Die Angedacht!-Manuskripte vom 11. bis 17. September 2022

Autor: Stefan Weinert, Trier


Thema: Tag des offenen Denkmals – denkt mal drüber nach!

Sonntag, 11. September 2022, 6:40 Uhr

Heute ist in ganz Deutschland der Tag des offenen Denkmals. Viele Denkmäler, die sonst verschlossen bleiben, haben heute offene Türen. Denn Denkmäler, dass können Inschriften sein, Skulpturen, Gedenksteine, die an berühmte Menschen erinnern oder an wichtige Ereignisse. Denkmäler sind aber auch alle Bauwerke, an denen wir besonders gut ablesen können, wie die Menschen vor uns gelebt haben. Was ihnen wichtig war für ihr Leben. Wohnhäuser der einfachen Leute und Schlösser der Mächtigen. Mühlen, Lagerhäuser und Fabriken. Und Kirchen und Kapellen. Denn auch ihr Glaube war den Menschen vor uns wichtig. Vor allem an Sonn- und Feiertagen haben sie sich hier getroffen, um Gott gemeinsam zu danken und ihn zu bitten, dass er ihnen in der kommenden Woche beisteht. Oder sind gekommen, für ein stilles Gebet - oft, wenn ihnen etwas auf dem Herzen lag: Krankheit, Angst vor schlechter Ernte oder um den Arbeitsplatz, Sorgen um die Kinder oder den Partner, die Partnerin. Für alles das sind Kirchen und Kapellen Denk-male. Oder was sind sie für Euch? Mehr oder weniger ehrwürdige Zeugnisse der Vergangenheit? Die nix mehr zu tun haben mit Eurem Leben, hier und jetzt? Oder doch was? Denkt mal drüber nach - heute am Tag des offenen Denkmals!


Thema: Trendsetter - Weltretter

Montag, 12. September 2022, 5:40 Uhr

Nur noch kurz die Welt retten … wenn’s doch so einfach wär’! Denn Rettung hat die Welt nötig, oder? Energiekrise bei uns. Kriege in der Ukraine und im Jemen und wo noch überall. Flutkatastrophe in Pakistan, Dürre in den USA - und überhaupt, die globale Klimakrise … Gut, Gott hat versprochen: “Niemals, solange die Erde besteht, werden Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht aufhören.” So steht’s in der Bibel. Also - die Hände in den Schoß legen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen? Oder findet Ihr auch eher, wie es in einem alten Gebet heißt: Christus, also Gott hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit zu tun? Also - Ärmel aufkrempeln und die Welt retten. Weltretter sind Trendsetter, sagt das Bistum Speyer ganz selbstbewusst, zusammen mit der Evangelischen Kirche der Pfalz und anderen Partnern. Aber niemand rettet die Welt allein. Weltretter sind sich nah, arbeiten zusammen, teilen miteinander und mit anderen und können so zusammen viel bewirken. Mit kleinen, konkreten Schritten für ein nachhaltiges Leben. Also - werdet Trendsetter und Weltretter. Sucht Euch Leute, die mitmachen bei der Rettungsmission. Oder klinkt Euch ein im Netz bei trendsetter minus weltretter de. Wenn nicht jetzt, wann dann?


