Die Angedacht!-Manuskripte

vom 29. März bis 4. April 2020

Autor: Stefan Weinert, Trier


Thema: Misereor-Sonntag: Trotz(t) Corona - und denkt an die Armen weltweit!

Sonntag, 29. März 2020, 6:40 Uhr

Immer noch sehr eigenartig, das Leben in Zeiten von Corona, oder? Nix is‘ mit Kino, Kneipe, Besuch bei Oma. Stattdessen Sorgen, ob das Geld reicht? Das mulmige Gefühl - bin ich infiziert? Da hat jeder und jede mit sich selbst zu tun. Und trotzdem gibt’s 'ne Menge Leute, die haben jetzt und gerade jetzt offene Augen für die Menschen um sie herum. Organisieren Einkaufshilfen, hängen Danke-Plakate an Supermärkte oder spenden für das Kulturzentrum, dem die Einnahmen wegbrechen. Oder für Gesundheitsprojekte in Mali, für Flüchtlinge im Libanon, für eine Schule in El Salvador. Denn die Probleme dort sind ja durch Corona nicht weggefegt, im Gegenteil. Wenn Corona schon die Gesundheitssysteme hier bei uns fordert und überfordert - was ist dann mit Ländern, wo sich nur die Reichen Gesundheit leisten können? In solchen Ländern hilft Misereor, das katholische Werk für Entwicklungszusammenarbeit. In den katholischen Gottesdiensten heute würden eigentlich Spenden gesammelt für diese Arbeit von Misereor. Aber - keine Gottesdienste, keine Kollekte. Deshalb bittet Misereor um Eure Spenden. Infos zur Arbeit und wie Ihr helfen könnt, findet Ihr im Netz auf www misereor de. Helft mit! Und - bleibt gesund.


Thema: Social Distancing - aber bitte nicht sozialen Abstand!

Montag, 30. März 2020, 5:40 Uhr

Ihr wisst ja - Abstand halten! Das Gebot der Stunde! Oder, wie auch gerne gesagt wird: soziale Distanz wahren. Soziale Distanz? Achtung, jetzt kommt ein bisschen Wortklauberei, aber - wollt Ihr wirklich auf soziale Distanz gehen? Social distancing heißt es auf Englisch, und damit ist räumliche Trennung gemeint. Social heißt in diesem Zusammenhang nämlich so was wie gesellig - und gesellig sein ist im Moment ja nicht drin - kein Kneipenabend, kein Grillen in großer Runde, kein ‚geselliges Beisammensein‘. Aber sozial meint im Deutschen ja ein bisschen was anderes. Der soziale Zusammenhalt, das ist der Zusammenhalt in der ganzen Gesellschaft - wir alle. Und wenn Ihr Euch sozial verhaltet, dann heißt dass, dass Ihr auf die Menschen um Euch herum achtet, fair seid, Schwächeren helft, nicht nur an Euch selbst denkt. Die Bibel ist voll von diesem Thema, Stichwort: Nächstenliebe. Aber das ist ja nicht nur ein Thema in der Bibel. Und so gesehen geht Ihr besser nicht auf ‚soziale Distanz‘. Räumliche Trennung, ja, körperlicher Abstand. Aber bleibt sozial, bleibt beieinander. Schreibt, chattet, mailt, telefoniert, kauft für andere ein, betet mit anderen im Internet, singt von Balkon zu Balkon - haltet Abstand, aber bleibt beieinander.


Thema: Nicht nur in Corona-Zeiten: Wann hilft Angst - wann hemmt sie?

Dienstag, 31. März 2020, 5:40 Uhr

Corona krempelt unser Leben um. Völlig. Wieviel Angst macht Euch das? Ein bisschen Angst ist ja gar nicht schlecht. Denn die richtige Dosis Angst macht Euch besonnen, vorsichtig. Zuviel Angst aber frisst Euch auf. Papst Franziskus hat mal gesagt: „Angst blockiert uns und bringt einen oft dazu, falsche Entscheidungen zu treffen.“ Damit hat der Papst nicht die vernünftige Angst gemeint, die Euch davor schützt, halsbrecherisch Kopf und Kragen zu riskieren. Aber eben jene übertriebene Ängstlichkeit. Von einem, der davon gepackt ist, heißt es in der Bibel: „Um und um schreckt ihn jähe Angst, dass er nicht weiß, wo er hinaus soll!“ Oder hört auf Meister Yoda, den weisen alten Jedi aus Star Wars. Der warnt: „Furcht ist der Pfad zur dunklen Seite. Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid.“ Zum Beispiel, wenn Furcht, Wut und Hass dazu führen, dass Menschen zu Sündenböcken gemacht werden. Oder wenn Menschen aus Angst hemmungslose Egoisten werden und in Krankenhäusern Desinfektionsmittel klauen. Deshalb: Seid vorsichtig, haltet Abstand – aber lasst Euch nicht in Angst und Schrecken versetzen. Leichter gesagt als getan? Ja, das stimmt. Aber denkt an Yoda und an den Papst: Übertriebene Angst ist der Pfad zur dunklen Seite und blockiert Euch. Bleibt gesund!


