Die Angedacht!-Manuskripte vom 23. bis 29. Mai 2021

Autorin: Maike Jakob, Mainz


Thema: Der Heilige Geist „macht“ Kirche

Sonntag, 23. Mai 2021, 6:40 Uhr

Schon cool, dass Ihr wieder langes Wochenende habt, oder? An Pfingsten sind zwei Tage frei, weil … ja, warum eigentlich? „An Pfingsten feiert die Kirche Geburtstag“ – so könnten's Eure Kinder gelernt haben. Allerdings existiert für die Geburt der Kirche keine Geburts- oder Gründungsurkunde. Also: Wie ist die Kirche geboren worden? Lukas, ein Gelehrter, der zur Zeit der Kirchengründung gelebt hat, berichtet: Die Freunde Jesu haben an einem Abend zusammen gesessen. Da hat der Heilige Geist sie gepackt und hat aus ihnen die Kirche gemacht. Das klingt erstmal seltsam, kennt Ihr aber vermutlich ganz ähnlich vom Sport: Wenn in einer Mannschaft viele Einzelkämpfer glänzen, verliert sie eher, weil jeder für sich unterwegs ist. Umgekehrt gewinnt ein gutes Team, selbst wenn die einzelnen weniger genial sind. Da entscheidet der Teamgeist, der macht aus Einzelkämpfern ein Team und verändert was. Das könnt Ihr schlecht beweisen aber Ihr könnt’s spüren, wenn Ihr ein gutes Team seht. So ähnlich war’s mit der Kirche: Der Heilige Geist hat aus einzelnen Gläubigen eine neue Gemeinschaft geformt. Damit hat sich was verändert, das Worte schwer beschreiben können. Damals haben darüber viele den Kopf geschüttelt, andere haben sich anstecken lassen vom Heiligen Geist. – Und Ihr? Was glaubt Ihr, heute?


Thema: Wes Geistes Kind seid Ihr?

Montag, 24. Mai 2021, 5:40 Uhr

„…da werden wir schon sehen, wes Geistes Kind der oder die ist.“ So geht 'ne alte Redewendung – die könntet Ihr schon mal gehört haben. „Wes Geistes Kind jemand ist.“ Ins Deutsch von heute übersetzt heißt’s so viel wie: „Welcher Geist oder: Welche Idee jemanden antreibt.“ Also das, wovon einer beseelt ist, was ihn motiviert und umtreibt. Was treibt Euch an? Sind das bestimmte Menschen, Euer Job, Euer Hobby oder habt Ihr 'ne Lebensphilosophie, für die Ihr brennt – was, an das Ihr aus tiefstem Herzen glaubt, wofür Ihr andere begeistern wollt? Und: Woran könnten andere erkennen, „Wes Geistes Kind Ihr seid?“ Gibt’s dafür ein Zeichen, erzählt Ihr davon oder ist’s die Art, wie Ihr lebt? Je nach dem, wie gefragt das ist, wofür Ihr brennt, kann das ja beschwerlich sein und Ihr müsst tapfer Euren Mann beziehungsweise Eure Frau stehen. So, wie’s die Jünger Jesu nach dem ersten Pfingstfest gemacht haben, als sie angefangen haben offen zu erzählen, was sie glauben. Das hat 'ne Menge Mut gekostet, Christsein war damals ein Grund, eingesperrt und gefoltert zu werden. Trotzdem hat der Geist Gottes immer wieder Menschen angetrieben, offen von ihrer Überzeugung zu sprechen. Nur so lebt diese Idee bis heute. Wie und wann zeigt Ihr, welcher Geist Euch antreibt? - Nicht nur am Pfingstmontag!