Thema: Das Soldatenbild von Melbourne

Dienstag, 13. September 2022, 5:40 Uhr

Zwei Soldaten, die sich umarmen. Ein Wandgemälde in Melbourne, in Australien. Um das es viel Zoff gegeben hat in diesen Tagen. Denn: Die zwei Soldaten, das waren ein Ukrainer und ein Russe. In Umarmung. „Beleidigend“ für alle Ukrainer sei das Gemälde, hatte sich der ukrainische Botschafter in Australien beschwert. Es erzeuge „das Gefühl einer falschen Gleichwertigkeit zwischen dem Opfer und dem Angreifer.“ Er habe den Frieden fördern wollen, entschuldigte sich der Künstler Peter Seaton, habe nicht die Kriegsverbrechen Russlands vertuschen wollen. Und er hat sein Gemälde wieder entfernt. Wie seht Ihr das? Ist diese Hoffnung, diese Vision erlaubt – dass ukrainische und russische Soldaten eines Tages nicht mehr aufeinander schießen? Sondern sich sogar umarmen und vielleicht gemeinsam trauern um die Opfer dieses Krieges? Aller Kriege? Sind die Soldat*innen der Ukraine und Russlands gleichwertig – weil sie eben alle Menschen sind, oder Kinder Gottes, nach den Vorstellungen der Bibel? Oder sind die Russ*innen davon jetzt ausgeschlossen? Und was müsste dann geschehen, um sie sozusagen wieder aufzunehmen in die Menschheitsfamilie? Klare Kante, hier Freund, da Feind – oder sind Hoffnungen und Träume erlaubt?


Thema: Die Erde - ein Stück vom Himmel

Mittwoch, 14. September 2022, 5:40 Uhr

Ihr lebt auf einem „Stück vom Himmel“. So singt's jedenfalls Herbert Grönemeyer in seinem Song „Stück vom Himmel“ aus dem Jahr 2007. 15 Jahre ist der also alt, könnte aber von letzter Woche sein. Alle müssen was dafür tun, dass die Erde auch wirklich ein freundlicher Platz ist: „Die Erde ist unsere Pflicht“, heißt es bei Grönemeyer, „wir sitzen alle in einem Boot“. Siehe Klimawandel. Die Erde ist also ein Stück vom Himmel, ein Platz von Gott, aber auch unsere Pflicht. Steht genau so auch in der Bibel. Die Erde, ein Platz von Gott? Ja, er hat sie geschaffen, erzählt die Bibel, mit allem, was darauf lebt. Die Erde, unsere Pflicht? „Macht euch die Erde untertan“, sagt Gott nach der Schöpfung zu den Menschen. Meint damit aber nicht ausbeuten und zerstören, sondern die Erde bebauen, wie ein sorgsamer Landwirt oder Gärtner; zum Nutzen aller. Denn „es gibt genug für alle“, singt Herbert Grönemeyer. Und „die Erde ist unsere Pflicht“, das gilt auch dafür, wie Ihr mit anderen Menschen umgeht. „Es gibt keinen Feind, es gibt keinen Sieg, nichts gehört niemand allein“, heißt's in dem Song. Oder mit den Worten Jesu: „Selig sind die, die Frieden stiften, die barmherzig sind, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit.“ Die Erde ist ein Stück vom Himmel, aber auch Eure Pflicht. Was könnt Ihr heute dafür tun?


Thema: Hört und begreift

Donnerstag, 15. September 2022, 6:40 Uhr

Könnt Ihr mich gut hören? Sind Eure Ohren in Ordnung? Falls nicht: Die heilige Oranna ist die Schutzpatronin gegen Schwerhörigkeit, heute ist ihr Gedenktag. Verehrt wird sie vor allem entlang der deutsch-französischen Grenze an Mosel und Saar. Denn dort soll sie im siebten Jahrhundert als Missionarin gewirkt haben, hat also den Menschen von Gott und Jesus erzählt. Einmal soll Oranna ein tauber Mann begegnet sein; sie betete für ihn, und er wurde geheilt. Deshalb ist Oranna die Schutzpatronin für gutes Hören. Als Missionarin war sie ja auch darauf angewiesen, dass die Leute ihr zuhören. Denn miteinander reden, das ist eine wichtige Form der Kommunikation zwischen Menschen. Und das funktioniert nur, wenn Ihr anderen zuhört und die anderen Euch; und zwar aufmerksam zuhört, mit gespitzten Ohren - nicht da rein und da wieder raus. Schon die Propheten in der Bibel legen Wert darauf, dass man ihnen aufmerksam zuhört; Jesaja zum Beispiel sagt: „Wer von euch vernimmt diese Worte, wer merkt auf und hört künftig darauf?“ Und auch Jesus von Nazareth möchte gespitzte Ohren, wenn er die Botschaft vom Reich Gottes verkündet: „Wer Ohren hat, der höre“, sagt er, und: „Hört und begreift!“ Wann spitzt Ihr Eure Ohren, bei welchen Redner*innen, bei welchen Botschaften?


