Die Angedacht!-Manuskripte vom 20. bis 26. Juni 2021

Autor: Stefan Weinert, Trier


Thema: Der heiße Tropfen und das Senfkorn

Sonntag, 20. Juni 2021, 6:40 Uhr

“Das ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein!” Soll heißen: Das ist doch viel zu wenig für das das Riesen-Problem. Das hinterlässt so wenig Wirkung wir ein Tropfen Wasser, der auf einem heißen Stein verdampft - zisch, und weg. Da klingt viel Skepsis mit, bei dieser Redewendung, oder auch Resignation. Eine andere Sichtweise könnt Ihr in der Bibel lesen, im Markusevangelium. Da erzählt Jesus von einem Senfkorn. Ein winziges Samenkorn, ein, zwei Millimeter nur. Und daraus wird ein richtig großer Strauch, oder sogar ein Baum. Jesus von Nazareth schildert damit, wie es mit dem Reich Gottes ist, dem neuen Leben, dem neuen Miteinander, das durch ihn und mit ihm angefangen hat: Geht klein und unscheinbar los, aber wächst und wächst und wächst. Papst Franziskus hat das aufgegriffen und hat vor ein paar Tagen gesagt: Oft lassen wir den Mut sinken, weil wir den Eindruck haben, dass gute Ansätze wirkungslos bleiben - halt wie der Tropfen auf dem heißen Stein. Aber wir sollen uns beharrlich für das Gute einsetzen, und gleichzeitig auf Gott vertrauen. Dann kann das was werden mit dem kleinen Samen. Denn mit Gott, so der Papst, gibt es selbst beim trockensten Boden noch Hoffnung auf neue Triebe. Welchen Samen habt Ihr gesät? Was soll daraus wachsen? Und - auf wen vertraut Ihr dabei?


Thema: Heiliger Luigi, kicke für uns

Montag, 21. Juni 2021, 5:40 Uhr

Nein, es gibt ihn nicht, den Fußballgott. Aber – es gibt einen Schutzpatron für Fußballer:innen: den heiligen Luigi Scrosoppi. Zu ihm können Fans und Spieler jetzt während der Euro das eine oder andere Stoßgebet schicken. Luigi lebte im 19. Jahrhundert in Udine in Norditalien. Gekickt hat er wohl nie. Luigi Scrosoppi war katholischer Priester. In einem Waisenhaus hat er mitgearbeitet und ist übers Land gezogen, um Spenden zu sammeln. Ein Heim für taubstumme Mädchen hat er gegründet, und sich überhaupt mehr und mehr um Arme und Kranke gekümmert – Sozialhilfe, Krankenversicherung, das gab’s ja damals noch nicht. Und für die Jugend hat er sich eingesetzt. Jede Menge Rückschläge hat er bei all dem einstecken müssen, aber das hat ihn offenbar nicht entmutigt. Wegen dieser Eigenschaften ist die Wahl auf den heiligen Luigi Scrosoppi gefallen, als vor einigen Jahren offiziell ein Schutzpatron für Fußballspieler gekürt wurde. Der heilige Luigi stehe für Fairness, Ausdauer und Zielstrebigkeit, und das passe gut zum Fußball, hieß es. Ob Ihr jetzt Fußball spielt oder nicht: Ist der heilige Luigi Scrosoppi nicht sozusagen ein guter Mental-Coach für Euch? Denn ausdauernd zu sein, zielstrebig und dabei fair – das ist doch auch eine gute Taktik neben dem Platz, mitten im Alltag, oder? Was meint Ihr?


