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Dekanate

In dieser Übersicht finden Sie alle Dekanate im Bistum Speyer.

Dekanat 1 Bad Dürkheim


Dekanat 2 Donnersberg


Dekanat 3 Germersheim


Dekanat 4 Kaiserslautern


Dekanat 5 Kusel

Dekanat 6 Landau


Dekanat 7 Speyer


Dekanat 8 Pirmasens


Dekanat 9 Saarpfalz


Dekanat 10 Ludwigshafen

Historische Hintergründe der Neugründung des Bistums Speyer

Die Karte zeigt die Grenzen des Fürstbistums Speyer, das in den Wirren der französischen Revolutionskriege untergegangen ist.

Wenn das Bistum Speyer im Jahr 2017 seinen 200. Geburtstag seit der Neugründung feiert, verweist schon die Tatsache der Neu- oder Wiedergründung darauf, dass das Bistum Speyer deutlich älter als zwei Jahrhunderte ist. Das Bistum Speyer gehört zu den ältesten Bistümern in Deutschland. Bereits im vierten Jahrhundert wird mit Jesse ein Speyerer Bischof erwähnt. Die ununterbrochene Reihe der Speyerer Bischöfe beginnt mit Childerich 614. Bischof Wiesemann ist der 96. Bischof von Speyer. 

Was feiert das Bistum Speyer in diesem Jahr?

Einen Neuanfang nach dem dramatischen Untergang des alten Fürstbistums Speyer unter Napoleon, eine Wiedergründung unter völlig neuen Rahmenbedingungen im Vergleich zu den vorausgegangenen Jahrhunderten. Für einige Jahre verschwand das Bistum Speyer ganz von Landkarte. Wenn man sich das Schicksal so traditionsreicher Bistümer wie Konstanz oder Worms ansieht, hätte die Napoleonische Zeit auch das endgültige Ende bedeuten können. Dass Speyer noch einmal eine neue Chance bekam, hat es nicht zuletzt dem Dom zu verdanken – schon im 19. Jahrhundert wurde die Vermutung geäußert: „Ohne Dom würde Speier nie wieder Bischofssitz geworden sein.“

Auslöser der gravierenden Veränderungen waren die Französische Revolution 1789, die folgenden Kriege und die Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress 1814/15 nach der Niederlage Napoleons.

Durch den Frieden von Lunéville 1801 fiel das linke Rheinufer endgültig an Frankreich, die Pfalz wurde somit Teil Frankreichs. Im gleichen Jahr schloss der Vatikan ein Konkordat mit Napoleon, in der eine Neugliederung der Diözesen festgeschrieben wurde. 1802 musste der letzte Speyerer Fürstbischof Wilderich von Walderdorff auf seine bischöflichen Rechte links des Rheins verzichten. Für den rechtsrheinischen Teil blieb er bis zu seinem Tod 1810 zuständig. Die Katholiken in der Pfalz unterstanden ab 1802 den von Napoleon ernannten Bischöfen von Straßburg, Metz, Trier und Mainz. Der linksrheinische Teil des früheren Bistums Speyer bildete das Kernstück des neuen französischen Bistums Mainz, das Gebiet südlich der Queich wurde dem Bistum Straßburg zugeteilt.

Die Zeit der Fürstbischöfe, die auch weltliche Macht ausgeübt hatten, war damit passé. Es entstand ein ganz neuer Bischofstyp: Die Bischöfe stammten nicht mehr aus dem Adel, sondern waren Bürgerliche. Die neuen Bischöfe kümmerten sich persönlich um seelsorgliche Belange, um die Verkündigung des Evangeliums und die Verwaltung der Diözese. In Mainz sorgte es für Aufsehen, dass der neue Bischof Joseph Ludwig Colmar, Sohn eines Lehrers, selbst predigte. Im Kontrast zum Bisherigen sah man in Colmar, der sich große Verdienste um die Rettung des Speyerer Domes erwarb, zunächst einen „hergelaufenen Bettelbub“. In der Folgezeit sollte aber gerade dieses neue bischöfliche und kirchliche Selbstverständnis mit ein Grund dafür sein, dass die Bevölkerung sich wieder viel stärker mit der katholischen Kirche identifizierte.