Thema: Rücksicht hat zwei Seiten

Dienstag, 25. Mai 2021, 5:40 Uhr

Die Pfingstferien starten und die Chancen stehen gut, dass sie einen Hauch von „echten“ Ferien oder „echtem“ Urlaub haben könnten: Inzwischen sind viele geimpft und, sie erhalten die Freiheiten zurück, die ihnen zustehen und müssen sich weniger vor Corona fürchten. Für einige ist da ein kleiner Urlaub drin! Gehört Ihr zu den Glücklichen, die wieder einen „Hauch von Normalität“ genießen? Oder müsst Ihr noch warten und ärgert Euch, weil Ihr’s unfair findet? – Als Schulseelsorgerin höre ich das vor allem von jungen Leuten: Viele von ihnen reißen sich seit Langem zusammen, um solidarisch zu sein mit denen, die besonders gefährdet sind. Deswegen halten sie sich seit über einem Jahr an Kontaktbeschränkungen, obwohl gerade für Jugendliche Kontakte extrem wichtig sind. Jetzt schauen sie zu, wie diejenigen, auf die sie Rücksicht genommen haben, Freiheiten genießen. Sie selbst sind davon noch weit entfernt. Wie fair ist das? Sollen besser weiterhin Einschränkungen für alle gelten? Schwierige Frage. Wie verhaltet Ihr Euch in der Situation am besten? Die biblische Version der „Goldenen Regel“ schlägt vor: „Was Ihr von anderen erwartet, das tut auch Ihnen“ (Mt 12,7) Was haltet Ihr davon? Und wie könntet Ihr diesen Vorschlag in Eurer Situation umsetzen?


Thema: Verschwendung war nicht der Plan Gottes

Mittwoch, 26. Mai 2021, 5:40 Uhr

Kennt Ihr das: Wenn Ihr die Dusche aufdreht und müsst gefühlte Minuten warten, bis warmes Wasser raus kommt? Was schätzt Ihr, wie viel Wasser fließt bis dahin direkt in den Abfluss? Bei mir zum Beispiel sind das circa 2 Liter. – Also etwa die Menge, die ein Mensch am Tag braucht, um zu leben. Anders gesagt: Wenn ich das Wasser sammeln würde, das da jeden Tag unverbraucht weg fließt, könnte ich wenigstens einen Menschen vorm Verdursten retten! Ist das nicht Wahnsinn?! Wenn Ihr mitmachen würdet, könnten es mehr sein. Natürlich isses so einfach nicht: Ihr könnt nicht ein Paket Wasser schnüren und dahin schicken, wo’s gebraucht wird. Das Wasser ist auch nur ein Beispiel dafür, wie Rohstoffe verschwendet werden. Eins, an dem Ihr selbst merken könnt, dass die Ressourcen knapp werden: Wenn Ihr im Sommer Eure Pflanzen nicht wässern dürft, zum Beispiel. Wie bewusst geht Ihr mit Wasser oder anderen Rohstoffen um? Die Erde ist eigentlich so gebaut, dass die Ressourcen für alle genügen. So war‘s von Gott geplant. Nur werden die Vorräte einseitig verschwendet auf Kosten der wenig technisierten Gegenden. Ihr könnt helfen, das zu ändern und so die Welt mehr zu dem Ort machen, den Gott für die Menschen gedacht hat: Indem Ihr Ressourcen spart, zum Beispiel Wasser. Fangt heute damit an.


Thema: „Must have“: Religiöse Symbole

Donnerstag, 27. Mai 2021, 6:40 Uhr

Darüber, wie Menschen ihren Glauben leben, habt Ihr vermutlich schon mal diskutiert. Das ist vor allem dann Thema, wenn‘s drum geht, inwiefern Gewalt ausgeht von Religionen oder wie sie Euch unbewusst beeinflussen. Und das könnte zum Beispiel passieren, wenn Ihr auf religiöse Symbole trefft, also ein Kopftuch, ein Kreuz oder eine Kippa – eine jüdische Kopfbedeckung. Wie stark wirkt es auf Euch, wenn Ihr seht, dass jemand ein religiöses Zeichen trägt? Oder umgekehrt: Tragt Ihr selbst so ein Symbol oder habt ein Zeichen für Euren Glauben in Eurer Wohnung oder im Auto angebracht? Was verbindet Ihr damit – drückt Ihr dadurch Euren Glauben aus, möchtet Ihr andere beeindrucken? Oder gefällt’s Euch einfach als Accessoires ganz ohne religiöse Bedeutung? Für die Beamten unter Euch heißt’s da „aufgepasst“: Denn die dürfen keine „religiösen Merkmale“ tragen, wenn dadurch „das Vertrauen in ihre neutrale Amtsführung beeinträchtigt“ werden könnte. Was das genau heißt, ist Auslegungssache. Aber diese Regel ruft Religionsvertreter auf den Plan. Sie fragen, ob Beamt*innen ihre Religion in Deutschland noch frei leben dürfen. Wie sehr würde es Euch stören, wenn Ihr Euren Glauben oder religiöse Symbole nicht mehr öffentlich zeigen dürftet? Oder: Wie bewusst schmückt Ihr Euch mit Glaubenszeichen?


