Die Angedacht!-Manuskripte

vom 26. April bis 2. Mai 2020

Autorin: Maike Jakob, Mainz


Thema: Wie lange noch!?

Sonntag, 26. April 2020, 6:40 Uhr

Endlich sind wieder ein paar Läden geöffnet. Es gibt wieder so was wie Leben in der Stadt. Die Kontaktsperre und die anderen Einschränkungen bleiben allerdings. Fünf Wochen lebt Ihr schon ohne Schule, Kindergarten, ohne Familie und Freunde persönlich treffen zu können. Dafür mit der Angst, dass ihr selbst oder liebe Menschen sich anstecken. So langsam ist’s genug, oder? Genug gefürchtet, genug Menschen infiziert und gestorben. Wie lange soll das noch gehen?! „Wie lange noch muss ich Sorge tragen in meiner Seele und Kummer in meinem Herzen Tag für Tag? […] Sieh doch her, gib mir Antwort, mein Gott.“ (Ps 13,3f) Spricht Euch dieses biblische Gebet gerade aus dem Herzen? Fragt Ihr Euch, wo Gott steckt, die ganze Zeit? Dass er nicht einfach weg ist, während wir in dieser unsicheren Lage sind, könnt Ihr an vielen Tagen draußen sehen: Die Sonne scheint, die Natur sprießt, das Leben draußen fängt gerade neu an. Steckt nicht genau da Gott drin: Wo mitten im Chaos, und der Unsicherheit neues Leben entsteht? Jetzt in der Osterzeit, der Zeit der Auferstehung vom Tod, entsteht Leben, da gibt es Hoffnung für alle. Auch diese Situation, die so schwer zu ertragen ist, wird vorüber gehen. Danach fängt das Leben neu an. Für die, die überlebt haben und auch für alle anderen. – Oder was glaubt Ihr?


Thema: Gott bewahre!

Montag, 27. April 2020, 5:40 Uhr

Gott bewahre! Kennt Ihr den Spruch? Damit haben Leute früher ausgedrückt, dass Gott sie beschützen soll. Heute hört man ihn kaum noch, es gibt – oder: gab - bei uns nicht viel, vor dem Gott uns hätte schützen sollen. Das hat sich jetzt geändert, in den letzten Wochen haben viele von Euch Angst vor Ansteckung, vorm Zusammenklappen unserer Krankenhäuser und der Wirtschaft. Und da kommen einige wieder drauf: Gott bewahre uns! Kein Wunder, dass der Segen, den der Papst für die ganze Welt erbeten hat und die anderen Angebote der Kirche im Fernsehen und im Netz von so vielen gesehen werden wie lange nicht. Schon vor Ostern: Diese Krise hat viele aufgerüttelt, weil sie zeigt, dass auch wir hier und heute nicht unbesiegbar sind. Es hilft vielen von Euch, wenn Ihr Euch an einen Gott wenden und um seinen Schutz bitten könnt. Wie es ein Neues Geistliches Lied sagt: „Bewahre uns Gott, behüte uns Gott! Sei mit uns durch Deinen Segen. Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt sei um uns auf unseren Wegen.“ Wollt Ihr auch um Gottes Schutz bitten wenn Ihr Angst habt, jemand krank ist oder ein Unheil droht? Dazu braucht’s keine komplizierten Worte. Einfach raus mit der Sprache! Am besten jetzt gleich!


Thema: Nie stärker als jetzt!

