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Montag, 16. November 2015

“Ohne uns geht nichts“

Von links: Schwester Roswitha Schmitt und Caritasvorsitzender Karl-Ludwig Hundemer überreichten Jan Koch, Yvonne Feldmann, Magdalena Schwarzmüller, Sarah Schmitt und Nadine Knab den Preis. Weihbischoff Otto Georgens dankte der Initiative für ihr Engagement. 

500 Ehrenamtliche beim Caritas-Tag in der Heilsbach – Nardini-Preis für Café Asyl – Drei Auszeichnungen für langjähriges Engagement

Schönau. Rund 500 Ehrenamtliche sind am Samstag der Einladung des Caritasverbandes für die Diözese Speyer in die Freizeit- und Familienbildungsstätte Heilsbach nach Schönau zum Caritas-Tag gefolgt. Mit diesem Tag dankt der Verband allen seinen ehrenamtlich Mitarbeitenden für ihren Einsatz und verleiht dort auch den Nardini-Preis und ehrt Mitarbeiter für ihren Einsatz.

Eröffnungsgottesdienst - Fürbitten für Opfer von Terror in Paris
Mit den Worten „Unser Platz als Caritas ist bei den Menschen am Rand“ begrüßte Weihbischof Otto Georgens die zahlreichen Ehrenamtlichen am abgelegenen Tagungsort und dankte ihnen für ihr großes Engagement. Die gesellschaftliche Randlage war auch Thema seiner mit großer Aufmerksamkeit aufgenommenen Predigt beim Eröffnungsgottesdienst. Zelebranten waren der Weihbischof, der Caritas-Vorsitzende Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer, Domkapitular Franz Vogelgesang, Dekan Pfarrer Johannes Pioth vom Dekanat Pirmasens und Diakon Jürgen Rubeck von St. Pirmin Pirmasens, Pfarrer Bernd Schmitt und Diakon Michael Ganster von der Pfarrei Heiliger Petrus Dahn und Gastgeber Pfarrer Dr. Friedrich Mohr, Stiftungsvorsteher der Heilsbach.

„Die Caritas ist dazu da, Menschen vom Rand in die Mitte zu holen, sie in Jesu Namen aufzunehmen, ihnen den Platz zu geben, der ihnen zusteht“, betonte der Weihbischof mit Blick auf die aktuelle Situation im Land.
„Caritas ist universal, Nächstenliebe kennt keine Grenzen“, mahnte der Weihbischof und rief im Sinne von Papst Franziskus zu einer Einstellung gegenüber Migranten und Flüchtlingen auf, die nicht von Verteidigung, Angst, Desinteresse oder Ausgrenzung, sondern von einer Kultur der Begegnung geprägt ist. In ihrer Fürbitte schloss die Gottesdienstgemeinde neben den Flüchtlingen auch die Opfer der Terroranschläge in Paris ein. Der Chor „einstimmig“ unter der Leitung von Katja Linn umrahmte den Gottesdienst musikalisch.

Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer dankte in seiner Begrüßung den Ehrenamtlichen für ihr großes Engagement, das auch in den anschließenden Grußworten gewürdigt wurde. „Dass Sie sich aus Ihrem christlichen Glauben heraus und im Auftrag von Jesus Christus für Menschen in Not einsetzen, ist ganz wichtig“, würdigte der Pirmasenser Dekan Johannes Pioth den Einsatz der Anwesenden. Ihr Engagement verdeutliche auch den Zusammenhang zwischen Kirche und Caritas, den viele nicht mehr sähen. „Das, was Sie leben, gehört zu den Voraussetzungen, die ein Staat nicht selbst schaffen kann“, sagte Hans-Jörg Duppré, der Landrat des Landkreises Südwestpfalz.

Schönaus Bürgermeisterin Sabrina Müller zeigte sich stolz darauf, eine Einrichtung wie die Heilsbach in der 400-Seelen-Gemeinde zu wissen und hob die Bedeutung ehrenamtlicher Arbeit gerade im Dorf hervor. Stolz auf die große Anzahl ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war auch Manfred Traub, Sprecher des Leitungsteams Forum Caritas-Ehrenamt. „Ohne uns geht nichts“, sagte er unter dem Beifall der Anwesenden und warb für den Ausbau seines Netzwerks. Grüße kamen auch von Caritasdirektor Vinzenz du Bellier, der wegen einer zeitgleichen Veranstaltung nicht anwesend sein konnte.

David Aumer vom Caritas-Zentrum Pirmasens übernahm die Moderation des mit einem ebenfalls ehrenamtlichen Auftritt von Oliver Betzer, weit über die Region hinaus bekannter Kabarettist und Original aus dem Dahner Tal, beginnenden Programms. Mit seinem mit Lachsalven und viel Applaus bedachten Mundart-Sketch „Frieher war alles annerschd“.

Auf das gemeinsame Mittagessen folgte ein buntes Programm aus Workshops, Gesprächsrunden und Führungen, etwa zum Biosphärenhaus oder mit dem Förster durch den Pfälzer Wald. Zu Kaffee und Kuchen leitete die Tanzgruppe der Heinrich-Kimmle-Stiftung für Menschen mit Beeinträchtigung Pirmasens-Zweibrücken über, die mit ihrem Tanz zu Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ donnernden Applaus erntete.

