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Montag, 14. August 2017

“Man bekommt ganz viel zurück!“

Die gutgelaunten Geburtstagsgäste stießen auf das erste Jahr „LiLi“ mit Uschi Floerchinger-Kirchmer, Alexander Hahn und Bianca Hasselwander an. (die ersten drei von links). 

25 Gäste feiern mit „LiLi“ den ersten Geburtstag – Ehrenamtliche erzählen über ihre Herzenssache

Landau. Im Juli 2016 kam „LiLi“ zur Welt, am Donnerstag, 10. August, wurde nun mit Snacks, Sekt, Saft und Bauklötzchen als Geschenk der erste Geburtstag gefeiert. Rund 25 Gäste waren der Einladung in die Räume von LiLi in der Landauer Waffenstraße gefolgt. Dort hat das Projekt des Caritas-Förderzentrums St. Laurentius und Paulus Landauseinen Sitz. 

Als ungezwungenes Miteinander in spürbar herzlicher Zugewandtheit von Haupt- und Ehrenamtlichen, von Menschen mit und ohne Behinderung, lief diese Geburtstagsfeier ab. Damit gab sie zugleich ein Beispiel dafür, was das Projekt, dessen Name „LiLi“ für „Leben in Landau inklusive“ steht, erreichen will: Menschen mit und ohne Behinderung zusammenzubringen und Menschen mit Behinderungen bei der Umsetzung ihrer individuellen Bedürfnisse und ihrer Teilhabe am ganz normalen Alltag zu unterstützen. 

Das sei im ersten Jahr schon ziemlich gut gelungen, konnte Alexander Hahn, der gemeinsam mit Bianca Hasselwander und Uschi Floerchinger-Kirchmer das Projekt betreut, berichten. Es sei angesichts des hohen Bedarfs an Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit leichter gewesen als erwartet, Mitstreiter für „LiLi“ zu finden. 65 Menschen konnten bislang dafür gewonnen werden, bei mindestens einer Aktion mitzumachen, 25 seien regelmäßig aktiv, zehn hätten sich für eine dauerhafte Begleitung eines Menschen mit Behinderung entschieden, so Hahns aktuelle Bilanz. „Es sind von 16 bis 70 Jahren alle Altersgruppen dabei - Schüler, Studenten, Rentner oder auch Menschen in einer Arbeitspause oder Orientierungsphase.“

Das Spektrum der Aktionen, bei denen die Ehrenamtlichen mitwirken, ist an den Wünschen der Menschen mit Behinderung orientiert und entsprechend breit: Unter anderem Fahrradtouren, Stadtführungen, Stadt- und Kneipenbummel, Konzerte, Kochen und Backen oder auch sportliche Einsätze gehören dazu.   

Die gute Entwicklung der Mitarbeiterzahl bei „LiLi“ sei zu einem Gutteil der „Mund-zu-Mund-Propaganda“ zu verdanken, betonte Hahn weiter. Menschen, denen die Einsätze Freude gemacht hätten, gäben das gern weiter. Und dafür, dass es den meisten Freude bereitet, spricht das Zeugnis der regelmäßig an die Ehrenamtlichen ausgegebenen Reflexionsbögen: Hier liegt die durchschnittliche Bewertung auf einer Skala von 0 bis zum Spitzenwert 10 bei 9,4. 

Viel Lob gab es auch von den Geburtstagsgästen - sowohl für das Konzept, als auch für die Begleitung der Ehrenamtlichen durch das Team. So etwa von Georgia Schaum. Die 52-Jährige hat über die Landauer Ehrenamtsbörse zur Mitarbeit beim Projekt gefunden. Seit einem Vierteljahr ist sie dabei und hat bei einem Tanzabend im „Haus am Westbahnhof“ erste Erfahrungen gesammelt. Nach weiteren vom Hauptamtlichen-Team begleiteten Aktionen traue sie sich nun langsam zu, auch allein welche durchzuführen. Motivierend sei für sie besonders die Wertschätzung und Anleitung durch das Team und die Resonanz aus dem Kreis der Menschen mit Behinderung: „Man bekommt ganz viel zurück!“, bekannte sie.

