Die Angedacht-Manuskripte

vom 26. September bis 3. Oktober 2021

Autor: Uwe Burkert, Speyer


Thema: Dem Kaiser, was des Kaisers – geht wählen!

Sonntag, 26. September 2021, 6:40 Uhr

Habt Ihr Briefwahl gemacht – oder geht Ihr heute noch wählen? Und wem gebt Ihr Eure Stimme? Wonach entscheidet Ihr das und was ist Euch dabei besonders wichtig? Dass eine Partei vor allen Dingen verspricht, sich für Umwelt und Klima einzusetzen und damit für eine gute Zukunft für möglichst viele Menschen? Wie ordnet Ihr markige Versprechen ein auf Wahlplakaten wie "Zukunft passiert nicht. Wir machen sie." Was daran stimmt, was nicht? Zukunft ist ja nie nur machbar, sondern passiert auch einfach - zum Glück. Denn dass zum Beispiel morgen wieder die Sonne aufgeht – dafür ist, Gott sei Dank, niemand zuständig oder verantwortlich: keine Regierung, keine Behörde, kein Papst. Wie sieht die Welt aus, in der Ihr gerne leben möchtet? Welche Rolle spielen dort Hautfarbe und wo Ihr geboren seid - für die Chancen, die Ihr habt, voranzukommen und was zu erreichen? Wem gebt Ihr Eure Stimme - und warum? Wem traut Ihr am ehesten zu, ein gutes Leben für alle hinzubekommen? Das entscheidet Ihr in aller Ruhe selbst. Wichtig ist aber: Geht wählen! Sogar Jesus bringt das in der Bibel in anderem Zusammenhang mal so auf den Punkt: "Gebt dem Kaiser - was des Kaisers!" (Mk 12,17 par) Will sagen: erfüllt Eure Pflichten und Aufgaben im Staat. Und geht deshalb – wählen, denn auch Eure Stimme zählt!


Thema: Demokratie-Schmierstoff: Selbst Gott schließt Kompromisse!

Montag, 27. September 2021, 5:40 Uhr

Findet Ihr auch, Politiker*innen sollten keine faulen Kompromisse schließen jetzt nach der Bundestagswahl? Wenn's ans Verhandeln und Aushandeln der neuen Regierung geht? Nur - welcher Kompromiss ist eigentlich nicht "faul"? Denn Kompromisse zeichnen sich ja gerade dadurch aus, dass beide oder mehrere Seiten ab und zu geben von dem, was sie ursprünglich und in Reinform erreichen wollten. Das geht sogar Gott so in der Bibel, als er mit Abraham über das Schicksal von Sodom und Gomorrha verhandelt. Und - sogar Gott gibt klein bei und schließt einen Kompromiss mit Abraham, dem biblischen Meister der Verhandlungskunst. Kompromisse zeichnen sich gerade dadurch aus, dass keine Seite mehr von sich behauptet, sie sei allein seligmachend und im vollen Besitz der reinen Wahrheit. Kompromisse zeichnen sich gerade dadurch aus, dass die Kompromiss-Partner*innen sich gegenseitig zugestehen und zutrauen: kann auch denken und gute Ideen haben. Solange Ihr Kompromisse für ein Zeichen von Schwäche haltet, solange wird's nix mit der Demokratie. Kompromisse sind - ein Zeichen von Stärke. Denn kein Mensch ist Gott. Und selbst Gott schließt, wie gesagt – Kompromisse. Auch daran kann der Gottesbezug erinnern am Anfang des Grundgesetzes. Oder – was meint, was glaubt Ihr?


Thema: Jesu goldene Regel – roter Faden für Politiker*innen? (1)

Dienstag, 28. September 2021, 5:40 Uhr

Wie sieht sie aus, die Welt – in der Ihr leben wollt? Und worauf sollen sich die Politiker*innen deshalb verständigen jetzt nach der Bundestagswahl beim Aushandeln der neuen Regierung? Sollen alle vor allen Dingen erst mal für sich selber sorgen – oder wär's 'ne gute Idee, alle sorgen miteinander füreinander? Sollen diejenigen das Sagen haben, die am lautesten sind – oder diejenigen, die zusammen mit anderen an guten Ideen arbeiten, wie möglichst alle möglichst viel vom Leben haben können? Sollen diejenigen die erste Geige spielen, die am stärksten sind, am schönsten - oder die das meiste Geld haben? Oder sollen alle gemeinsam mithelfen und ihre Ideen einbringen für ein gutes, faires, gerechtes Miteinander und Zusammenleben – dass möglichst alle möglichst viel davon haben? Wie sieht sie aus, die Welt – in der Ihr leben wollt? Und worauf sollen sich die Politiker*innen deshalb verständigen jetzt nach der Bundestagswahl beim Aushandeln der neuen Regierung? Und wie könnte der rote Faden dafür aussehen? Die sogenannte Goldene Regel Jesu zum Beispiel könnte der rote Faden dafür sein aus dem Matthäusevangelium: "Alles, was ihr wollt, das euch die Menschen tun, das tut auch ihnen!" (Mt 7,12a) Oder - worauf sollen sich die Politiker*innen verständigen jetzt nach der Bundestagswahl?


