Die Angedacht!-Manuskripte vom 4. bis 9. Juli 2022

Autor: Uwe Burkert, Speyer


Thema: Was seid Ihr bereit – zu tun für gutes Leben?

Montag, 4. Juli 2022, 5:40 Uhr

Wie sieht sie aus, die Welt – in der Ihr leben wollt? Ohne Corona, schon mal klar. Und sonst? Sollen alle vor allen Dingen erst mal für sich selber sorgen – oder wär's 'ne gute Idee, alle sorgen miteinander füreinander? Sollen diejenigen das Sagen haben, die am lautesten sind – oder diejenigen, die zusammen mit anderen an guten Ideen arbeiten, wie möglichst alle möglichst viel vom Leben haben können? Sollen diejenigen die erste Geige spielen, die am stärksten sind, am schönsten - oder die das meiste Geld haben? Oder sollen alle gemeinsam mithelfen und ihre Ideen einbringen für ein gutes, faires, gerechtes Miteinander und Zusammenleben? Wie sieht sie aus, die Welt – in der Ihr leben wollt? Sollen einige sich als große Alleskönner und Alleschecker aufführen – wie's teilweise gerade wieder Mode geworden ist? Oder sollen möglichst alle miteinander schauen, was sie wann mit wem am besten hinkriegen – sodass möglichst alle möglichst viel davon haben? Wie das gehen könnte? Die sogenannte Goldene Regel Jesu wäre dafür zum Beispiel eine gute Idee aus dem Matthäusevangelium: "Alles, was ihr wollt, das euch die Menschen tun, das tut auch ihnen!" (Mt 7,12a) Wie sieht sie aus, die Welt – in der Ihr leben wollt? Und was seid Ihr bereit – dafür zu tun?


Thema: Zu sein wie Gott? Übt achtsam pur präsent zu sein!

Dienstag, 5. Juli 2022, 5:40 Uhr

Wann habt Ihr zum letzten Mal zehn Minuten gebraucht, um eine Rosine zu essen? Zehn Minuten? Für eine Rosine? Ja – zehn Minuten. Schaut Euch die Rosine erst mal in aller Ruhe an: Welche Farbe hat sie? Braun? Helles Braun, eher dunkler? Die Oberfläche der Rosine: Wie sieht sie aus, wie fühlt sie sich an? Dann riecht mal an der Rosine: Wonach riecht sie? Riecht Ihr überhaupt was? Und dann lasst die Rosine auf Eurer Zunge zergehen, spielt mit ihr an den Zähnen entlang, rollt sie über den Gaumen, entlockt ihr alle Geschmacksnuancen, die Ihr schmecken könnt! Hoppla sind zehn Minuten 'rum – für eine Rosine. So könnt Ihr Achtsamkeit üben; könnt Ihr üben, bei einer Sache zu bleiben, ganz da zu sein im Hier und Jetzt. So wie Gott. Von dem wir nicht so viel wissen, aber das doch wenigstens: dass er rein gegenwärtig ist, pur präsent. Nichts ist einfacher – und nichts ist zugleich schwieriger: als dieses Dasein zu üben im Hier und Jetzt. Denn Ihr könnt es auf Schritt und Tritt tun, bei jedem Schritt, den Ihr setzt: zuhause, auf der Arbeit, zur Arbeit, beim Einkaufen, im Wald. Ihr könnt die andern so achtsam und aufmerksam betrachten wie die Rosine. Und - Euch selber. Und Ihr werdet an kein Ende kommen vor lauter Staunen, was Ihr alles entdecken könnt - an Euch und an den andern. Ihr seid nicht Gott. Aber Ihr könnt üben, zu sein wie Gott. Traut Euch – und: traut Euch!


Thema: Gott - Sonne? Wie zentral, wie lebenswichtig?

Mittwoch, 6. Juli 2022, 5:40 Uhr

Ist sie nicht einfach – unglaublich: die Sonne? Strahlt 150 Millionen Kilometer weit weg vor sich hin, ist im Kern 15 Millionen Grad heiß, an der Oberfläche nur noch schlappe fünfeinhalb Tausend Grad – und sorgt doch punktgenau dafür, dass hier auf der Erde alles sprießt und fließt, wächst und gedeiht, für Jahreszeiten, hell und dunkel. Unglaublich – die Energieleistung der Sonne ist eine Billiarde Mal höher als alle Windkraftanlagen auf der Erde zusammen. Ohne Sonne geht nix hier bei uns auf der Erde. Bis ins Gemüts– und Seelenleben: Scheint die Sonne, sind wir gut drauf und leben auf, sind fröhlicher, freundlicher, zugewandter. Denn die Sonne setzt in unserer Haut Beta-Endorphin frei, eine Bio-Droge sozusagen. Das genaue Gegenteil vom Herbst- oder Winterblues. Die Sonne senkt sogar den Blutdruck – zumindest kurzfristig. Außerdem sorgt die Sonne für die Vitamin-D-Produktion – extrem wichtig für gesunde Knochen beispielsweise. Die Sonne bildet also nicht nur das Zentrum unseres Sonnensystems, sie spielt auch eine zentrale Rolle für unser ganzes Leben. Ob das die Autoren der Bibel auch schon gewusst haben? Denn im Psalm 84 heißt es: "Gott der Herr ist Sonne." (Ps 84,12) Gott – ohne den nix geht, der oder die eine zentrale Rolle spielt in jedem Leben, für alles Leben, eine lebenswichtige Rolle? Oder – was glaubt Ihr?


