Druckversion: [ www.bistum-speyer.de/ ][ Schule ][ Religionslehrer.innen ][ Aktuelles ]

Medientipp: Youcat for kids

Aus der Werkstatt des Youcat, des erstmals 2011 erschienenen Jugendkatechismus', ist nun mit dem Youcat for Kids auch eine Ausgabe für Kinder zwischen acht und zwöf Jahren erschienen. Genau genommen gehören zur Zielgruppe auch die Eltern. Denn die Autoren empfehlen den "Katechismus für Kinder und Eltern", wie er im Untertitel heißt, für den Austausch in der Familie. Von den Vorstellungen des Kindes sei auszugehen, empfiehlt die Einführung, und erst dann solle mithilfe des Buches die Lehre der Kirche in das Gespräch einbezogen werden. Es finden sich zwar keine Fragen zum Weiterdenken oder ausdrückliche Gesprächsanregungen, die Seitengliederung unterstützt aber den empfohlenen dialogischen Einsatz: Am unteren Seitenrand helfen Informationen und Zitate in kleinerer Schrift den Erwachsenen bei der Vor- oder Nachbereitung.Wie sein "großer Bruder" für die Jugendlichen ist auch Youcat for Kids fast durchgängig in Fragen und Antworten gegliedert. Und wie im Youcat sind die Antworten zweistufig: eine kürzere definitorische Antwort wird durch eine - hier oft nur unwesentlich - längere Erklärung ergänzt. Die Auswahl der Fragen erfährt eine Straffung. Man kann darüber streiten, ob sie an den richtigen Stellen vorgenommen wurde: keine Wort dazu, wie die Kirche in einer pluralen Welt über andere Religionen denkt, aber drei Seiten zum Rosenkranz. Die Gliederung wird um einen Einleitungsteil "Woher die Welt kommt und alles, was es gibt" und um ein Schlusskapitel für die Eltern "Das Leben Jesu" (über das noch zu sprechen ist) ergänzt, entspricht ansonsten im Wesentlichen dem Youcat wie auch dessen Vorlage, dem Katechismus der Katholischen Kirche: das apostolische Credo, die sieben Sakramente, die Zehn Gebote, das Gebet.

Die Konzentration auf die einfache Form und auf die für die jungen Leser notwendige Kürze der Texte haben zu einem überzeugenden Ergebnis geführt. Mit großer Sorgfalt finden die Autoren Formulierungen, die auch schwierige lehramtliche Aussagen treffend auf den Punkt bringen und zugleicht in Wortwahl und Satzbau von den meisten Adressaten verstanden werden können. Einzelne große, farbige Bilder ergänzen wirkungsvoll den Inhalt, viele zurückhaltend kolorierte Strichzeichnungen lockern die Seiten auf und kommentieren die Aussagen des Textes mit Humor, ohne albern zu wirken. Im Gegenteil: die gelungene Gestaltung zeigt, dass sowohl die Sache als auch die jungen Leserinnen und Leser ernst genommen werden. Man merkt dem Buch an, dass es von einer Wertschätzung traditioneller Formen des Glaubens getragen ist, aber es ist nicht traditionalistisch. Die jungen und die älteren Leser gewinnen ein lebendiges und theologisch verantwortetes Bild von der Fülle des christlichen Glaubens katholischer Ausprägung, das ihnen zeigt, wie sehr der Glaube mit ihrem eigenen Leben zu tun, und dass er seine Mitte in der Liebe Gottes hat. Auch wenn es sich um ein Buch für die Familie handelt, kann man es Lehrern und Lehrerinnen aller Schulformen empfehlen. Mit seinen prägnanten Formulierungen bietet es eine Hilfe für die Vorbereitung von Arbeitsmaterialien, Tafelbilden oder Lehrervorträgen.

Die Randpartien befremden dagegen. In der Einleitung wird der Katechismus der Katholischen Kirche von 1997 "neben [sic!] der Heiligen Schrift" als "das zweitwichtigste Medium in der Kirche" bezeichnet. Da macht man es sich mit der theologischen Hermeneutik etwas zu leicht. Ebenso hätte die Warnung der Autoren, man könne von den Glaubensinhalten "eigentlich kein Stück herauslassen, ohne Gefahr zu laufen, Wichtiges zu verpassen oder misszuverstehen", die Ergänzung verdient, dass nicht weniger Missverständnisse drohen, wenn man die "Hierarchie der Warhrheiten" ingnoriert und alle Lehrinhalte für gleich wichtig hält. Wirklich ärgerlich ist aber Schlussteil, der eine Hilfe für die Eltern sein soll, vom Leben Jesu zu erzählen. Er hätte über die Spannung zwischen der historischen Frage und der narrativen Gestaltung der Evangelien aufklären können. Stattdessen wird nach einer Einleitung in apologetischem Ton unvermittelt eine Evangelienharmonie als Erzählvorlage präsentiert. Wer nicht genau aufpasst, liest diese als historische Rekonstruktion des Lebens Jesu.

Alles in allem aber: ein gelungens Buch für das Gespräch in der Familie über den Glauben und auch für Religionslehrer der Primar- und Sekundarstufe eine Fundgrube für treffend konzentrierte Darstellungen. Aber wie für den Einsatz des Buches in der Familie gilt selbstredend auch für jede Form der unterrichtlichen Verwendung: Lehraussagen, so "kindgerecht" sie auch formuliert sein mögen, sollen in ein offenes Gespräch eingebettet sein, das spüren lässt, dass glauben nur in Freiheit möglich ist.


Bernhard Kaas, Fortbildungsleiter Sek I


Diözese Speyer
Bischöfliches Ordinariat Speyer
Kleine Pfaffengasse 16
67346 Speyer
Telefon: 06232 102 0
Fax: 06232 102 300