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Montag, 14. August 2017

„Nur die Harten kommen in den Garten“

Die Arbeit im Gartenteam stärkt das Selbstvertrauen. Norbert Wotzka und Thomas Karl-Heinz Müller pflegen mit Unterstützung von Arbeitserzieher und Landschaftsgärtner Reiner Kuntz Außenanlagen von kirchlichen Trägern und freuen sich an ihren Erfolgserlebnissen. 

Besucher der Tagesstätte St. Johannes arbeiten im Gartenteam – Auftraggeber sind oft kirchliche Träger

Ludwigshafen. „Bei der Arbeit komme ich auf andere Gedanken. Das brauche ich, um über schlimme Erlebnisse wegzukommen.“ Norbert Wotzka kommt seit 2008 in die Tagesstätte des Caritas-Förderzentrums St. Johannes und St. Michael mit Max-Hochrein-Haus, seit 2014 lebt er in einer Außenwohngruppe. Nachdem er sich in der Tagesstätte eingewöhnt hatte, startete er sofort im Gartenteam. Immer mittwochs arbeitet er seither in der Kindertagesstätte St. Sebastian 1 in Mundenheim.

Angeleitet wird dieses Angebot von den Arbeitserziehern Anton Wachtel und Reiner Kuntz. Wachtel ist außerdem Landschaftsgärtner. Alle anfallenden Pflegearbeiten rund ums Haus erledigt die Gruppe, vor allem bei kirchlichen Trägern: Rasen mähen, kehren, Müll entsorgen, pflanzen, auch mal Bäume beschneiden. „Hier haben wir auch mal den ganzen Spielsand hergebracht und abgeladen“, zählt Wachtel anfallende Arbeiten auf: „Wir dürfen aber keine Konkurrenz zu anderen Anbietern darstellen!“ 

Die Zusammenarbeit mit den Einrichtungen ist eine klassische Win-Win-Situation: „Die können sich meist keinen Hausmeister mehr leisten, und wir haben die Möglichkeit, unsere Bewohner behutsam an Arbeit heranzuführen.“ Ziel sei, an ehemals vorhandene Ressourcen anzuknüpfen.  Die Tagesstättenbesucher kommen außerdem raus aus ihrem gewohnten Umfeld, müssen ihre Antriebsschwäche überwinden, sehen andere Menschen, können Kontakte knüpfen und vor allem: „Sie sehen, dass sie etwas wert sind.“ Einer der Männer, der seinen Namen nicht nennen möchte, zeigt stolz auf den Rasen der Kita: „Der war mal ausgetrocknet und ausgedörrt. Ich hab lang ausprobiert, wie viel Wasser er baucht – nicht zu viel und nicht zu wenig. Jetzt ist es wieder grün hier.“ Dieses Tüfteln hat ihm große Bestätigung gebracht. 

Thomas Karl-Heinz Müller nennt weitere Vorteile durch die regelmäßige Arbeit: „Wir sind hier ein cooles, eingespieltes Team“, sagt er. Von Seiten der Anleiter und der Auftraggeber spürt er viel Menschlichkeit, und bei sich selbst hat er festgestellt, dass er dank dieser Tätigkeit große Fortschritte gemacht hat: „Ich bin kooperativ, verlässlich, mache gute Arbeit und kann Arbeitsprozesse besser erkennen.“ Nicht zu unterschätzen sei auch die kleine Aufwandsentschädigung, die er erhält - ein symbolischer Betrag zur zusätzlichen Motivation.

Unterschiedliche Auftraggeber erfordern ein Eingehen in die jeweilige Situation. Im Fall des Kindergartens ist es den Männern inzwischen eine Selbstverständlichkeit, dass sie zum Rauchen vor das Gelände gehen und immer fest die Tür hinter sich schließen. Für Arbeitserzieher Wachtel ist außerdem wichtig, dass sein Team auch wahrgenommen wird – und freut sich daher, wenn sie zu bestimmten Festen eingeladen werden.

Kuntz bedauert, dass es vielen Besuchern der Tagesstätte an Motivation fehlt. Umso mehr würdigt er die Arbeitseinstellung derjenigen, die bei jedem Wetter im Gartenteam mitarbeiten: Während manche lieber nur die Angebote in der Tagesstätte in Anspruch nehmen, gelte für sie: „Nur die Harten kommen in den Garten – ganz wörtlich!“ Deshalb ist die Gartenarbeit eine gute Form der Arbeitserprobung – besonders um die Grundarbeitsfähigkeit zu trainieren und auszubauen.

Text und Foto: Caritasverband für die Diözese Speyer

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