Fastenpredigten "Im Puls"

Peter Müller, Bettina Schausten und Horst Köhler predigen im Speyerer Dom

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann und das Domkapitel Speyer möchten mit den Fastenpredigten im Dom einen Beitrag zu einer zeitgemäßen Verkündigung der christlichen Botschaft in die Gesellschaft hinein leisten. Dafür konnten mit Peter Müller, Bettina Schausten und Horst Köhler 2024 drei prominente und profilierte Persönlichkeiten gewonnen werden.

Den Auftakt markierte am 29. Februar der Impuls von Dr. Peter Müller, Ministerpräsident a.D. und ehemaliger Richter beim Bundesverfassungsgericht. Am darauffolgenden Donnerstag, 7. März, predigte die studierte Theologin Bettina Schausten, Chefredakteurin des ZDF, im Dom. Zum Abschluss hielt Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Horst Köhler am 14. März die dritte Fastenpredigt.

Die vom Speyerer Domkapitel im vergangenen Jahr initiierte Predigtreihe stand 2024 unter dem Leitthema „Zusammenfinden, Spaltung überwinden“. Diese Überschrift knüpft an die Inschrift über dem Domportal an: „Ut unum sint.“ / „Alle sollen eins sein“ (Joh 17, 21). Dieser Satz aus dem sogenannten „Hohepriesterlichen Gebet“ Jesu im Johannesevangelium steht dort als Zeichen und Mahnmal der Einheit.


„Unantastbarkeit der Menschenwürde muss Grundlage all unseres Handelns sein“

Fastenpredigt von Peter Müller im Speyerer Dom

Auf große Resonanz stieß die Predigt von Peter Müller, langjähriger Ministerpräsident des Saarlandes und Verfassungsrichter a.D., mit der er am 29. Februar die Reihe der diesjährigen Fastenpredigten im Speyerer Dom eröffnete. „Dass es des Zusammenfindens bedarf, damit wir gut zusammenleben können, wird in den Worten der biblischen Lesung deutlich“, sagte Müller in seiner Predigt und zitierte deren Schlusssatz „Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm.“ (1. Kor 12, 27). „Zusammenfinden, zusammenwirken, zusammenhalten ist eine Gelingensbedingung für religiöse, soziale und gesellschaftliche Gemeinschaften“, sagte Müller.

Weiterhin bezog sich Peter Müller in seiner Predigt auf das Grundgesetz, dessen 75. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird. Im Zentrum seiner Betrachtung stand dabei das der Verfassung zugrundeliegende christliche Menschenbild und die daraus sich ergebenden Ableitungen für die Überwindung nationaler Grenzen und gesellschaftlicher Spaltungen.

 

Einen ausführlichen Rückblick auf die Fastenpredigt gibt es hier zum Nachlesen.

Eine Aufzeichnung der Predigt steht außerdem auf YouTube bereit.


Die Bedeutung von Räumen für Dialog und Begegnung

Fastenpredigt von Bettina Schausten im Speyerer Dom

In der Reihe der Fastenpredigten im Dom war am Donnerstag, 7. März 2024, ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten im vollbesetzten Dom zu Gast. In ihrer Predigt sprach Bettina Schausten über den Zustand unserer Gesellschaft in Zeiten von Kriegen und multiplen Krisen, von Unsicherheiten und digitaler Blasenbildung. Vor diesem Hintergrund erläuterte sie die Bedeutung von Räumen für Dialog und Begegnung – auch in den Medien –, ebenso wie die Idee einer digitalen Fastenzeit.

Der Lesungstext aus dem 1. Korintherbrief des Apostels Paulus hat die Spaltung der frühchristlichen Gemeinde zum Thema. Paulus ruft darin zur Einheit auf: „Seid alle einmütig und duldet keine Spaltungen unter euch.“ Dieses Bibelwort nahm Schausten in ihrer Predigt immer wieder auf.
Was eint uns, was spaltet uns? Als politische Journalistin und Vertreterin eines großen Mediums wolle sie hierzu eine Einschätzung geben. Sie sähe ein Land in der Zeitenwende, nervös und unsicher. Der Angriffskrieg Russlands mache deutlich, dass Frieden und Wohlstand in Europa nicht selbstverständlich sind. Auch die Reaktionen auf den Krieg im Gaza-Streifen zeugten von einer aufgeheizten Stimmung. Inflation, eine schwächelnde Wirtschaft und die gewaltige Transformationsaufgabe der Industrie führten zu einer Unsicherheit, die eigene wirtschaftliche Zukunft betreffend. Schausten wies angesichts dieser Entwicklung auf schwindende Solidarität hin: „Jede Interessengruppe kämpft für sich und die Mittel des Kampfes werden radikaler“, so die Beobachtung der Journalistin.

 

Einen ausführlichen Rückblick auf die Fastenpredigt gibt es hier zum Nachlesen.

Eine Aufzeichnung der Predigt steht außerdem auf YouTube bereit.


Zusammenarbeit angesichts der Vielfalt an Völkern und Nationen in der Welt

Fastenpredigt von Horst Köhler im Speyerer Dom

Am Donnerstag, 14. März, predigte Bundespräsident a.D. Prof. Dr. Horst Köhler im Speyerer Dom. Thematisch setzte sich Horst Köhler mit der biblischen Erzählung vom Turmbau zu Babel auseinander und ging der Frage nach, wie angesichts der Vielfalt an Völkern und Nationen in unserer Welt Zusammenarbeit gelingen kann. Dabei nahm er gegenwärtige geopolitische Spannungen und Konflikte in den Blick und betonte die Bedeutung der Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen als maßgebliches „Angebot für eine gedeihliche Kooperation aller Völker unserer Welt“. Den Prozess der Europäischen Einigung würdigte Horst Köhler. Zugleich mahnte er notwendige Weiterentwicklungen zu einer europäischen Verteidigungsunion an.

In der Bibel versuchen die Menschen, sich mit dem Turmbau einen Namen zu machen. „Hochmut und Hybris bahnten sich in Babel ihren Weg in den Himmel – dagegen, und nicht gegen den zivilisatorischen Fortschritt, richtete sich der Widerspruch Gottes“, sagte Köhler. „Sollte unter den Trümmern des antiken Babel etwa die Hoffnung auf eine geeinte Menschheit begraben liegen?“, fragte Köhler die anwesende Gemeinde. Die Idee einer Menschheit, die eins ist und gemeinsam Großes leiste, habe für ihn nichts von ihrer Faszination verloren. Individuelle Prägungen und Unterschiede dürften jedoch nicht nivelliert werden, wenn so aufgegeben werden müsse, was jeden und jede einzigartig mache. „Uniformität geht schief, Vielfalt hat Zukunft“: Das ist für ihn die zentrale Botschaft der Turmbau-Erzählung. Vielfalt müsse als Segen begriffen werden, „denn nicht zuletzt in der Vielgestaltigkeit liegt der Reichtum menschlichen Lebens“, sagte Köhler in seiner Predigt.

Einen ausführlichen Rückblick auf die Fastenpredigt gibt es hier zum Nachlesen.

Eine Aufzeichnung der Predigt steht außerdem auf YouTube bereit.