Fernweh in Zeiten von Corona

Auf den Spuren Jesu im Heiligen Land – Sommer 2019

Ein Bericht von Silke und Ulf Weber

Gut ein Jahr ist es jetzt her, als sich 22 Lehramts-Studierende und Nachqualifikanten für das Fach katholische Religion zur 10-tägigen Studien- und Pilgerfahrt auf nach Israel machten. Unter der versierten Leitung von StD` i.K. Birgitta Greif erwarteten die Teilnehmer ein volles Programm mit den unterschiedlichsten Eindrücken auf den Spuren Jesu. Wir denken gerade in diesem Sommer, in dem das Reisen unter ganz anderen Vorzeichen steht, besonders gerne an dieses unvergleichliche Erlebnis zurück.

Das erste Abenteuer mussten wir alleine meistern – den Sicherheits-Check der Fluggesellschaft ELAL mit ausführlichen Befragungen und Taschenkontrollen. Unsere Chefin, Birgitta Greif, und Chefzi Hilger, die örtliche Reiseführerin, erwarteten uns dann am Flughafen in Tel Aviv um uns in den Norden zu begleiten. Von Nazareth aus starteten wir zum Berg Tabor – dem Ort der Verklärung des Herrn. „Dies ist mein geliebter Sohn“ – mit den Schriftworten begann unsere Pilgerreise mit einer Morgenandacht. Neben einer kleinen Kerze gab es ein Pilgerabzeichen für jeden – uns begleitet es heute noch am Wanderrucksack.

In Nazareth selbst besuchten wir einen Gewürz- und Kaffeeladen und tauchten so mit allen Sinnen in die uns fremde und doch aus biblischen Erzählungen vertraute Welt ein. Vorbei ging es am Marienbrunnen zur Verkündigungsbasilika, wo nach der römisch-katholischen Überlieferung zufolge der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria erschien.

Mit einer Bootsfahrt auf dem See Genezareth begann der nächste Tag. Es regte sich kein Lüftchen – in der stehenden Hitze befanden wir uns in derselben Situation, in der Jesu sich auf dem Schiff zu Ruhe bettete. Der biblische Sturm blieb uns erspart, obwohl er während der Schriftlesung doch von vielen heimlich herbeigesehnt wurde …

Zu Mittag gab es selbstverständlich Petersfisch (wollen wir doch alle Menschenfischer werden), bevor es weiter nach Kapernaum ging. Wir besuchten dort auch die Kirche, die über den Resten von Petrus‘ Wohnhauses errichtet wurde.

Am vierten Tag stand Massada auf dem Programm, die beeindruckende herodianische Felsenfestung mitten in der Wüste. Puh, hier war es wirklich sehr heiß! Es ließ sich kaum ein schattiges Plätzchen finden. Und wir mussten nur uns selbst bewegen und keine Steine oder gar körperlich arbeiten! Was mag wohl die Herrscher damals bewogen haben, sich in dieser unwirtlichen Umgebung eine so große Anlage errichten zu lassen?

Die erhoffte Abkühlung an der Badestelle am Toten Meer blieb aus, das Meerwasser war unglaublich warm! Viel länger als fürs obligatorische Foto „liegend mit Zeitung“ hielt man es kaum aus!
Mit dem Element Wassser begannen wir den fünften Tag in Qasr-al-Yahud, der neu zugänglichen Taufstelle direkt am Jordan mit einer Tauferinnungsfeier. In mitgebrachten kleinen Fläschchen füllten wir uns Jordan-Wasser für zuhause ab.

Weiter führte uns die Reise nach Jerusalem. Der Bus entließ uns bei der Davidstadt und wir liefen etwa 35 Minuten lang durch den uralten, engen, stockdunklen und mit Wasser gefüllten Hezekiah-Tunnel bis zum Siloah-Teich. Auch das war ein Erlebnis der besonderen Art. In Zeiten von Corona doppelt unvorstellbar, wie wir dicht an dicht durch die Gänge liefen. Sicherheitsabstand? Fehlanzeige! Ohne Vordermann hätte die Orientierung gefehlt.

Untergebracht im griechisch-kath. Gästehaus direkt in der Altstadt beim Jaffa-Tor erkundeten wir unter der fachkundigen Leitung von Chefzi Hilger die facettenreiche und geschichtsträchtige Stadt Jerusalem: Ölberg, Garten Getsemane, Mariengrab, Gartengrab, Antoniafestung, Via Dolorosa und Erlöserkirche. In der St.-Annen-Kirche nutzten auch wir die tolle Akustik und versuchten uns mit der Gruppe in einem spontanen deutschen Kanon („Lobet und preiset ihr Völker den Herrn“). Die Grabeskirche war besonders beeindruckend: Vereint sie doch verschiedene Konfessionen unter einem Dach. Am Abend erlebten wir einen Sabbat-Gottesdienst in der „Großen Synagoge“ in der King-Georg-Street.