Dienstag, 28. April 2020, 5:40 Uhr

„Wir waren nie stärker als jetzt“ - Den neuen Titel von Max Gießinger habt Ihr vermutlich schon gehört. Diesen Song hätte es ohne Corona wohl so nicht gegeben. Max hat ihn verändert, um sich zu bedanken bei allen, die seit Wochen zur Stelle sind und in den Krankenhäusern, bei der Notbetreuung für Kinder oder an den Supermarktkassen ihre Gesundheit riskieren. Für sie macht Max aus dem ursprünglichen „Wir waren nie besser als jetzt“ eben „Wir waren nie stärker als jetzt“. Und wenn Ihr den Clip zum Song anklickt, seht Ihr, dass er auch an die denkt, die zuhause sitzen. Max sagt: Das Kontaktverbot verbindet uns. Wir alle müssen zuhause aushalten und das macht uns stark. Also singt er für Euch alle „Wir waren nie stärker als jetzt... Lass die Ängste besiegen.“ Und weiter „Du spürst, wie die Angst von dir weicht, Du warst noch niemals so frei.“ Kennt Ihr dieses Gefühl, dass Ihr die Angst vor was verliert, und Euch wahnsinnig frei und groß fühlt? So wie’s im Lied heißt „Das Herz vielleicht das Größte der Welt. Keine Angst mehr, nur Adrenalin.“ „Habt keine Angst!“ oder „Fürchtet euch nicht“ - Dieser Satz kommt öfter als alle anderen in der Bibel vor: Gott will Euch stark machen. Klappt das bei Euch? Wer oder was hilft Euch, stark zu sein? Wie schafft Ihr das?


Thema: Die Natur: Bewundern und bewahren!

Mittwoch, 29. April 2020, 5:40 Uhr

Wann habt Ihr denn zum letzten Mal in den Sternenhimmel gesehen? Wenn das noch nicht so lange her ist, konntet Ihr deutlich mehr Sterne sehen als sonst! Denn der Himmel ist viel klarer geworden, seitdem weniger Flugzeuge fliegen. Könnte auch sein, dass die von Euch, die in der Stadt oder in der Nähe der Autobahn leben, gemerkt haben, dass es leiser geworden ist und die Luft besser ist – seit weniger Autos unterwegs sind. Hat die Krise da nicht auch ein bisschen was Positives gebracht: Wenn auffällt, wie stark die Umwelt belastet ist, wie viel ihrer Schönheit sie dadurch verliert, und: dass Ihr ohne großen Aufwand vieles auch umweltschonender regeln könnt? Zum Beispiel 'ne Videokonferenz halten statt für ein Meeting quer durch die Republik zu rasen. So habt Ihr auch mehr Zeit rauszugehen, um mit den Kindern zu spielen oder beim Spazieren oder beim Joggen die Natur zu bewundern. Das haben viele von Euch ja neu entdeckt. So ging’s auch 'nem Beter in der Bibel, der feiert Gott: „Herr, was für Wunder hast du vollbracht! Alles hast du weise geordnet...“ (Ps 104) Hat er Recht? Findet Ihr die Natur nicht herrlich und wunderbar? Was könnt Ihr tun, um sie zu bewahren? Wie könnt Ihr dabei helfen?


Thema: Runter vom digitalen Blocksberg

Donnerstag, 30. April 2020, 6:40 Uhr

Kennt Ihr noch Bibi Blocksberg? Die niedliche kleine Hexe, die mit ihrem Besen Kartoffelbrei durch die Gegend saust? Bibi ist eine „gute Hexe“. Da gab‘s ganz andere, die am dreißigsten April zum Blocksberg geflogen sind um mit dem Teufel zu tanzen. – So erzählen‘s manche Geschichten. Dabei war der Hexenglaube über Jahrhunderte weg gar keine märchenhafte Vorstellung. Zigtausend Frauen und Männer sind verfolgt und grrausam hingerichtet worden, weil sie angeblich Hexer oder Hexen und mit dem Teufel im Bund waren. Ja, und: Wie ist es dazu gekommen? Das konnte ganz schnell gehen: Bei einigen waren’s womöglich die berühmten roten Haare, andere haben sich im Alltag Feinde gemacht, zum Beispiel in dem sie Neid auf sich gezogen haben oder sie haben die Leute verunsichert, weil sie nicht Mainstream waren. Das ist ihnen zum Verhängnis geworden. Denn so ein ungewöhnliches Verhalten musste ja vom Teufel kommen. Und wenn das genug Leute behauptet haben, wurde dem Opfer ruckzuck der Prozess gemacht. Eigentlich hat’s funktioniert wie ein analoger Shitstorm. Und so geht’s ja heute auch: Wenn Ihr anders seid, denkt oder lebt, handelt Ihr Euch ruckzuck die Hatespeeches ein. Statt Shitstorm und Hexenjagd im Netz - wie reagiert Ihr, wenn Euch irgendwer oder irgendwas nicht passt?