Nardini-Preis für Café Asyl

Mit dem mit 1000 Euro dotierten Nardini-Preis wurde in diesem Jahr das „Café Asyl“ in Landau ausgezeichnet. Das im Mai 2014 eröffnete „Café Asyl“ bietet für Flüchtlinge in Kooperation mit der Volkshochschule und Studierenden der Universität Landau kostenlose Deutschkurse an und ist bei der Finanzierung seiner Arbeit auf Spenden an-gewiesen.

„Mit dem Nardini-Preis zeichnet der Caritasverband ehrenamtlich aktive Gruppen aus, die neue Wege gehen, um Menschen in Not zu helfen“, betonte der Vorsitzende Karl-Ludwig Hundemer in seiner Laudatio. Die Jury habe das Team des Café Asyl mit dem Preis für sein Engagement gewürdigt, auf die Flüchtlinge zuzugehen und ihnen die Integration zu erleichtern. Angesichts des rauer werdenden Tons in der Flüchtlingsdebatte, der wachsenden Ängste in der Gesellschaft vor Benachteiligung und persön-lichen Einschränkungen in Folge der Zuwanderung und der zunehmenden Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte sei die Auszeichnung dieser Initiative auch ein Signal an die Bürgerinnen und Bürger im Bistum, sagte Hundemer. Der Abbau von Ängsten könne nur in der Bereitschaft zur Offenheit in der konkreten zwischenmenschlichen Begegnung gelingen. Umso wichtiger seien beispielhafte Initiativen wie das Café Asyl.

Aus der Erfahrung heraus, dass sich Flüchtlinge vor allem Kontakt wünschen und die Möglichkeit, die deutsche Sprache zu lernen, staatliche Einschränkungen wie Ar-beitsverbote und fehlender Zugang zu Sprachkursen dies aber oft verhindern, haben engagierten Bürgerinnen und Bürger das Landauer „Café Asyl“ gegründet. Unterstützt werden sie vom Caritas-Zentrum Landau, der Volkshochschule Landau und vom Verein Südstern, der die Räume zur Verfügung stellt. Dort betreiben sie eine Begeg-nungsstätte, unterhalten eine Fahrradwerkstatt bieten zweimal wöchentlich Sprachkurse an.

In der Begegnungsstätte treffen sich Flüchtlinge und Nichtflüchtlinge in unbeküm-merter Atmosphäre und lernen sich kennen. Vorurteile werden abgebaut und Kontakte geknüpft. Die Mitglieder vom Café Asyl stehen für alle Fragen zu Alltagsproblemen zur Verfügung. Das Café Asyl ist zweimal im Monat von 16 bis 18 Uhr geöffnet. In der Fahrradwerkstatt können Fahrräder als Spenden abgegeben werden, die an die Asyl-suchenden verteilt werden.

Goldene Ehrennadel für langjähriges Engagement

Traditioneller Bestandteil des Caritas-Tages ist die Verleihung der Goldenen Ehren-nadel der Caritas. Der Caritas-Vorsitzende Karl-Ludwig Hundemer zeichnete drei Frauen für ihr ehrenamtliches Engagement aus.
Christa Kästner aus Lemberg ist seit mehr als zehn Jahren ehrenamtliche Mitarbeiterin im Altenzentrum St Anton in Pirmasens. An drei Tagen die Woche fährt sie mit dem Bus dorthin, arbeitet mit im Montag-scafé, bei den Spielnachmittagen, beim Tanzcafé, führt ein Gedächtnistraining durch und nimmt am hausinternen Arbeitskreis „Sterbebegleitung und Abschied nehmen“ teil. Sie hat sehr guten Kontakt zur Mitarbeiterschaft, sodass ihre Informationen mit in die Dokumentation und in die Pflegeplanung einfließen.
Marlies Rolland aus Bobenthal engagiert sich seit vielen Jahren im Altenzentrum in Hauenstein, wo sie für die Senioren auf dem Akkordeon musiziert und mit ihnen singt und tanzt. In der eigenen und in Nachbargemeinden macht sie Krankenbesuche und bringt Krankenkommunion. Regelmäßig ist sie bei Senioren-Nachmittagen in Bruchweiler und in einem Netzwerk zur Unterstützung französischer Priester im angren-zenden Elsass aktiv und leitet mehrere Senioren-Tanzgruppen.
Annette Peetz aus Zweibrücken ist Gründerin der Zweibrücker Tafel Heilig Kreuz, die sie seit der Gründung im Jahr 2003 leitet. Aus den anfangs 18 betreuten Haushalten wurden inzwischen 300, die Zahl der Mitarbeiter beläuft auf fast 40 Personen. Annette Peetz organisiert mit ihrem Stellvertreter die Einsätze und die gesamten Abläufe. Sie konnte durchsetzen, dass die Zweibrücker Tafel als bundesweite Sonderform von der Kirche Heilig Kreuz getragen wird.

Aktion „Eine Million Sterne“
Mit der Aktion „Eine Million Sterne“, zu der Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, am gleichen Tag bundesweit aufgerufen hatte, dem nochmaligen Dank des Caritas-Vorsitzenden und dem Abschlussgebet endete der Tag in der Heilsbach. Hunderte von Kerzen bildeten vor dem Haus ein leuchtendes Schiff zum Hinweis auf die Not der Flüchtlinge – und als Symbol für das Licht, das die Ehrenamtlichen in die Welt bringen. Der Erlös der Aktion geht an ein Projekt in Bolivi-en und an ein Flüchtlingslager im Libanon.

Text/Foto: Caritasverband

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