Thema: Was seid Ihr bereit – zu tun für gutes Leben? (2)

Donnerstag, 7. Juli 2022, 6:40 Uhr

Wie sieht sie aus, die Welt – in der Ihr leben wollt? Sollen dort vor allem die Kinder bestimmen, wo's lang geht - oder lieber die Alten mit ihrer großen Lebenserfahrung? Sollen dort vor allem Familien mit Kindern eine zentrale Rolle spielen? Oder sollen sich Mütter und Väter um ihre Kinder gefälligst selber kümmern und gucken, wie sie klar kommen als Familie? Soll Städteplanung vor allem Rücksicht nehmen auf Menschen mit Handicaps? Sollen Steuergelder vor allem ausgegeben werden für diejenigen, die zu kurz kommen und am Rand stehen: für Langzeitarbeitslose, chronisch Kranke, für Flüchtlinge oder Obdachlose? Wie sieht sie aus, die Welt – in der Ihr leben wollt? Dominieren dort die Gesunden die Kranken? Die Starken die Schwachen? Die Reichen die Armen? Die Klugen die Ungebildeten? Die Deutschen die Zugezogenen? Die Männer die Frauen? Die Frauen die Männer? Oder versuchen dort möglichst alle miteinander danach zu schauen, was wem am besten weiterhilft – sodass möglichst alle ein möglichst gutes Leben haben? Wie das gehen könnte? Die sogenannte Goldene Regel Jesu wäre dafür zum Beispiel eine gute Idee aus dem Matthäusevangelium: "Alles, was ihr wollt, das euch die Menschen tun, das tut auch ihnen!" (Mt 7,12a) Wie sieht sie aus, die Welt – in der Ihr leben wollt? Und was seid Ihr bereit – dafür zu tun?


Thema: Nobody is perfect - aber alle sind ein Unikat Gottes!

Freitag, 8. Juli 2022, 5:40 Uhr

Habt Ihr auch schon mal von neuen Klamotten außer Pflegehinweisen ein Schildchen abgetrennt, auf dem übersetzt ungefähr das steht: "Die Unvollkommenheiten, die Unregelmäßigkeiten sind eine qualitative Einzigartigkeit und sollten betrachtet werden, sollten angesehen werden, sollten geschätzt werden als Gewinn, nicht als Defekt, nicht als Mangel." Und habt Ihr schon mal gesehen – dass wir alle so ein Schildchen tragen: Eure Liebste, Euer Liebster, Eure Kinder, Freundinnen, Freunde, Verwandte, Nachbarinnen, Nachbarn, Arbeitskolleginnen, Laura und Ben? Alle Menschen laufen mit diesem unscheinbaren, kleinen, aber feinen Etikett herum: "Die Unvollkommenheiten sind eine qualitative Einzigartigkeit und sollten geschätzt werden als Gewinn, nicht als Mangel." Egal ob dick oder schlank, sportlich oder nicht, reich oder arm, schwarz oder weiß. Wenn Ihr so mit anderen zusammen lebt und schaut auf andere, seid Ihr näher bei Gott und Gottes Blick auf die Menschen, als wenn Ihr Perfektionismus lebt und predigt. Glaube ich jedenfalls. Denn wie sonst könnte die Bibel vollmundig behaupten in einem Gebet an Gott: "Was ist der Mensch, dass Du an ihn denkst? Und doch hast du den Menschen nur wenig geringer gemacht als Gott." Jeder Mensch: unvollkommen – und doch einzigartig. Oder, was meint - was glaubt Ihr?


Thema: Was seid Ihr bereit – zu tun für gutes Leben? (3)

Samstag, 9. Juli 2022, 6:25 h

Wie sieht sie aus, die Welt – in der Ihr leben wollt? Sollen dort alle sportlich sein und sich optimal um ihre Fitness kümmern können? Sollen dort vor allem alle auf ihre gute Ernährung achten: viel Vegetarisches, wenig Fleisch und möglichst bio? Sollen dort alle Musik machen, Instrumente spielen, singen, tanzen: Ballett und Hip-Hop? Sollen dort alle einen Garten haben? Wie sieht sie aus, die Welt – in der Ihr leben wollt? Haben dort alle genug zu essen und zu trinken und wohnen schön – egal, was sie zu leisten imstande sind? Glauben dort alle an Gott – oder an nix? Oder an den Gott oder die Göttin oder das höchste Wesen, an das sie glauben möchten? Suchen dort alle erst mal ihre persönlichen Vorteile – oder haben dort alle immer auch die Bedürfnisse der anderen mit im Blick? Dominieren dort die Lauten die Leisen? Die Schwarzen die Weißen – oder die Weißen die Schwarzen? Oder versuchen dort möglichst alle miteinander danach zu schauen und miteinander dafür zu sorgen und daran zu arbeiten – dass möglichst alle ein möglichst gutes Leben haben? Wie das gehen könnte? Die sogenannte Goldene Regel Jesu wäre dafür zum Beispiel eine gute Idee aus dem Matthäusevangelium: "Alles, was ihr wollt, das euch die Menschen tun, das tut auch ihnen!" (Mt 7,12a) Wie sieht sie aus, die Welt – in der Ihr leben wollt? Und was seid Ihr bereit – dafür zu tun?