Thema: Thomas Morus - den Kopf hinhalten

Dienstag, 22. Juni 2021, 5:40 Uhr

„Nie hätte ich einer Sache zugestimmt, die gegen mein Gewissen gewesen wäre!“ Wow - so wünscht man sich Politikerinnen und Politiker, oder? Der Satz stammt von einem, nämlich von Sir Thomas More alias Thomas Morus, aus England vor rund 500 Jahren. Ein richtig kluger Kopf, befreundet mit Philosophen. Ein gläubiger Christ, später sogar heiliggesprochen; heute ist sein Gedenktag. Ein humorvoller Geist, der über sich selbst lachen kann. Und ein einflussreicher Politiker, zweiter Mann hinter dem König, Heinrich VIII. Der ist seiner ersten Gemahlin überdrüssig, Katharina. Doch der Papst weigert sich, die Ehe für ungültig zu erklären. Heinrich ist wütend über den Widerstand aus Rom und - ernennt sich selbst zum Herrn über die englische Kirche. Einige wenige bieten ihm die Stirn - darunter auch Thomas Morus. Er weiß, dass darauf die Todesstrafe steht. Thomas lebt gern, und er ist kein Fanatiker; aber ein Mann mit einer festen Überzeugung. Für ihn ist die Lage klar: "Nie hätte ich einer Sache zugestimmt, die gegen mein Gewissen gewesen wäre." Diese Haltung kostet ihn den Kopf. Wie macht Ihr’s: Kopf durchsetzen, so wie König Heinrich; oder, wie Thomas Morus, auch mal den Kopf hinhalten – und wofür?


Thema: Am Ball wie im Leben: Rumpelfüßler

Mittwoch, 23. Juni 2021, 5:40 Uhr

Bei der Fußball-Europameisterschaft gibt‘s packende und begeisternde Spiele. Aber auch rüdes Geholze und müdes Gekicke, klar. Es soll Franz Beckenbauer gewesen sein, der für solche Spieler den Begriff Rumpelfüßler geprägt hat. Habt Ihr’s mal selbst probiert? Dribbeln, passen - gar nicht so einfach, oder? Viele Menschen sind halt von Natur aus erst mal Rumpelfüßler, und auch für Talente ist der Weg ganz schön weit. Nicht nur beim Fußball. Denn nicht nur der Ball läuft oft anders als Ihr wollt, sondern auch Euer Leben, oder? Da wolltet Ihr aufmerksam sein, wenn es jemandem schlecht geht – und habt’s dann doch wieder vermasselt. Wolltet nicht mehr so aufbrausend sein – und habt doch wieder jemanden verletzt. Rumpelfüßler halt. Da hilft: Fehler erkennen, Schuld bereuen, Schaden wieder gut machen. Darum geht’s, wenn’s im Vaterunser heißt „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ – also denen, die Euch etwas schuldig sind. Vergebung ist der Schlüssel dafür, dass Ihr im Spiel bleibt. Bittet um Vergebung – Gott und diejenigen, denen Ihr etwas schuldig seid. Und vergebt selbst. Und fangt dann neu an. Denn nach dem Spiel ist vor dem Spiel – nicht nur im Fußball, sondern immer im Leben. Auch in Eurem Leben.


Thema: Beten vor schwierigen Entscheidungen - nicht nur im Bundestag

Donnerstag, 24. Juni 2021, 6:40 Uhr

Der Bundestag hat gerade Sitzungswoche. Und heute Morgen um zwanzig vor acht treffen sich dann wieder einige Abgeordnete zu einer Andacht, zum Beten, wie jeden Donnerstag in den Sitzungswochen. Dafür gibt’s im Reichstagsgebäude, dem Sitz des Bundestags, extra einen Andachtsraum für Gläubige der verschiedenen Religionen. Da kommen Mitglieder aus allen Fraktionen hin, versichert Marian Wendt, ein evangelischer Abgeordneter von der CDU; auch Angela Merkel sei ab und zu dort. Wendt selbst kommt vor allem vor schwierigen Abstimmungen dorthin; als es um Sterbehilfe ging zum Beispiel, oder um Auslandseinsätze der Bundeswehr. Die Bibel erzählt, dass auch Jesus von Nazareth sich immer wieder zurückgezogen hat, um sich über seine nächsten Schritte klar zu werden, im Gebet, im Kontakt mit Gott. Beten ersetzt nicht Euer eigenes Nachdenken, die Entscheidungen fallen Euch dadurch nicht in den Schoß; es geht nicht ohne Euch. Andererseits ist Beten mehr als eine Art mentales Training; es geht nicht nur um Euch. Beten heißt, mit Gott in Kontakt zu treten. Wie? Es gibt keine Rezepte für richtiges Beten; aber es gibt Vorlagen, zum Beispiel das Vaterunser. Probiert's aus, tastet Euch ran, findet Eure Form des Betens - vor großen Entscheidungen und im kleinen Alltag.