Thema: Kontakte wirken Wunder!

Freitag, 28. Mai 2021, 5:40 Uhr

Klappe zu, Affe tot – Funkstille. Wo habt Ihr schon mal mitbekommen, dass Menschen den Kontakt verweigern, nicht mehr miteinander reden oder den anderen nicht mal mehr anhören? Besonders weh tut das da, wo vorher gute Beziehungen waren bei Freunden*innen, Partner*innen oder in der Familie. Oft sammeln sich Kleinigkeiten an, die lange keiner anspricht. Bis es einer nicht mehr aushält, und sich zurück zieht. Und wenn einer den Kontakt verweigert, erfährt der andere nicht mal, was los ist. Der kann dann überhaupt nichts machen: Weder sich entschuldigen, noch sich erklären oder versuchen, was wieder gut zu machen. In vielen Erzählungen über Jesus geht‘s genau darum: Dass Menschen leiden, weil ihnen andere den Kontakt verweigern. Die so genannten Zöllner, zum Beispiel. Die haben für die römische Regierung die Steuern eingetrieben und als Volksverräter gegolten. Oft haben sie den Leuten zu viel abgezwackt und selbst eingesteckt. Mit „so einem“ hat keiner geredet. Jesus hat sich beim Zöllner Zachäus zum Essen eingeladen: So baut er Kontakt auf und spricht Probleme aus. Zachäus kann sich äußern, was ändern und so geschehen Wunder: Wenn Leute ehrlich miteinander reden. Zu wem könnt Ihr heute Kontakt aufbauen und damit, womöglich, ein kleines Wunder bewirken?


Thema: Hass hat keine Nationalität

Samstag, 29. Mai 2021, 6:25 h

Plötzlich haben wieder israelische Fahnen gebrannt in Deutschland. In den Nachrichten könnt Ihr sehen und hören, dass gegen Juden demonstriert wird und, dass es zu antisemitischen Ausschreitungen kommt. Deswegen wollen die Politiker*innen jüdisches Leben noch besser schützen: Für Hass gegen Juden und Rassismus soll es keinen Platz geben in Deutschland. Wie steht Ihr dazu? Vor allem: Wenn Ihr in den Medien seht, dass die meisten Demonstrant*innen Migrationshintergrund haben. Sie protestieren unter der Flagge ihres Heimatlandes gegen Israel und Juden. – Welchen Unterschied macht das für Euch: Ob es Deutsche sind oder anders Stämmige, die Hass verbreiten? Deutschland trägt sich mit einer ganz grauenhaften Vorgeschichte. Aber: Wie entscheidend ist es für Euch, woher ein Mensch kommt und, was er glaubt, wenn er angefeindet wird – Oder: Woher derjenige kommt, der Hass schürt? Es sind doch immer Menschen, die sich gegenseitig niedermachen und unter einander leiden, oder? Laut Bibel sind alle Menschen Ebenbild Gottes, alle möchten, dass es gerecht zu geht und leben „auf der Aue des Friedens, an sicheren Wohnorten und sorgenfreien Plätzen“ – so drückt‘s der Prophet Jesaja aus (Jes 32,17). Wie und wo könnt Ihr beitragen zu mehr friedlichen Orten und sorgenfreien Plätzen?