Am Sonntag feierten wir die Messe in der Dormitio-Abtei mit Pater Elias Pfiffi, der aus Hauenstein stammt. Ein weiteres Highlight in Jerusalem war natürlich der Besuch des Tempelbergs mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee. Hier gab es strenge Sicherheitskontrollen und auch auf die Einhaltung der Kleiderordnung (Frauen müssen unbedingt die Ellenbogen bedecken -die Beine sowieso) wird genauestens geachtet.
Gleich daneben herrschte reges Treiben an der Klagemauer. Dort gibt es (wie auch in der Synagoge) nach Geschlechtern getrennten Bereiche, der für Männer ist deutlich größer! Wir konnten gleich bei mehreren Bar-Mizwa-Feiern zuschauen. Die Prozessionen der gesamten Familie zur Klagemauer (hier noch vereint) erinnerten uns ein bisschen an Fronleichnam.

Weiter ging es zur Holocaust-Gedenkstätte Yas Vashem. Das sehr große Gelände beherbergt neben dem Holocaust History Museum z.B. auch die „Hall of Names“ und die Hall of Remembrance, das Children’s Memorial und die Allee der Gerechten. Während unseres dreistündigen Aufenthalts konnten wir uns nur einen Überblick über die Anlage verschaffen, die die dunklen Kapitel unserer Geschichte dokumentiert. Wir beendeten den Besuch mit persönlicher Andacht und gemeinsamem Totengedenken.

Anschließend fuhren wir weiter ins palästinensische Autonomiegebiet. Beim Anblick der Mauer kam uns sofort der „antifaschistischer Schutzwall“ Berlins in den Sinn. (Den Studierenden – alle nach 1989 geboren – war das anders.) In Bethlehem besuchten wir die Geburtskirche und die angrenzenden Katharinenkirche. Nächster Stopp war eine Kirche von aramäischen Christen. Der Messner sang uns das Vater-unser in Aramäisch vor. Nach dem Besuch der Milchgrotte kauften wir Souvenirs in einer Olivenholzwerkstatt, z.B. schöne Kreuze und Krippenfiguren.
Gestärkt dank der besten Falafel der Reise (Standard-Mittagessen während unserer Fahrt!) machten wir uns auf zu den Hirtenfeldern, wo wir in einer Felsenkapelle bei ca. 30 Grad eine Weihnachtsandacht feiern. Natürlich mit drei Strophen „Stille Nacht“. Unsere Reiseleiterin Birgitta Greif hatte für jeden eine Weihnachtskarte mitgebracht, die wir direkt aus Bethlehem an einen lieben Menschen verschicken konnten. Heute wissen wir: Sie kamen alle rechtzeitig zum Fest an!

Am letzten Tag unserer Reise besuchten wir auf dem Weg zum Flughafen noch die Knesseth, das israelischen Parlamentsgebäude und das Israel-Museum mit den Qumran-Schriftrollen. Dann hieß es für alle Abschied nehmen vom Heiligen Land mit vielen Eindrücken und einigen Souvenirs im Gepäck.