Thema: Christen - manchmal quer

Freitag, 25. Juni 2021, 5:40 Uhr

In Deutschland spuckt Euch niemand an oder verprügelt Euch, wenn Ihr Christ*in seid. Anders in Indien. Dort kommt es zu Gewalt gegen Christ*innen; Gewalt durch radikale Hindus. Häuser christlicher Familien wurden niederbegrannt, Ordensfrauen vergewaltigt; es gab auch schon Tote. Offenbar gibt es bei manchen radikalen Hindus einen regelrechten Hass auf Christ*innen. Manchmal ist sogar der Staat beteiligt - seit Monaten sitzt der Jesuitenpater Stan Swamy in Haft. Wie andere setzt er sich dafür ein, dass die Adivasi zu ihrem Recht kommen, die indigene Bevölkerung Indiens. Und auch die Dalits, die Unberührbaren. In der indischen Kasten-Gesellschaft stehen sie ganz unten, sind oft Opfer von Gewalt, werden ausgebeutet und unterdrückt. Der christliche Einsatz für die Adivasi und Dalits wird nicht von allen gern gesehen in Indien. Aber wo Christen ernst machen mit ihrem Glauben, dürfen sie nicht wegsehen und schweigen, wenn Politik oder Tradition Menschen ausgrenzen. Wie seht Ihr das: Gibt’s auch in Deutschland Anlässe, sich quer zu stellen? Wie christliche Gemeinden, die Flüchtlinge schützen, die abgeschoben werden sollen - obwohl ihnen im Herkunftsland Gefahr droht? Wie christliche Gruppen, die die vielen Abtreibungen nicht hinnehmen? Oder - bei was stellt Ihr Euch quer?


Thema: Tag des Verzeihens: siegzigmal siebenmal

Samstag, 26. Juni 2021, 6:25 h

26. Juni - heute ist der Tag des Verzeihens. Wer den wann warum ausgerufen hat, ist nicht klar. Und außerdem gibt’s auch noch den Internationalen Tag des Verzeihens, der Vergebung am 8. September, und angeblich auch noch einen Welttag des Verzeihens im August. Ist aber gar nicht schlecht. Denn ohne sich zu verzeihen, sich zu vergeben können Menschen nicht miteinander leben. Dazu gibt es zu viele Verletzungen, zu viele Kränkungen, zu viel Schuld. Die Bibel erzählt, wie Petrus eines Tages Jesus von Nazareth fragt: Wie oft muss ich jemandem vergeben? Siebenmal? Und Jesus antwortet: Nein, nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal! Macht 490 mal. Damit meint Jesus aber nicht, dass man beim 491. mal auf stur schalten und den andern zur Schnecke machen kann. In der biblischen Zahlensymbolik heißt das nichts anders als: Vergeben? Immer wieder neu! Wenn der, die andere bereut, Schaden gut macht, und bereit ist, es künftig besser zu machen. Ohne Vergebung und damit ohne Neuanfang fressen sich Konflikte immer tiefer ein. Das kennt Ihr vielleicht aus der Familie oder dem Freundeskreis. Also - jeder Tag passt als Tag des Verzeihens, Tag der Vergebung. Wem solltet Ihr verzeihen? Und wen solltet Ihr um Verzeihung bitten?