Das französische Bistum Mainz blieb nur eine kurze Episode. Nach dem Wiener Kongress änderten sich die politischen Verhältnisse wieder grundlegend. Die Inbesitznahme der Pfalz durch Bayern 1816 war die Voraussetzung für die Wiedergründung des Bistums Speyer in wesentlicher kleinerer Form 1817. Das entscheidende Datum ist der 5. Juni 1817 mit der Unterzeichnung des Bayerischen Konkordates. Durch die Übereinkunft zwischen Papst Pius VII. und König Maximilian Joseph wurden die bayerischen Diözesen in der Form gegründet, wie wir sie heute kennen. Speyer wurde neben Würzburg und Eichstätt Teil der Kirchenprovinz Bamberg. Die Grenzumschreibung erfolgte durch eine päpstliche Bulle vom 1. April 1818. Diese wurde allerdings erst am 23. September 1821 verkündet, da im Verhältnis von Staat und Kirche noch einiges umstritten war.

Wie sehr sich das neue Bistum Speyer vom alten Fürstbistum unterschied, verdeutlicht ein Blick auf die Karte: Lag der größte Teil des Fürstbistums Speyer rechts des Rheins und hatte sich bis vor die Tore Stuttgarts erstreckt, so erhielt die neue Diözese Speyer das Gebiet des Bayerischen Rheinkreises, also die heutige Pfalz und Saarpfalz. Es war und ist rein linksrheinisch definiert. Auch kamen neue linksrheinische Gebietsanteile hinzu, die in den Jahrhunderten zuvor den Bischöfen von Worms, Mainz, Metz und Straßburg unterstanden hatten.

In staatlicher Hinsicht hatten die 206 Pfarreien des neuen Bistums Speyer zu mehr als 40 Teilstaaten des alten deutschen Reiches gehört – zum Hochstift Speyer, also dem weltlichen Herrschaftsbezirks des Bischofs von Speyer, zur Kurpfalz, aber auch zu vielen kleineren Territorien. Ein Stück Frankreich war ebenfalls mit dabei (nämlich Landau). Umso bemerkenswerter ist es, dass das Bistum trotz der höchst unterschiedlichen Herkunft der Gemeinden „zu einem hervorragend integrierten Gemeinwesen zusammenwuchs“ (Hans Ammerich).

Dennoch war es ein äußerst „schwieriger Beginn“ (Ludwig Stamer). Alle Klöster aufgelöst, keine wirtschaftlichen Grundlagen vorhanden, ebenso keine Verwaltungsstrukturen, viel zu wenige und zudem schlecht ausgebildete Seelsorger, der Dom in einem desolaten Zustand, ein bayerisches Staatskirchentum, das die Kirche bis ins Kleinste hinein gängelte – etwa festlegte, was als kirchlicher Feiertag begangen werden sollte, und Hirtenbriefe, Wallfahrten, selbst die Bußordnung genehmigungspflichtig machte. Und schließlich die ersten Bischöfe, die sich mit ihrem neuem Bistum und den dortigen Verhältnissen wenig anfreunden konnten. So hätte der erste Matthäus Georg von Chandelle lieber Aschaffenburg als seine Bischofsstadt gesehen. Seine beiden Nachfolger waren froh, als sie in andere bayerische Diözesen versetzt wurden. Erst die beiden ersten aus der Pfalz stammenden Bischöfe Johannes von Geissel und Nikolaus von Weis identifizierten sich wirklich mit ihrem Bistum. Sie legten die Fundamente dafür, dass die Gläubigen in diesem Jahr „200 Jahre neues Bistum Speyer“ feiern dürfen.

Literatur:

Hans Ammerich, Das Bistum Speyer von der Römerzeit bis zur Gegenwart (Schriften des Diözesan-Archivs Speyer, Band 49), Annweiler 2011

 

Für Veröffentlichungen in den Medien stellt das Bistumsarchiv Speyer die folgenden Fotos bereit. Sie können mit der Quellenangabe "Bistumsarchiv Speyer" kostenlos verwendet werden.

Karte des alten Fürstbistums Speyer

Bischof Matthäus von Chandelle (1822-1826)

Bischof Nikolaus von Weis (1842-1869)

Dom zu Speyer mit barockem Westwerk, kolorierte Lithographie um 1840

Zirkumskriptionsbulle vom 1. April 1818

Erstes Ordinariatsprotokoll nach der Wiedererrichtung, Eintrag vom 21. Januar 1822, „Verwaltung der bischöflichen Jurisdiction während der Abwesenheit Reverendissimi betr.“

 
Für Veröffentlichungen in den Medien stellt die Bischöfliche Pressestelle die folgenden Fotos bereit. Sie können mit der Quellenangabe "Bistum Speyer" kostenlos verwendet werden.

Aktuelle Karte des Bistums Speyer 

 

 

 

 

 

 

 

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