und, dass niemand, weder Ärzte noch der Staat Euch hundertprozentige Sicherheit gewährleisten kann. Weil es die in diesem Leben einfach nicht gibt. Auch wenn Staatsleute Euch das gern anders erzählen. Euer Leben ist gefährlich und unberechenbar. Und – Ihr wisst das, oder? Wie geht Ihr mit dem Wissen um? Lebt Ihr voll drauf los, so lange Ihr könnt? Oder denkt Ihr manchmal drüber nach, ob hinter Eurem Leben und der Welt was Stabiles steht. Was, das unzerbrechlich und wirklich sicher ist, das dem ganzen Leben einen endgültigen Sinn geben kann? Dass hinter allem ein Gott steht, so wie das viele Religionen beschreiben: als letzter Grund von allem, was ist? Was glaubt Ihr?


Thema: Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine ist!

Donnerstag, 5. März 2020, 6:40 Uhr

Wie wichtig sind Euch eigentlich Gefühle? Und: Was braucht Ihr, um was fühlen oder, um lieben zu können? Gehören dazu andere Menschen, für die Ihr Gefühle entwickeln und mit ihnen austauschen könnt? Oder: geht das auch alleine? – Das hinterfragt die Fotografin Julia Steinigeweg. In ihrem Buch „Ein verwirrendes Potenzial“ zeigt sie Menschen, die Gefühle haben für ein Gegenüber ohne eigene Seele. Sie leben mit menschenähnlichen Puppen und sie lieben sie auch. Dabei geht es gar nicht mal um körperliche Liebe. Einige der Männer und Frauen haben gar keinen Sex mit ihrer Puppe. Sie genießen es einfach, nicht alleine zu sein. Oder auch keine Angst davor haben zu müssen, dass sie zurück gewiesen werden. Einer sagt, das sei ihm lieber als eine Partnerin, die ihn mit ihren Worten immer wieder verletzt. Wie findet Ihr das? – Mich bringt es ins Grübeln, denn ich denke: Es stimmt, was gleich am Anfang der Bibel steht: Es ist nicht gut, dass ein Mensch alleine bleibt. Wie kann es also dazu kommen, dass jemand lieber mit einer Puppe zusammen lebt als mit einem anderen Menschen? – Mit einem beseelten Gegenüber. Wie viele Menschen sind heutzutage einsam und leiden darunter? Und was könnt Ihr für sie tun?


Thema: Heute betet die ganze Welt!

Freitag, 6. März 2020, 5:40 Uhr

Heute ist der erste Freitag im März. Ja, und? Ist da was Besonderes? Ja, schon: Am ersten Freitag im März beten jedes Jahr und auf der ganzen Welt Christen und Christinnen dafür, dass Frauen und Mädchen überall in Frieden und Würde leben können. Darum heißt dieser Freitag auch „Weltgebetstag“. Habt Ihr das schonmal gehört? Frauen aus Amerika haben vor etwa einhundertdreißig Jahren den Grundstein für diesen Weltgebetstag gelegt: Sie haben sich zusammengeschlossen über alle Grenzen hinweg, die damals für Frauen und zwischen den christlichen Konfessionen gegolten haben. Um sich in Wort und Tat für andere Benachteiligte einzusetzen. Damit haben sie 'ne riesen Sache gestartet: Ihre Aktion ist unaufhaltsam gewachsen bis nach Asien, Afrika und Europa, durch die Weltkriege und durch den Eisernen Vorhang hindurch. Wahnsinn, oder? Während der Weltkriege zum Beispiel haben Frauen weltweit für die Opfer in Europa gebetet. Und heute beten Männer und Frauen weltweit für Benachteiligte im afrikanischen Simabwe. Frauen aus Simbabwe haben das Gebet für heute vorbereitet und sie bitten Euch, mit zu beten: Dafür, dass sie ihre Meinung frei äußern dürfen und die medizinische Behandlung bekommen, die sie brauchen. Das Gebet der Simbabwerinnen wird heute sicher auch in Eurer Kirche gebetet. – Macht Ihr mit?


Thema: Beim Sterben helfen (k)ein Geschäft?!

Samstag, 7. März 2020, 6:25 h

Mal angenommen, Eure Eltern, Euer Kind oder ein Freund möchte sterben, schafft‘s aber alleine nicht. Fändet Ihr’s ok, wenn er dann zu 'nem Arzt oder 'ner Firma gehen könnte, die das anbieten? Ganz offiziel als ihr Geschäft? Die quasi serienmäßig und für Geld Lebensmüden dabei helfen sich zu töten. Bisher war es in Deutschland verboten, auf diese Weise Geschäfte mit unserem Leben zu machen. Aber letzte Woche hat das Bundesverfassungsgericht dieses Verbot aufgehoben: In Zukunft ist es erlaubt, Menschen geschäftsmäßig beim Sterben zu helfen. Wie steht Ihr dazu? Seid Ihr erleichtert – so wie viele, die sterben wollen. Weil auch Ihr denkt: Eine fest organisierte Sterbehilfe ist der beste Weg, ein Leben in Würde zu beenden. Oder packt Euch bei dem Gedanken das kalte Grausen: Ihr fürchtet, dass es nicht mehr okay ist, Euch pflegen und würdig begleiten zu lassen bis zum natürlichen Tod? Dass alle, die in den lieben Händen ihrer Familie oder bei fürsorglichen Pflegern in einem Hospiz sterben möchten, verdächtigt werden, andere zu belasten? Ich fühle mich bei der Idee nicht wohl, ich halte die Entscheidung über Leben und Tod für 'ne ganze Nummer zu groß für uns Menschen. Was meint Ihr dazu?