Thema: Wo ist Euer Schatz – wofür schlägt Euer Herz?

Mittwoch, 29. September 2021, 5:40 Uhr

Hattet Ihr schon mal HERZ-Schmerz? Seid Ihr gleich HERZzlich zu jedem? Was findet Ihr HERZzerreißend, was HERZallerliebst? Am WeltHERZtag heute dreht sich natürlich vor allem erst mal vieles um Kreislauf und Blutdruck, um Stress, Sport und Bewegung. Aber das Herz – ist viel mehr. Es ist der Ort, es ist das Organ – das steht für die Person-Mitte, wie jemand ist als Persönlichkeit. Wenn jemand herz-los ist, hat sie oder er natürlich trotzdem ein biologisches Herz – aber ihm oder ihr fehlt Mitgefühl für andere, Zuwendung zu anderen. Wenn jemand ein großes Herz hat, dann isses genau andersrum – dann ist jemand einfühlsam, liebevoll, zugewandt zu anderen. Das Herz gilt auch in der Bibel als Person-Mitte: "Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz" (Mt 6,21), fasst Jesus am Ende ein Gleichnis zusammen, das zeigen soll, wofür es sich lohnt, sich einzusetzen und sich zu sorgen – und wofür nicht. Denn woran Euer Herz hängt, wofür Ihr ein Herz habt und wofür nicht – das bestimmt maßgeblich auch, wofür Ihr Euch einsetzt oder nicht, was Euch wichtig ist oder nicht, wofür Ihr andere begeistern könnt und wollt – und wofür nicht. Wo ist Euer Schatz, was ist Euch so kostbar – dass Ihr sogar Euer Herz daran hängt? Erfolg? Geld, Besitz? Andere Menschen? Wer? Gott? Wofür schlägt – Euer Herz?


Thema: Jesu goldene Regel – roter Faden für Politiker*innen? (2)

Donnerstag, 30. September 2021, 5:40 Uhr

Wie sieht sie aus, die Welt – in der Ihr leben wollt? Und worauf sollen sich die Politiker*innen deshalb verständigen jetzt nach der Bundestagswahl beim Aushandeln der neuen Regierung? Sollen vor allem die Kinder bestimmen, wo's lang geht - oder lieber die Alten mit ihrer großen Lebenserfahrung? Sollen vor allem Familien mit Kindern eine zentrale Rolle spielen? Oder sollen sich Mütter und Väter um ihre Kinder gefälligst selber kümmern und gucken, wie sie klar kommen als Familie? Soll Städteplanung vor allem Rücksicht nehmen auf Menschen mit Handicaps? Sollen Steuergelder vor allem ausgegeben werden für diejenigen, die zu kurz kommen und am Rand stehen: für Langzeitarbeitslose, chronisch Kranke, für Flüchtlinge oder Obdachlose? Dominieren dort die Gesunden die Kranken? Die Starken die Schwachen? Die Reichen die Armen? Die Klugen die Ungebildeten? Die Deutschen die Zugezogenen? Die Männer die Frauen? Die Frauen die Männer? Worauf sollen sich die Politiker*innen verständigen jetzt nach der Bundestagswahl beim Aushandeln der neuen Regierung? Und wie könnte der rote Faden dafür aussehen? Die sogenannte Goldene Regel Jesu zum Beispiel könnte der rote Faden dafür sein aus dem Matthäusevangelium: "Alles, was ihr wollt, das euch die Menschen tun, das tut auch ihnen!" (Mt 7,12a) Oder wie sieht sie aus, die Welt – in der Ihr leben wollt?


Thema: Alles so lecker - Erntedankadresse Gott?

