Östliche Kirchen
Welche Kirchen sind gemeint?
Die folgende Übersicht ordnet die Kirchen des Ostens nach ihren vier großen Familien. Fast jede orthodoxe oder altorientalische Kirche hat ein katholisches Gegenüber mit beinahe gleichem Namen. Koptisch-orthodox und koptisch-katholisch, syrisch-orthodox und syrisch-katholisch, äthiopisch-orthodox und äthiopisch-katholisch: Der Unterschied steckt in einem einzigen Wort, und er entscheidet darüber, was bei Kommunion, Trauung oder Begräbnis möglich ist.
Fragen Sie im Gespräch nach dem Namen der Kirche, nicht danach, ob jemand „orthodox oder katholisch“ ist. Viele Gläubige verwenden diese Begriffe anders, als wir es erwarten: „Wir sind Christen aus Syrien“ oder „wir sind orthodox“ kann beides bedeuten. Der Name der Kirche und der Ort, an dem die Familie zuletzt Gottesdienst gefeiert hat, führen schneller weiter.
1. Orthodoxe Kirchen byzantinischer Tradition
Die größte der vier Familien. Diese Kirchen erkennen die ersten sieben Ökumenischen Konzilien an und stehen untereinander in voller Kirchengemeinschaft. Sie sind nicht zentral geleitet: Jede Kirche ist selbstständig (autokephal), der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel hat einen Ehrenvorrang, aber keine Jurisdiktion über die anderen. Liturgiesprachen sind Griechisch, Kirchenslawisch, Rumänisch, Arabisch, Georgisch und zunehmend auch Deutsch.
Selbstständige (autokephale) Kirchen:
- Ökumenisches Patriarchat von Konstantinopel
- Griechisch-Orthodoxes Patriarchat von Alexandrien und ganz Afrika
- Griechisch-Orthodoxes Patriarchat von Antiochien und dem ganzen Osten
- Griechisch-Orthodoxes Patriarchat von Jerusalem
- Russisch-Orthodoxe Kirche (Moskauer Patriarchat)
- Serbisch-Orthodoxe Kirche
- Rumänisch-Orthodoxe Kirche
- Bulgarisch-Orthodoxe Kirche
- Georgisch-Orthodoxe Apostelkirche
- Orthodoxe Kirche von Zypern
- Orthodoxe Kirche von Griechenland
- Polnische Orthodoxe Kirche
- Orthodoxe Kirche von Albanien
- Orthodoxe Kirche der Tschechischen Länder und der Slowakei
- Orthodoxe Kirche in Amerika
- Orthodoxe Kirche der Ukraine
Weitere eigenständige Kirchen und Kirchenteile mit teilweiser Selbstständigkeit, unter anderem: Finnland, Estland, Kreta, Sinai, Lettland, Moldau, Japan sowie die Russische Orthodoxe Kirche im Ausland und die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche.
In Deutschland sind fast alle größeren dieser Kirchen mit eigenen Bistümern oder Gemeinden vertreten, besonders die griechische, russische, serbische, rumänische, bulgarische, georgische, antiochenische und ukrainische. Ihre Bischöfe bilden gemeinsam die Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD). Über sie lässt sich in der Regel eine Gemeinde in der Nähe finden.
Diözesen in Deutschland:
- Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland
- Metropolie von Antiochien für Deutschland und Mitteleuropa – arabischsprachig
- Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche (Moskauer Patriarchat)
- Diözese von Deutschland der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland
- Serbisch-Orthodoxe Diözese für Deutschland
- Rumänisch-Orthodoxe Metropolie für Deutschland und Zentraleuropa
- Bulgarisch-Orthodoxe Diözese von West- und Mitteleuropa
Zur Ukraine: Es bestehen mehrere orthodoxe Kirchenstrukturen nebeneinander, vor allem die Orthodoxe Kirche der Ukraine, der das Ökumenische Patriarchat 2019 die Selbstständigkeit zuerkannt hat, und die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche, die traditionell dem Moskauer Patriarchat zugeordnet war. Ihr Verhältnis zueinander ist innerorthodox umstritten und mit dem Krieg zusätzlich belastet.
2. Altorientalische Kirchen
Auch orientalisch-orthodoxe Kirchen genannt. Sie haben das Konzil von Chalcedon (451) nicht angenommen und gingen damals eigene Wege. Die theologischen Gespräche der letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass der damalige Streit um die Naturen Christi weitgehend auf unterschiedlichem Sprachgebrauch beruhte. Im Glauben an Christus besteht Übereinstimmung.
Diese Kirchen sind Kirchen alter christlicher Kernländer und stehen seit Jahrhunderten unter Druck. Viele ihrer Gläubigen leben heute in der Diaspora.
