Der Blick in die Zukunft

Immer häufiger hört man: Die Kirche muss sparen. Warum ist das so?

Peter Schappert: Das gilt für die Kirche im Bistum Speyer schon immer, denn unsere Mittel reichen gerade dafür aus, dass wir unsere Aufgaben angemessen erfüllen können. Doch vor dem Hintergrund der zukünftigen langfristigen Entwicklungen wird unsere Lage schwieriger. Nach einer Prognose der Universität Freiburg wird sich die Zahl der Katholikinnen und Katholiken im Bistum Speyer bis zum Jahr 2060 voraussichtlich um mehr als 50 Prozent verringern. Das hat massive Auswirkungen auf die Finanzen, denn die Diözese finanziert ihre Arbeit hauptsächlich über die Kirchensteuer.

Aktuell verlieren wir jedes Jahr etwa ein Prozent an Kaufkraft und diese Entwicklung wird sich wahrscheinlich noch beschleunigen. Wir stehen also vor der Aufgabe, für die kommenden Haushaltsjahre bis 2030 strukturelle Einsparungen in Höhe von rund 10 Prozent des Bistumshaushaltes zu beschließen. Die steigenden Kirchenaustrittszahlen machen allerdings eine negativere Entwicklung als sie die Freiburger Studie prognostiziert wahrscheinlich. Das bedeutet: Die strukturellen Einsparungen müssen möglicherweise noch höher sein. Das entspricht einem Einsparvolumen von rund 16 Millionen Euro plus X.

 

 

Wenn der Kirche Geld fehlt, warum verkauft sie dann nicht einfach etwas von ihrem Besitz?

Peter Schappert: Das wäre zu kurz gedacht. Dieser Gedanke ist dann richtig, wenn ich ihn auf eine Einzelausgabe beziehe, die jetzt wichtiger ist als der einzelne Besitz eines Gegenstandes. Für die Lösung dauerhafter Finanznot hilft der Einzelverkauf nichts, weil der Erlös nach kurzer Zeit aufgebraucht ist und dann das Finanzierungsproblem weiter besteht. Wenn wir weniger Einnahmen haben, dann können wir unseren Haushalt nur dadurch ausgeglichen erhalten, dass wir auch weniger Ausgaben haben. Das heißt, dass wir entsprechend dem Sinken unserer Einnahmen auch unsere Aufgaben reduzieren müssen.

Das bedeutet nicht, dass wir alle Vermögenswerte behalten oder erhalten müssen. Wo wir ein ehemaliges Pfarr- oder Schwesternhaus, ein Pfarrheim oder eine Nebenkirche für die Seelsorge nicht mehr brauchen, trennen wir uns auch von Immobilien. So haben wir seit 2015 vier Kirchen, 11 Pfarrheime und 55 ehemalige Pfarr- und Schwesternhäuser abgegeben.

Wenn die Kirche weniger hat, warum übernimmt dann nicht der Staat zum Beispiel die kirchlichen Kindertagesstätten oder Schulen?

Peter Schappert: Das Vorhalten von Kindertagesstätten oder Schulen gehört zu den staatlichen Pflichtaufgaben. Genauso liegt es im Interesse des Staates, dass diese Aufgaben von den Kirchen und anderen sozialen Trägern übernommen werden zur Förderung einer breiten sozialen Verantwortung und einer strukturellen Vielfalt, die zum Beispiel den Familien eine Auswahl ermöglicht. Kindertagesstätten wurden im 19. Jahrhundert auch durch viele kirchliche Träger gegründet, und die Kirchen haben diese Aufgabe seither als eigenes soziales und erzieherisches Anliegen nach ihren Kräften erfüllt. Wenn nun in unserer Zeit die Finanzkraft der Kirchen abnimmt, entsteht die Situation, dass wir einen Teil dieser Einrichtungen nicht mehr weiterführen können, so dass andere Träger oder auch die Kommunen selbst diese staatliche Aufgabe übernehmen müssen. Nicht aus inhaltlichen Gründen, sondern allein weil wir nicht mehr in der Lage sind, den erforderlichen Eigenanteil an der Finanzierung aufzubringen.

Wer entscheidet eigentlich, wo gespart wird?

Peter Schappert: Es gehört zur Verantwortung des Diözesanbischofs zu entscheiden, wo in seinem Bistum die Prioritäten für die Verkündigung und die Seelsorge liegen sollen. Der Bischof setzt die großen Linien, inhaltlich beraten wird er dabei vor allem durch den Allgemeinen Geistlichen Rat, den Priesterrat und die Diözesanversammlung. Die aus wirtschaftlicher Sicht erforderlichen Entscheidungen fallen in den Vermögensgremien des Bistums, insbesondere im Diözesansteuerrat und im Diözesanvermögensverwaltungsrat.

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