Samstag, 01. Januar 2022

„Letzte, tiefe Zuversicht als Kostbarkeit des Glaubens“

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann bei der Predigt zum Jahresschluss im Dom

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann bei der Predigt zum Jahresschluss im Dom 

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann predigt zum Jahresschluss im Speyerer Dom

Speyer. Im Pontifikalamt am 31. Dezember 2021 im Dom zu Speyer rief Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann dazu auf, den Schwierigkeiten und Zweifeln des eigenen Lebens mit Zuversicht zu begegnen. Er nahm damit Bezug auf das zurückliegende Jahr der Pandemie, das jeden vor andere Herausforderungen gestellt habe. In dieser Situation sei ihm „die Kostbarkeit des Glaubens, der Halt und eine letzte, tiefe Zuversicht geben kann“ besonders bewusst geworden.

Der Bischof von Speyer begann seine Predigt mit den Worten des Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte, er wird mich immer weiden“. Ein Klavierstück von Franz Schubert verkörpere diese Zuversicht in das gute Wirken Gottes für ihn bereits seit seiner Kindheit. Die letzte Sonate des romantischen Komponisten, von diesem in seinem Todesjahr geschrieben, greift die schlichte Melodie eines Kirchenliedes auf, in welchem der 23. Psalm vertont ist. Wiesemann schilderte, wie ihn die Zuversicht aber auch die Zweifel, die in dieser Musik zum Ausdruck kommen, tief beeindruckt hätten. „Glauben heißt nicht, keinen Zweifel zu haben“, betonte der Bischof, sondern zu erkennen, dass es trotz Zweifeln eine letzte tiefe Zuversicht im Glauben gibt − die an den guten Hirten, der im Psalm besungen wird.

Angesichts des bevorstehenden 100. Tauftages der Heiligen Edith Stein erinnerte der Bischof daran, wie auch diese in ihrem Glauben eine tiefe Zuversicht gefunden habe. Diese begleitete sie durch ihr Leben, von der Konversion vom Judentum zum Christentum bis zum ihrer Ermordung in Auschwitz. In einem Gebet fand diese Zuversicht Ausdruck: „Ohne Vorbehalt und ohne Sorgen / leg ich diesen Tag in deine Hand. / Sei mein Heute, sei mein gläubig Morgen, / sei mein Gestern, das ich überwand. / Frag mich nicht nach meinen Sehnsuchtswegen, / bin aus deinem Mosaik ein Stein. / Wirst mich an die rechte Stelle legen, / deinen Händen bette ich mich ein.“ Diese Zuversicht, alles in die Hände Gottes legen zu können und sagen zu können „Der Herr ist mein Hirte, er wird mich immer weiden“, gab Bischof Wiesemann den anwesenden Gläubigen als Wunsch mit in das neue Jahr.

Das feierliche Pontifikalamt zum Jahresschluss konnte unter Corona-Bedingungen mit Gläubigen gefeiert werden, die sich bereits vorab für den Gottesdienst angemeldet und alle zur Verfügung stehenden Plätze belegt hatten. Neben der Predigt des Bischofs war der Gottesdienst mit der Eucharistiefeier, dem gemeinsamen Glaubensbekenntnis, der eucharistischen Anbetung und einer Statio vor dem Gnadenbild der Muttergottes zum Ende des Gottesdienstes, geprägt von einer besonders reichen liturgischen Gestaltung, welche den Anwesenden die Schätze ihres Glaubens eindrucksvoll vor Augen führte.

Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes übernahmen Sängerinnen und Sänger des Mädchenchores am Dom, der Domsingknaben und des Domchores unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Melchiori und Domkantor Joachim Weller. Sie gestalteten das Pontifikalamt zum Jahresschluss unter anderem mit der Missa brevis in B von Christopher Tambling und dem „Tantum Ergo“ von Anton Bruckner. Die Orgel spielte Domorganist Markus Eichenlaub, der mit der Fuge in g-Moll von Johann Sebastian Bach den letzten Gottesdienst des Jahres 2021 im Dom beendete.