Die Angedacht!-Manuskripte vom 11. bis 16. April 2022

Autor: Uwe Burkert, Speyer


Thema: Unglaubliches Drehbuch Karwoche: Und - Eure Rolle?

Montag, 11. April 2022, 5:40 Uhr

Vorhang auf - zur Karwoche! Mit einem Drehbuch, das Hollywood nicht spektakulärer hätte schreiben können. Schauplatz Jerusalem. Dahin kommt einer aus der Provinz. Jesus, aus Nazareth, Sohn eines Zimmermanns. Ist anderswo schon aufgefallen durch Spontanheilungen und andere Wundertaten. Soll Wasser in Wein verwandelt haben, das war noch die kleinste Übung. Hat aber auch Lahme wieder zum Springen gebracht, Aussatz zum Verschwinden, soll Stürme gestillt haben, für reichen Fischfang gesorgt und sogar Tote wieder zum Leben erweckt haben. Da kommt der Zimmermannssohn aus Nazareth nach Jerusalem. Das Volk jubelt ihm zu laut Bibel, streut Kleider aus und Palmzweige: Das isser, der Messias, der die Römer zum Teufel jagen soll. Jesus umjubelt, ganz oben. Das Ende ist bekannt. Der Wind dreht sich in Jerusalem. In einer konzertierten Aktion von religiöser Elite und politischer Besatzungsmacht landet der Held der Massen am Kreuz wie ein kapitaler Schwerstverbrecher. Zwischen "Hosianna" und "Kreuzige ihn" liegen nur ein paar Tage. Doch das ist noch nicht der ultimative Showdown. Am Ende holt Gott den aus dem Grab, auf den keiner mehr einen Pfifferling gegeben hätte. Ihr seid eingeladen, diese Woche aufmerksam nachzublättern in diesem unglaublichen Drehbuch. Seite für Seite. Und - Eure Rolle darin zu finden!


Thema: Euer Leben hingeben – für wen würdet Ihr das tun?

Dienstag, 12. April 2022, 5:40 Uhr

Wie weit würdet Ihr geh'n in diesem Krieg? Juckt es Euch in den Fingern, so wie manche es machen, in die Ukraine zu gehen und dort die Menschen mit zu verteidigen und ihr Land, ihr Zuhause? Und dafür sogar Euer eigenes Leben zu riskieren? Oder spendet Ihr lieber für die Menschen in der Ukraine, helft Flüchtlingen, schnürt Hilfspakete? Wie weit würdet Ihr geh'n in diesem Krieg? Wollt Ihr auch erst mal die Sanktionen weiter wirken lassen? Waffen liefern - aber keine Flugverbotszone einrichten und durchsetzen? Weil Euch das zu gefährlich erscheint und das Risiko zu hoch, dass Putin die nächste Stufe der Eskalation zündet – was immer das dann auch sein mag? Aber ist nicht schon längst alles eskaliert? Oder wie viele sollen noch sterben in der Ukraine? Soldaten, Zivilisten, Kinder, Frauen, Männer, Mütter, Väter, Schwestern, Brüder, Nachbarinnen und Nachbarn? Wie weit würdet Ihr geh'n in diesem Krieg? In dem es von Anfang an geht - um Leben und Tod? Kann es da überhaupt Grenzen geben? Grenzen zu helfen, die vielen weiteren bedrohten Menschenleben zu schützen und zu verteidigen? "Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt", sagt Jesus im Johannes-Evangelium (Joh 15,13). Sein Leben hingeben – Euer Leben hingeben: Für wen – würdet Ihr das tun?


Thema: Jagt dem Frieden nach, verfolgt ihn – allzeit!