Dem pflichtete auch Susanne Förster bei. Die 48-jährige gelernte Bankkauffrau ist ebenfalls über die Ehrenamtsbörse zu „LiLi“ gekommen. Auch sie schilderte anfängliche Zweifel, erzählte von der Angst, im Umgang mit Menschen mit Behinderung „etwas falsch zu machen“. „Aber die professionelle Begleitung war mir eine Riesenhilfe“, erzählt Susanne Förster.  Inzwischen ist sie eine der zehn „LiLi“-MitarbeiterInnen in der Eins-zu-eins-Betreuung. Etwa alle drei Wochen unternimmt sie etwas mit ihrer Partnerin, einer jungen Frau. „Beim ersten Mal war ich mindestens so aufgeregt wie sie“, räumte Förster ein. Aber das Engagement sei ihr zur Herzenssache geworden, und sie werde dabei bleiben. Und: „Das ist nur möglich durch die tolle Arbeit der Drei“. Gemeint waren Hahn, Hasselwander und Floerchinger-Kirchmer, die tatsächlich eine ihrer Hauptaufgaben darin sehen, Hilfestellung und Anleitung zu geben, Kommunikation und Verständnis reifen zu lassen. 

„Für die Zukunft wünsche ich mir vor allem mehr Ehrenamtliche, die Menschen mit schweren Behinderungen begleiten“, sagt Hahn. „Die Hürde, nicht verbal kommunizieren zu können, erscheint vielen Menschen hier wohl als schwer zu überwinden.“ Aber im konkreten Umgang miteinander täten sich in aller Regel schnell gangbare Kommunikationswege auf. Und natürlich werde niemand ins kalte Wasser geworfen, jeder Ehrenamtliche bekomme alle denkbare Unterstützung. Außerdem: „Wir zwingen ja niemanden. Jeder kann ausprobieren, ob diese Form der Mitarbeit für ihn passt. Und wenn nicht, gibt’s ja auch jede Menge andere wichtige Aufgaben.“

Im ersten Jahr habe „LiLi“ einen ersten Baustein des Projekts fest gründen können, auf dem nun weitergebaut werden könne, sei das Fazit zum Geburtstag, erklärte Hahn. Und so hat der Geschenkewunsch des Geburtstagskindes auch eine symbolische Note: Bauklötze oder eine Spende für Bauklötze, die dem Kinderschutzbund Landau und dem Kindergarten des Caritas-Förderzentrums weitergegeben werden sollen. Zum Geburtstag füllte sich die „Geschenkebank“ zusehends, noch bis 31. August können Präsente in Form von Holzbausteinen, Duplo- und klassischen Legosteinen oder eben Geldspenden zu den Öffnungszeiten im „LiLi“-Büro abgegeben werden. Mit dem Geburtstag hat sich das erste von drei durch die „Aktion Mensch“ finanziell abgesicherten Projektjahren vollendet. Dass ein Weg gefunden wird, auch danach „LiLi“ weiter wachsen und gedeihen zu lassen, dessen zeigte sich Alexander Hahn zuversichtlich. Bereits jetzt widme sich eine Arbeitsgruppe den möglichen Optionen. 

Kontakt

Wer mitmachen will, ist herzlich willkommen. Infos gibt’s bei „LiLi – leben in Landau inklusiv“, Waffenstraße 16, 76829 Landau, Telefon 06341 599 507, E-Mail: alexander.hahn@cbs-speyer.de 

Sprechstunden sind dienstags 9 bis 12 Uhr, donnerstags 14 bis 17 Uhr. Besondere Gelegenheit zum Austausch gibt es beim „1. Ehrenamts-Café“. Das findet am Freitag, 8. September, ab 16.30 Uhr im Büro in der Waffenstraße 16 statt.

Text und Foto: Caritasverband für die Diözese Speyer

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