alle Fotos: © Bistum Speyer

Südpfälzer-Jakobsweg: Eine Reflexion der Gefährten

"Ich bin dann mal weg“ lautete der Buchtitel von Hape Kerkeling, der seine Reise auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela beschrieb. Er erklärt in seinem Buch, seine Vorbereitungen, seine Erwartungen, Hoffnungen aber auch Ängste und Ziele, die er sich selbst an diese Reise gesetzt hatte. So und so ähnlich begannen auch unsere Vorbereitungen für unseren eigenen Pilgerweg. Zwar sollte unsere Endstation nicht die spanische Stadt Santiago de Compostela werden, sondern „nur“  das Kloster Hornbach, dennoch sollten die Erfahrungen, die wir erleben durften, nicht weniger wertvoll sein.
Unsere eigentliche Reise startete am 06.12.2019 um 9.00 Uhr am Speyerer Dom und sollte insgesamt fünf Tage andauern. Der Pilgerweg selbst begann allerdings schon bedeutend früher. Im Vorfeld wollten wir uns allerdings erstmal ein genaues Bild machen, was Pilgern eigentlich bedeutet. Hierbei kamen fundamentale Fragen zu Tage. Was sind unsere persönlichen Ziele dieser Reise? Wie möchten wir unseren Pilgerweg gestalten? Geht es nur darum, sich selbst beweisen zu können, dass man so eine Herkules-Aufgabe an Kilometern bestehen kann?
Unser persönliches Ziel war einheitlich. Wir standen bzw. stehen alle gemeinsam am Ende unseres Studiums. Wir wollten die Zeit des Pilgerns nutzen, um unsere Zeit im Studium zu reflektieren. Wohin hat uns das Gelernte gebracht? In wieweit sind wir dadurch andere Menschen geworden? Wie können wir das Erfahrene später einmal gewinnbringend einsetzen?
Die Antworten auf alle diese Fragen sollten wir während des Pilgerns für uns selbst entdecken. Uns war es von Anfang an wichtig, dass wir diesen Weg in der Gemeinschaft bestreiten. Wir wussten, dass wir nun einige Tage miteinander verbringen werden und wollten diese Zeit auch dafür nutzen, uns gegenseitig besser kennenzulernen. Dies stellte sich auch für unseren Weg als entscheidend heraus. Fähigkeiten und Stärken wurden offenbart und postwendend eingesetzt. War der Eine in Sachen Orientierung besser als der andere, bekam er das Vertrauen der anderen, den richtigen Weg zu finden. Wiederum andere stellten sich auch in schwierigen Situationen als gute Antreiber heraus, was für die Motivation in der Gruppe unentbehrlich war.
Gemeinschaft sollte jedoch nicht nur innerhalb der Gruppe ein Thema bleiben. Von Tag zu Tag änderte sich auch unsere Gruppengröße. Immer mal wieder kamen Freunde dazu, die uns einen Teil der Strecke begleiteten. Aber auch in Gaststätten, in denen wir mittags oder abends einkehrten, trafen wir Leute, mit denen wir ins Gespräch kamen und die sehr interessiert daran waren, was wir denn da gerade taten. Man aß und trank mit diesen Menschen und lernte sich kennen. Das Alter spielte dabei keine Rolle mehr. Ob jung oder alt, fast alle stellten die gleichen Fragen. Die häufigste Frage war dabei, warum wir gerade zu dieser Jahreszeit pilgern. Die Antwort unsererseits war, dass wir die Adventszeit als sehr besinnlich und ruhig empfinden und sie zum Nachdenken nutzen wollten.
Immer wieder trafen wir Leute, in Situationen wo wir uns nicht mehr sicher waren welchen Weg wir nun einschlagen sollen, die uns den richtigen Weg weisen konnten. Auch trafen wir Menschen (und diesen Menschen möchten wir hier besonders danken), die uns Obdach und Verpflegung während der Reise gewährten. Die Schwestern des Schönstatt-Zentrums Marienpfalz in Herxheim waren solche besonderen Menschen. Trotz dem wir verspätet ankamen, wurden wir aufs herzlichste empfangen und man nahm sich die Zeit mit uns zu reden und uns kennenzulernen. Auch zeigten sie uns die zugehörige Kapelle, in der wir Gebete sprechen konnten, die uns Kraft für die folgenden Stunden und Tage gaben. Solche Begegnungen waren für uns, da sind wir uns alle einig, ein ganz besonderes Highlight dieser Reise gewesen.
Auf die Frage, wohin uns unsere Reise gebracht hat, ist der Ort Hornbach nicht die eigentliche Antwort. Zwar war dies das geografische Ziel der etwa 130 Kilometer langen Pilgerreise, allerdings (wie es so schön heißt) war der Weg das eigentliche Ziel. Wir erkannten, dass es im Prinzip egal ist, wo man aufbricht, wo man hingeht und wie viele Kilometer man geht. Entscheidend ist die Gemeinschaft und die Erfahrungen, die man auf dieser Reise erlebt. Wir lernten über unsere Stärken, aber auch über Grenzen unseres eigenen Körpers. Entzündungen, Fußblasen oder Reizungen im Knie gehörten genauso zur Reise, wie Erfolgserlebnisse und Freuden.
Auf die Frage, inwiefern uns denn nun dieser Pilgerweg weitergebracht hatte, können wir sagen, dass wir für uns selbst erkennen konnten, was wichtig im Leben ist. Wir haben Freunde und Bekannte kennengelernt, die unterschiedlichsten Themen diskutiert und über Gott und die Welt gesprochen. Man lernt erneut, wie viel Freude die Kleinigkeiten im Leben machen können und sei es nur ein kühles Weizen am Ende des Tages. Auch konnten wir unsere eigentliche Entwicklung während des Studiums nachvollziehen und sind dankbar für jede Erfahrung (sei sie gut oder schlecht gewesen), die wir in dieser Zeit machen durften. Wir werden die Zeit des Studiums und die Zeit des Pilgerns so schnell nicht wieder vergessen und freuen uns bereits darauf, wenn wir wieder aufbrechen dürfen! (Dennis Kunz, Garwin Giebel und Marcel Braun)

alle Fotos: © Bistum Speyer