Freitag, 1. Oktober 2021, 5:40 Uhr

Wenn Ihr morgens oder tagsüber Brötchen einkaufen geht, wie lange braucht Ihr - normalerweise? Um Euch zu entscheiden zwischen Vollkorn, Dinkel, Weizen, Hafer, mit und ohne Körner, Lauge mit und ohne Käse, italienischem oder französischem Weißbrot? Auf Euren Lieblingsjoghurt müsst Ihr verzichten? Probiert mal den nebendran in den Geschmacksvarianten: Erdbeer, Kirsch, Himbeer, Kiwi, Mango, Papaya, Melone, Waldbeeren. An der Käsetheke könnt Ihr wählen zwischen 156 verschiedenen Käsesorten: Ziege, Schaf, normale Kuh, mit oder ohne Kräuter, Weich-, Schnitt-, Hartkäse, aus Frankreich, Holland, Italien und Griechenland. Super, oder? Freut Euch über den Honig im Glas, für den fleißige Bienen ganz schön viel Nektar gesammelt haben; über Käse, Joghurt und Milch, für die Bäuerinnen und Bauern mit ihren Tieren verantwortlich sind; über die Früchte, die Euch Bäume und Sträucher geschenkt haben! Denkt Ihr dran, wenn Ihr durch den Supermarkt kurvt? Stellt Euch mal vor, die Regale wären alle gähnend leer. Weil's die Ernte verregnet hat oder verhagelt. Ist selbstverständlich, dass wächst und gedeiht, was Ihr zum Leben braucht? Deshalb ist Sonntag Erntedank. Um Gott zu danken, dem Urgrund von allem: von Regen, Acker, Sonne, Samen, Früchten, Obst und Gemüse. Oder - wer sonst?


Thema: (Ernte-)Dank - wem und wofür?

Samstag, 2. Oktober 2021, 6:25 Uhr

Feiert Ihr am Sonntag auch Erntedank? Mit einem bunten Früchte- und Gemüseteppich rund um den Altar in der Kirche - aus lauter leckerem Obst und Gemüse? Und mit einen kleinen Erntedank-Brot zuhause? Das erinnert an die Bitte aus dem Vaterunser: "Unser tägliches Brot gib uns heute"? Beim "täglichen Brot" habt Ihr hierzulande fast immer die Qual der Wahl in der Bäckerei: zwischen Brötchen mit und ohne Körner, Dinkel, Weizen, Hafer, Croissants - und auch beim Brot sind wir Weltmeister. Sagt Ihr da manchmal still für Euch: danke? Danke für all die leckeren Sachen, die Ihr so selbstverständlich kaufen könnt im Supermarkt oder Naturkostladen? Sagt Ihr auch sonst manchmal still für Euch: danke? In besonderen Momenten? Wenn Ihr Euch richtig rundum wohl fühlt - alles ist gut? Beim Sonnenuntergang, der unter die Haut geht? Wenn Ihr auf einer satt-grünen Wiese in der warmen Sonne steht? Sagt Ihr auch sonst manchmal still für Euch: danke? Für besondere Menschen, denen Ihr begegnet, die Euch begleiten, die Euch begeistern? Danke, weil – so richtig was dafür könnt Ihr ja nicht: für besondere Menschen oder für besondere Momente. Das sind Geschenke, die fallen wie vom Himmel. Weshalb manche sogar beten: "Gott sei Dank!" Oder wem - dankt Ihr – und wofür?


Thema: Frei Ikonen Gottes sein dürfen – das feiern wir!

Sonntag, 3. Oktober 2021, 6:40 Uhr

Feiert Ihr mit – den Tag der Deutschen Einheit? Denn es gibt ja was zu feiern! Nein, nicht die Verwerfungen, nicht was schief gelaufen ist, nicht dass persönliche Biographien und Lebensläufe zerbrochen sind; nicht dass die Bundesländer im Osten immer noch ein bisschen hinterher hinken hier und da - in puncto Einkommensniveau zum Beispiel. Nein, das alles feiern wir nicht heute. Aber dass die Menschen im Osten Berlins, in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen frei sind und in einer Demokratie selbst mitbestimmen können über ihre Regierung – das feiern wir heute. Dass alle in Freiheit ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen können in unserem Staat und wir das Volk sind – das feiern wir. Dass alle frei ihre Meinung sagen dürfen, dass wir selbst gestalten können und Pläne machen und sie mit anderen zusammen verfolgen und wirklich werden lassen können – das feiern wir. Und dass wir so Ikonen Gottes sind, sein können, Bilder von Gott – in denen sich das Urbild zeigt: Gott, die urgründige Kreatorin und der Schöpfer von allem, was ist. Das feiern wir – dass wir diese große Würde haben und so auch leben dürfen: seit der deutschen Einheit auch wieder im Osten der Bundesrepublik. Das feiern wir heute. Feiert mit!