Thema: Gott sei Dank!

Freitag, 1. Mai 2020, 5:40 Uhr

Heute ist „Tag der Arbeit“, an dem Ihr nicht arbeiten müsst. Obwohl: arbeiten MÜSST? Ist es momentan nicht eher ein Glück, arbeiten zu DÜRFEN, so ganz normal: Im Geschäft, im Büro, mit genügend Kundschaft? Wie geht’s Euch in der Krise: Habt Ihr Arbeit? Fürchtet Ihr um Eure Stelle? Schlagt Ihr Euch mit Wohl und Weh im Home-Office rum? Oder habt Ihr 'nen Job, in dem Ihr seit Wochen mit Angst vor Ansteckung kämpft? Ja: Die globale Krise zeigt, wie froh Ihr um feste und sichere Arbeitsplätze sein könnt. Dass es nicht selbstverständlich ist, dass es die gibt und genau so wenig, dass Ihr Euch immer mit allem versorgen könnt. Wir können doch echt dankbar sein, dass wir in Deutschland uns um solche „Basics“ in den letzten Jahren nie sorgen mussten. Das ist schon ein Geschenk, oder? Glaubt Ihr, dass Ihr Euch das selbst zuschreiben könnt? Oder könnt Ihr Euch bedanken? Bei Euren Großeltern und Ur-Großeltern zum Beispiel, die hart gearbeitet haben, damit‘s Euch gut geht? Bei Eurer Familie und Freunden, die Euch unterstützen? Beim Staat und den Politikern, die das Land lenken? Oder bei Gott, der Euch vieles schenkt, was Ihr weder berechnen noch Euch verdienen könnt? Wie wäre es heute mit einem „Gott sei Dank“ für Eure Arbeit, Eure Familie, Eure Gesundheit… Für was seid Ihr Gott dankbar?


Thema: Der Mensch - ein soziales Wesen!

Samstag, 2. Mai 2020, 6:25 h

Übermorgen öffnen die Realschulen, Gesamtschulen und die Gymnasien wieder ihre Türen, wenigstens für die „Großen“. In meinem Umkreis freuen sich viele Schülerinnen und Schüler, Eltern und auch die Lehrkräfte, dass die „normale“ Schule wenigstens für einige wieder startet: mit Mitschülern, Kollegen und vielen anderen. Eine Lehrerin der katholischen Hildegardisschule in Bingen sagt: „Diese digitalen Arbeitsaufträge machen einen wahnsinnig. Das Soziale gehört doch auch zur Schule und zum Unterricht dazu.“ Wie viel Wert legt Ihr drauf, andern zu begegnen? Wie wichtig findet Ihr‘s, dass Eure Kinder in der Schule lernen, mit andern umzugehen? Oder: Könntet Ihr Euch vorstellen, dass sich Schule und Unterricht drauf beschränkt, fachliches Wissen weiterzugeben – nur per Internet und Computer? Würde das dem Menschen gerecht? Die Indizien sprechen eher dagegen: Die Spezies Mensch lebt in Gruppen, Ihr gründet Familien und pflegt Freundschaften. Der Mensch ist anscheinend sozial veranlagt. So erzählen’s auch die biblischen Mythen: Gott schafft die Menschen als Paar, damit sie füreinander da sind und sich unterstützen. Wie erfahrt Ihr das? Seid Ihr auch lieber mit mehreren unterwegs, mit Partner oder Euren Freunden, als alleine? Und wie sehr freut Ihr Euch, dass das hoffentlich bald wieder geht?