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Donnerstag, 21. Februar 2019

Dem Wunschberuf vielleicht einen Schritt nähergekommen

Der Aktionstag „!Pflege deine Zukunft“ am Mittwoch, 20. Februar, in Speyer warb bei jungen Menschen für den Beruf des Altenpflegers. Verschiedene Altenpflegeeinrichtungen wie auch das Caritas-Altenzentrum St. Martha öffneten ihre Türen und stellten ihre Arbeit vor

Die Besucher lernen beim Infotag Altenpflege auch Gegenstände wie die Empathie-Puppe kennen, die beim Umgang mit an Demenz erkrankten Bewohnern hilfreich ist. 

Speyer. „Ich könnte mir durchaus vorstellen, Altenpfleger zu werden“, sagt Andreas. Der 18-jährige ist einer der 14 jungen Menschen, überwiegend Männer, die sich am 20. Februar im Rahmen des Aktionstages „Pflege deine Zukunft“ im Caritas-Altenzentrum St. Martha über die verschiedenen Berufsbilder in einem Seniorenheim informiert haben. 

Die jungen Leute absolvieren zurzeit ein berufsvorbereitendes Jahr beim CJD und sind auf der Suche nach dem Beruf, der zu ihnen passt. „!Pflege deine Zukunft“ ist eine Imagekampagne der stationären Einrichtungen der Altenpflege in Speyer, die in Kooperation mit der Agentur für Arbeit und dem CJD Speyer seit 2010 angeboten wird.

Andreas hat keine Berührungsängste. Er legt sich in das Pflegebett im Foyer des Wohnbereichs, damit Altenpfleger Roni Bunzel und die Auszubildende Maren Thieme zeigen können, wie ein hilfsbedürftiger Mensch mit einem Lifter vom Bett in den Rollstuhl gesetzt werden kann. Die jungen Leute schauen fasziniert zu. „Ein ziemlicher Act“, stellt Marco fest. Roni Bunzel erklärt, dass man sich die Zeit schon nehmen müsse und der Lifter ein prima Hilfsmittel sei, um rückenschonend arbeiten zu können. „Einen Bandscheibenvorfall will man nicht wirklich haben, oder?“ fragt Bunzel in die Runde und erzählt ein bisschen von sich selbst. Eigentlich habe er Bäcker gelernt, dann aber aufgrund einer Allergie nicht mehr in dem Beruf arbeiten können. Die Altenpflege mache ihm viel Spaß. Als Praxisanleiter helfe er bei der Ausbildung der Schüler. „Schüler sind immer willkommen“, sagt er zu den Besuchern.

Die haben noch mehr Stationen auf ihrem Besuchsprogramm. Einrichtungsleiterin Gudrun Wolter begleitet sie auf ihrer Tour durch das Altenzentrum und erklärt die einzelnen Bereiche. Auch die Bewohner kommen dabei zu Wort. Im Gymnastikraum ist eine Runde Sitztanz zum Mitmachen angesagt. „Wir machen heute einen Blumentanz“, erklärt Lucia Agnello Pische. Bewohner und Besucher schwingen die bunten Büschel zur Musik. „Ein schöner Zeitvertreib“, stellt eine Bewohnerin fest.

Leiterin Gudrun Wolter erklärt, dass es für die Bewohner viele Angebote gibt, von Rehasport bis Singstunden. Die Kunsttherapie wird mit einem neuen Imagefilm, der Ende letzten Jahres gedreht wurde, vorgestellt. „Man ist richtig platt, was die anderen alles auf die Beine stellen. Ich hätte nie gedacht, dass ein Mensch so aus sich herauswachsen kann“, erklärt eine Bewohnerin im Film. Die Gemälde der Bewohner, die während dieser Therapie entstanden sind, können die Besucher auf dem weiteren Weg in die Tagespflege genauer ansehen.

Dort übernimmt eine der Seniorinnen, die regelmäßig zu Besuch in der Tagespflege ist, spontan die Moderation: „So, Sie wollen also in die Fußstapfen der Leute hier treten? Ich wünsche Ihnen einen langen Atem und viel Geduld“, sagt sie schmunzelnd und relativiert es: „Aber wir sind alle gaaaanz lieb! Wir wünschen Ihnen alles Gute“. Gudrun Wolter muss lachen über die ungeplante Einlage. „Bei uns ist es eben abwechslungsreich und es wird oft gelacht“, sagt sie. „Noch lieber als wir sind aber die Kleinen“, ruft die ältere Dame und spricht damit eine Kooperation mit dem Kindergarten an, der an die Räume der Tagespflege angrenzt. Den regelmäßigen Besuch der Kindergartenkinder genießen die Senioren.

Zum Abschluss bekommen die jungen Menschen von Gudrun Wolter noch einige Gegenstände gezeigt, die beim Umgang mit an Demenz erkrankten Bewohnern hilfreich sind. Die „Empathie-Puppe“ hat es einer Gruppe junger Männer besonders angetan. Vorsichtig nehmen sie die Puppe auf den Arm und spüren deren „Herzschlag“.

Nach einer guten Stunde ziehen die Besucher Bilanz: Marco möchte auf jeden Fall im sozialen Bereich arbeiten. Wahrscheinlich eher mit jungen Menschen. Bei einem Praktikum in einem Seniorenheim habe er sich mit einem Bewohner angefreundet, der dann gestorben sei. Das habe ihn sehr traurig gemacht. Eine 51-jährige Frau aus Speyer, die sich der Gruppe angeschlossen hat, erkundigt sich, ob sie einmal zum Hospitieren kommen könnte. Sie würde sich für den Beruf der Alltagsbetreuerin interessieren. Und Andreas ist seinem Wunschberuf vielleicht schon einen Schritt näher gekommen. Er erzählt, dass er schon ein freiwilliges soziales Jahr in einem anderen Seniorenheim gemacht habe, es dort aber einfach nicht gepasst habe. „Hier gefällt es mir viel besser“, sagt er und bekommt gleich eine Sonderführung von Pflegedienstleiterin Petra Spitz.

Text/Foto: Christine Kraus


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