Mittwoch, 13. April 2022, 5:40 Uhr

Shalom und Salaam – würde ich Euch auf Hebräisch und Arabisch begrüßen. Shalom und Salaam, auf Deutsch: "Frieden". Gute Idee, oder - sich im Alltag bei jeder Begrüßung "Frieden" zu wünschen? Denn auf einmal haben wir gefühlt fast vor der Haustür – wieder Krieg. Und auf einmal bekommt die Aufforderung aus der Bibel eine fürchterlich aktuelle Bedeutung, aus Psalm 34: "Suche Frieden und jage ihm nach!" (Ps 34, 15b) Jage im nach, ja, ist so gemeint, mit diesem energischen, etwas aggressiven Grundton. Verfolge den Frieden – das ist das gleiche Wort im Hebräischen: nachjagen, verfolgen. Und wir erleben gerade auf schockierende Weise, das das ein Teilaspekt von Frieden ist: dass Frieden niemandem einfach in den Schoß fällt. Frieden – ist ein hartes Stück Arbeit. Und manchmal bedeutet es sogar, sich mit allen Mitteln zu verteidigen im Krieg, um dann eines Tages und hoffentlich bald wieder Frieden zu haben. Jage dem Frieden nach – das bedeutet beispielweise auch, sich einzusetzen gegen Unrecht und ungerechte Verhältnisse, sich stark zu machen für die Schwachen, für die Armen, für die ohne Macht. Frieden fällt Euch nicht einfach in den Schoß. Jagt ihm nach, verfolgt ihn hartnäckig – rät deshalb die Bibel. Was werdet Ihr heute tun – für den Frieden? Wo jagt Ihr – ihm heute nach?


Thema: Letztes Abendmahl: Verrückte Energiequelle?

Donnerstag, 14. April 2022, 6:40 Uhr

Seit Weihnachten zieht das Leben des Jesus von Nazareth im Zeitraffer vorbei. Vor vier Monaten erst Kind in der Krip¬pe, Süßer-die-Glocken-nie-klingen, Hirten und Weise aus dem Morgenland. Und heute, am Gründonnerstag, dem Greinen-, dem Weinen-Donnerstag? Der Prozess droht dem, den die Engel doch verkündet hatten als Messias und Retter. Eben noch "Hosianna!", "Hoch lebe unser König!", morgen dann "Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!" laut Bibel. Und heute Abend, am Abend vor seiner Verhaftung, noch dieses mysteriöse Festmahl. Jesus feiert im engsten Freundeskreis das Paschamahl, feiert wie alle Juden den Auszug aus Ägypten, die Flucht vor dem Pharao, dass Gott sein Volk rettet aus der Skla¬verei. Und deutet um. Brot und Wein werden zu: "Das ist mein Leib und das ist mein Blut." Klingt kannibalisch? Was soll das heißen? Was soll das bedeuten: mein Fleisch, mein Blut? Auch die Freunde Jesu kapieren an dem Abend erst mal eher nix. Erst als ihnen der Totgeglaubte später wieder begegnet, auferstanden und lebendig, da fangen sie an, dieses letzte Abendmahl immer und immer wieder zu feiern. Um ganz bei Jesus zu sein. Damit er da ist, mitten unter ihnen, handfest und leibhaftig. Ein Ge¬heimnis des Glaubens. Verrückt für die einen. Schwer zu fassen für andere. Lebenskraft, Energie-quelle für Christgläubige. Wie geht's Euch – mit dem letzten Abendmahl?


Thema: War da was - Ostern? Was glaubt Ihr?

Samstag, 16. April 2022, 6:25 h

War da was, morgen – an Ostern? Ein leeres Grab, ratlose Männer und Frauen, Anhänger dieses Zimmermannssohnes aus Nazareth, der Karfreitag ein übles Ende genommen hatte am Kreuz. Der Leichnam ist weg, sie haben den Herrn gestohlen - das waren die ersten panikartigen Reaktionen. Das fehlte gerade noch. Denn sie hatten ja die Hosen so schon gestrichen voll: Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes und die anderen Freunde Jesu - nach diesem schrecklichen Showdown. Am Ende geht's uns selber noch ans Leder. Verrammelt haben sie sich und eingeschlossen, so die Bibel. Als die Frauen allerdings dann erzählen, das Grab ist leer, der Leichnam weg - da schmeißt Petrus den Turbo 'rein, denn das will er dann doch mit eigenen Augen sehen und – tatsächlich. Aber es soll noch viel besser kommen. Auf einmal steht angeblich Jesus mitten unter seinen Freunden, als wäre nichts gewesen und meint: "Shalom!" "Friede euch!" Kollektive Wahnvorstellung womöglich. Obwohl sich nach und nach alle überzeugen lassen laut Bibel: Ja, er ist's, der Freund, Jesus ist auferstanden, er lebt, Gott hat ihn aus dem Grab geholt. Draus geworden ist dann die größte aller Weltreligionen. Entweder ein besonders erfolgreicher Fall von kollektivem Wahn. Oder ... war da was - Ostern? Was meint Ihr? Was glaubt Ihr?