- Koptisch-Orthodoxe Kirche – Ägypten, die größte christliche Gemeinschaft im Nahen Osten
- Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien – Syrien, Türkei, Irak, Libanon; Liturgiesprache Syrisch-Aramäisch
- Armenisch-Apostolische Kirche – mit den beiden Katholikaten Etschmiadzin (Armenien) und Kilikien (Libanon)
- Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche
- Eritreisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche – seit den 1990er Jahren eigenständig
- Malankarisch-Orthodoxe Syrische Kirche – Südindien, Kerala; daneben besteht dort die Jakobitische Syrische Kirche unter dem Patriarchat von Antiochien
In Deutschland haben vor allem die koptische, syrisch-orthodoxe, armenische, äthiopische und eritreische Kirche Gemeinden. Ansprechpartner vermittelt der Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland.
3. Assyrische Kirche des Ostens
Die Kirche ostsyrischer Tradition, hervorgegangen aus dem Christentum des früheren Perserreichs, das jahrhundertelang außerhalb des Römischen Reiches lebte und Mission bis nach Indien und China trug. Sie erkennt die ersten beiden Ökumenischen Konzilien an. Liturgiesprache ist Ostsyrisch-Aramäisch.
Die früher übliche Bezeichnung „Nestorianer“ ist als Fremd- und Kampfbegriff entstanden und wird von den Gläubigen selbst abgelehnt. 1994 unterzeichneten Papst Johannes Paul II. und Patriarch Mar Dinkha IV. eine Gemeinsame Christologische Erklärung, die die alte Kontroverse als beigelegt ansieht.
- Assyrische Kirche des Ostens
- Alte Kirche des Ostens – 1968 abgespalten, seither gibt es Schritte der Annäherung
In Deutschland:Mar Odisho e. V. – Gemeinden unter anderem in Borken, Essen, Wiesbaden und München.
Nicht zu verwechseln mit der Chaldäisch-Katholischen Kirche: Diese kommt aus derselben Tradition, steht aber in voller Gemeinschaft mit Rom (siehe unten). Beide sind im Irak beheimatet, und Familien haben oft Angehörige in beiden Kirchen.
4. Katholische Ostkirchen
Häufig „unierte“ Kirchen genannt. Sie stehen in Liturgie, Theologie, Spiritualität und Verfassung in ostkirchlicher Tradition, haben sich aber im Lauf der Kirchengeschichte wieder mit der Kirche von Rom vereint. Sie sind untereinander und mit der römisch-katholischen Kirche in voller Kirchengemeinschaft.
Ihre Gläubigen sind Katholiken. Sie können am sakramentalen und nichtsakramentalen Leben unserer Gemeinden uneingeschränkt teilnehmen und wir an ihrem. Es sind keine Gäste, sondern Angehörige der eigenen Kirche.
Es gibt 23 solcher Kirchen eigenen Rechts. Zusammen mit der lateinischen Kirche bilden sie die katholische Kirche. Ihr Kirchenrecht ist nicht der lateinische Codex (CIC), sondern der Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium (CCEO). Das ist bei Taufe, Firmung und Trauung zu beachten.
Alexandrinische Tradition
- Koptisch-Katholische Kirche
- Äthiopisch-Katholische Kirche
- Eritreisch-Katholische Kirche
Westsyrisch-antiochenische Tradition
- Syrisch-Katholische Kirche
- Maronitische Kirche – Libanon. Ohne nichtkatholisches Gegenüber, sie war nie getrennt
- Syro-Malankarische Kirche – Südindien
Armenische Tradition
- Armenisch-Katholische Kirche
Ostsyrisch-chaldäische Tradition
- Chaldäisch-Katholische Kirche – Irak. Die größte christliche Gemeinschaft des Landes
- Syro-Malabarische Kirche – Südindien. Nach Zahl der Gläubigen die zweitgrößte katholische Ostkirche
Byzantinische Tradition
- Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche – die größte katholische Ostkirche
- Melkitische Griechisch-Katholische Kirche – Syrien, Libanon, Palästina
- Ruthenische Kirche
- Rumänische Griechisch-Katholische Kirche
- Slowakische Griechisch-Katholische Kirche
- Ungarische Griechisch-Katholische Kirche
- Griechisch-Katholische Kirche in Griechenland
- Bulgarische Griechisch-Katholische Kirche
- Kirche von Križevci – Kroatien, Serbien, Montenegro
- Makedonische Griechisch-Katholische Kirche
- Albanische Griechisch-Katholische Kirche
- Belarussische Griechisch-Katholische Kirche
- Russische Griechisch-Katholische Kirche
- Italo-Albanische Kirche – Süditalien und Sizilien; ebenfalls nie getrennt
In Deutschland trifft man vor allem Gläubige der chaldäisch-katholischen, syrisch-katholischen, maronitischen, melkitischen, koptisch-katholischen, ukrainisch-griechisch-katholischen sowie der äthiopisch- und eritreisch-katholischen Kirche. Mehrere dieser Kirchen haben in Deutschland eigene Seelsorgestellen oder Exarchate. Für die ukrainischen Gläubigen besteht ein eigenes Apostolisches Exarchat mit Sitz in München.
In unserer Region: Die ukrainische griechisch-katholische Seelsorge für Mannheim, Kaiserslautern, Saarbrücken, Trier und Koblenz.
Gemeinde in der Nähe finden: Das Verzeichnis ostkirchlicher Gemeinden in Deutschland führt Gemeinden aller hier genannten Kirchen mit Kartensuche.
