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Dienstag, 15. März 2016

Die Flüchtlingsfrage als Herausforderung für die Kirchen

Teilnehmer der ACK-Konferenz (v. l): Ökumenereferent Dr. Thomas Stubenrauch (Bistum Speyer), Superintendent Horst Hörpel (Evangelische Kirche im Rheinland), Dr. Bishoy Soliman (Vertreter der koptisch-orthodoxen Kirche), Pastor Dr. Jochen Wagner (Bund Freier Evangelischer Gemeinden, Vorsitzender der ACK-Südwest). 

ACK-Südwest beschäftigt sich mit der koptisch-orthodoxen Kirche und dem Dialog mit den Muslimen

Neustadt. Etwa 30 Delegierte der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in der Region Südwest kamen zu ihrer Frühjahrsversammlung in Neustadt an der Weinstraße zusammen. Neben Berichten aus den Mitgliedskirchen und organisatorischen Fragen stand die Flüchtlingsthematik im Mittelpunkt der Beratungen. Sowohl die Flüchtlinge, die einer Kirche des Ostens angehören, als auch die große Zahl von Muslimen, die nach Deutschland fliehen, stellen die Kirchen vor neue Herausforderungen.

Geschichte und Gegenwart der koptisch-orthodoxen Kirche
Schätzungen zufolge gehören 10 bis 20 Prozent der Flüchtlinge, die zurzeit in Deutschland Schutz suchen, einer östlichen Kirche an. Grund genug für die Delegierten der ACK-Südwest, sich mit der koptisch-orthodoxen Kirche zu beschäftigen. „Die koptische Kirche als eine der ältesten Kirchen überhaupt ist eine Kirche der Märtyrer“, so der koptisch-orthodoxe Subdiakon Dr. Bishoy Soliman im Blick auf die Verfolgungen der Christen in Ägypten in Vergangenheit und Gegenwart. Durch die Entstehung des Mönchtums und durch bedeutende Theologen aus ihren Reihen übe die koptische Kirche trotz der Kirchenspaltung im 5. Jahrhundert einen bleibenden Einfluss auf die anderen christlichen Kirchen aus. Seit etwa 30 Jahren nehme die Zahl koptischer Christen zu, die aufgrund von Repressalien in ihrem Heimatland Ägypten nach Deutschland fliehen. „Inzwischen gibt es in Deutschland zwei koptisch-orthodoxe Bischöfe und etwa 20 Gemeinden“, fasste Soliman die aktuelle Situation hierzulande zusammen. Der Ansprechpartner für koptische Christinnen und Christen rund um Kaiserslautern nutzte zugleich die Gelegenheit, sich für die große Unterstützung seiner Gemeinde durch andere Kirchen zu bedanken. Für die kommende Zeit wurden weitere Gespräche vereinbart mit dem Ziel einer Vollmitgliedschaft der koptisch-orthodoxen Kirche in der ACK-Südwest.

Theologische Überlegungen zum christlich-islamischen Dialog
„Weggemeinschaft und Zeugnis im Dialog mit Muslimen“, so der Titel einer neu erschienenen Arbeitshilfe der Evangelischen Kirche im Rheinland. „In unserer globalen Welt werden die Religionen zunehmend als Problemfaktor angesehen. Die Arbeitshilfe will jedoch zeigen, dass die Religionen ein Lösungsweg für unsere globalen Probleme sein können“, so Oberkirchenrätin Barbara Rudolph, Leiterin der Abteilung Ökumene in der Rheinischen Landeskirche. Im Zentrum der Broschüre stehe die biblische Botschaft von Gott als dem Vater aller Menschen, der jedem das Leben in Fülle schenken möchte. Bei der Begegnung mit nichtchristlichen Religionen gelte es, „weder das christliche Zeugnis zu verstecken, noch eine strategische Islammission zu betreiben“. Für den Dialog rief Rudolph zu einer „großen Demut“ und zur „Bereitschaft, den eigenen Glaubensmuskel hinterfragen und so stärken zu lassen“, auf. Für den Vorsitzenden der ACK-Südwest Pastor Dr. Wagner besteht eine breite Übereinstimmung aller Kirchen darin, Menschen anderen Glaubens „nicht wie früher als Bekehrungsobjekte, sondern als Menschen zu sehen“. Die anschließende Diskussion zeigte, dass die ACK-Mitgliedskirchen in der Frage, welche Rolle der Glaube an Jesus Christus für das Heil der Menschen spielt, dennoch unterschiedliche Akzente setzen.

Rückblick auf die 10. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Busan
Pfarrerin Marianne Wagner, stellvertretende Leiterin des Missionarisch Ökumenischen Dienstes der Pfälzischen Landeskirche und ehemalige Geschäftsführerin der ACK-Südwest, gab persönliche Einblicke in die letzte Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK). Dazu kamen im Herbst 2013 über 4.000 Delegierte aller ÖRK-Mitgliedskirchen in der südkoreanischen Stadt Busan zusammen. Mit dem Motto „Gott des Lebens, weise uns den Weg zu Gerechtigkeit und Frieden“ habe man die Kirchen aus ihrer Selbstgenügsamkeit herausreißen und zum gemeinsamen Zeugnis in einer pluralen Welt motivieren wollen. „Das gelingt aber nur in der Kraft des Gebetes und mit der Bereitschaft, sich selbst verändern zu lassen“, so Wagner. Eine Frucht dieser Versammlung sei der Klimapilgerweg 2015, mit dem sich Christinnen und Christen aller Konfessionen im Vorfeld des Weltklimagipfels in Paris aufgemacht haben, um für die Bewahrung der Schöpfung einzutreten. Wagner verwies eigens auf den pfälzischen Klimapilgerweg, der von Ludwigshafen bis Metz führte.

Text: ACK-Südwest/Foto: Renate Thesing

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