Thema: Hoffnung gegen alle Hoffung

Mittwoch, 1. April 2020, 5:40 Uhr

Immer noch kein Ende der Corona-Krise in Sicht. Weiter steigende Zahlen - mehr Menschen, die sich infiziert haben; mehr Menschen, die gestorben sind. Da taucht dann schon die Frage auf: Warum lässt Gott das zu? Gott, von dem es doch immer heißt, dass er die Menschen liebt - warum greift er nicht? Eine uralte Frage. Schon in der Bibel, im Alten Testament, stellt Ijob zum Beispiel genau diese Frage: Warum müssen unschuldige Menschen leiden? Warum lässt Gott das zu? Und die Antwort, die Ijob findet, ist bis heute gültig: Nämlich, dass es auf diese Frage letztlich keine Antwort gibt. Dass der Mensch einsehen muss, dass er Gott nicht vollständig begreifen kann, dass Fragen offen bleiben. Und da wird’s jetzt spannend: Ijob entscheidet sich nämlich dafür, das zu akzeptieren und trotzdem weiter auf Gott zu vertrauen. Der Apostel Paulus nennt das später „Hoffnung gegen alle Hoffnung“. Die Hoffnung, dass Gott am Ende der Tage alle Tränen abwischen wird, wie es in der Bibel heißt. Einen Beweis oder eine Garantie? - Nein, kann Euch niemand geben dafür. Nur: Wer den Glauben an Gott aufgibt, der gibt auch diese Hoffnung auf – aber es werden trotzdem weiter unschuldige Menschen leiden. Was hofft Ihr? Auf wen setzt Ihr?


Thema: Leid? Nicht wegschauen!

Donnerstag, 2. April 2020, 6:40 Uhr

Heute vor genau 15 Jahren ist Papst Johannes Paul der Zweite gestorben, nach langer und schwerer Krankheit. Erinnert Ihr Euch noch? Viele haben damals nicht verstanden, dass er nicht Platz gemacht hat für einen Nachfolger; dass er sich bis zum Schluss wirklich gequält hat. Viele Jahre lang hatte Johannes Paul der Zweite ganz anders gewirkt: Zupackend. Auch heftig umstritten, klar. Seine vielen Reisen zu Katholiken in aller Welt. Sportlich war er - Bergwanderer, Skifahrer. Und dann: Die Parkinson-Krankheit hat ihn im Griff, die Stimme versagt, schmerzverzerrtes Gesicht. Den fitten Reisepapst, den haben viele bewundert. Als er dann aber immer kränker wurde, fiel es schwerer, hinzusehen. Aber genau darum hat Johannes Paul der Zweite das damals auf sich genommen. Weil Krankheit, Schmerzen und Leiden dazugehören zum Leben. Daran wollte er erinnern. Dass es eben Menschen gibt, die so etwas durchmachen müssen. Und dass die anderen nicht den Kopf wegdrehen dürfen, weil man ungern daran erinnert wird. Dass sich der kranke Papst nicht zurückgezogen hat, war auch ein Appell, das Leid und die Leidenden nicht auszublenden. Sondern hinzuschauen – und natürlich zu helfen, wo immer es geht. Ein Appell an Jeden und Jede, auch an Euch; auch jetzt noch, 15 Jahre nach seinem Tod.


Thema: Die Bibel: viele Sprachen, viele Töne

Freitag, 3. April 2020, 5:40 Uhr

Kleine Schätzfrage am Morgen: In wie viele Sprachen ist die Bibel bisher übersetzt worden? 100? 1000? In fast 3.400 Sprachen wurden die Bibel oder Teile daraus bis heute übersetzt, darunter auch – Klingonisch. Die komplette Bibel gibt’s laut Deutscher Bibelgesellschaft jetzt in 694 Sprachen. Damit ist die Bibel das meist übersetzte Buch der Welt. Da ist auf alle Fälle auch eine Sprache für Euch dabei. Aber: Spricht die Bibel wirklich auch Eure Sprache? Ein Text kann ja in Eurer Muttersprache geschrieben sein – und trotzdem fremd klingen. Unverständlich. Es kann sein, dass er nicht Euren Ton trifft. Gut, dass die Bibel viele Töne anschlägt. Poetisch: „Schön bist du, meine Freundin. Zwei Tauben sind deine Augen. Schön bist du, mein Geliebter, verlockend.“ Oder praktisch: „Sechs Jahre kannst du in deinem Land säen und die Ernte einbringen, im siebten Jahr sollst du es brach liegen lassen.“ Oder spannend: „Da brachte man einen Gelähmten zu Jesus. Weil sie ihn aber wegen der vielen Leute nicht bis zu ihm bringen konnten, deckten sie dort, wo Jesus war, das Dach ab und ließen den Gelähmten auf seiner Tragbahre durch die Öffnung hinab.“ Wie’s weitergeht? Lest selbst nach. Denn so viele Sprachen spricht die Bibel, so viele Töne schlägt sie an – da ist auch Euer Ton dabei.