Thema: Trink vergnügt deinen Wein

Freitag, 16. September 2022, 5:40 Uhr

Hand aufs Herz: Wenn Ihr mal Wein trinken wollt - was seid Ihr bereit, für eine wirklich gute Flasche auszugeben? Zehn Euro? Zwanzig? Oder sogar vierzig, fünfzig Euro? Da hört’s dann auf, oder? Ihr wollt ja nicht bei jedem Schluck die Euros klimpern hören. In Trier findet heute eine Weinversteigerung statt, da werden einzelne Flaschen Wein mehrere hundert Euro bringen; manche wahrscheinlich sogar mehrere tausend. Diese Luxusflaschen werden aber meist gar nicht getrunken, sondern bei Sammlern als Raritäten eingelagert, auch als Kapitalanlage. Aber ein Wein, der nicht getrunken wird – der ist doch verschwendet, oder?! Genauso absurd wie das Van-Gogh-Gemälde, dass mal für zig-Millionen ersteigert worden ist und dann in einem Tresor verschwand. Bilder sind doch zum Anschauen, und Wein ist zum Trinken! Bei vielen Völkern sind Wein und Brot Symbole für das Leben, auch schon in der Bibel. Brot als das Lebensnotwendige, Wein als das, was noch darüber hinausgeht: feiern, sich freuen, zusammen sein. „Iß freudig dein Brot, und trink vergnügt deinen Wein“, heißt es in der Bibel. Will heißen: Freut Euch des Lebens, dass Gott Euch schenkt. Und was passt da besser: Eine gute Flasche Wein zu trinken, gemeinsam mit lieben Menschen, oder sie in den Tresor zu legen und abzuwarten, ob sie Gewinn abwirft?


Thema: Faire Woche

Samstag, 17. September 2022, 6:25 h

Bei Eurem Wocheneinkauf heute, was steht da alles auf dem Einkaufszettel? Kaffee is’ bald alle; paar Bananen; ein, zwei Täfelchen Schokolade vielleicht ... Viele Sachen in Eurem Einkaufskorb, wie zum Beispiel Kaffee, Bananen oder Kakao, die kommen aus Ländern auf der Südhalbkugel unserer Erde. Und für viele Dinge, die hier zu einem guten Leben ganz normal dazugehören, für die schuften sich dort Menschen den Buckel krumm, für einen Hungerlohn. Es sei denn, sie verkaufen ihre Ernte an Partner aus dem fairen Handel. Diese Fair-Handelsgesellschaften sorgen dafür, dass die Leute bessere Preise für ihre Arbeit bekommen. Solche Produkte gibt’s in Eine-Welt- und Bioläden, aber auch in Supermärkten: Kaffee, Tee, Bananen, Schokolade; Orangensaft und Basmati-Reis, fast alles Bio-Qualität – aber auch zum Beispiel Baumwoll-Pullis. Jetzt, während der Fairen Woche, wird besonders Werbung dafür gemacht. Natürlich sind diese Sachen etwas teurer – wegen des fairen Preises. Und da kommen jetzt Euer Portemonnaie und Euer Gewissen ins Spiel. Die Tasse Kaffee am Morgen, die Banane und die Tafel Schokolade verbinden Euer Leben mit dem Leben der Menschen, die diese Produkte angebaut haben. Beim Einkaufen könnt Ihr so mithelfen, dass es für diese Leute etwas fairer zugeht. Macht mit!