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Montag, 13. März 2017

Trauer kreativ ausdrücken

Hospiz- und Trauerseelsorge veranstaltete Angebote „Steine der Erinnerung“

 

Harthausen. "Steine der Erinnerung" haben Trauernde am Samstag in Harthausen geschaffen. In Handarbeit meißelten sieben Frauen unter fachkundiger Anleitung Zeichen und Bilder in Sand- und Schiefersteine. Mit solchen Angeboten will die Hospiz- und Trauerseelsorge des Bistums zeigen, dass auch auf andere Weise Trauer ausgedrückt werden kann, und sich aktiv aus der Kirche auf die Menschen zubewegen.

Freilich gehörten Gedenken und Gespräche am Samstag dazu, sie leiteten den besonderen Tag in Harthausen (Rhein-Pfalz-Kreis) ein. Sieben Frauen waren in die Werkstatt von Steinmetzmeister und Bildhauer Siegfried Keller gekommen. Teilweise hatten sie lange Wege zurückgelegt, etwa aus der Südwestpfalz oder aus Baden-Baden. Einige haben einen geliebten Menschen erst vor kurzem verloren und sind während der Steinmetzarbeiten innerlich aufgewühlt. Andere haben den Verlust schon vor einigen Jahren erlitten, aber ihre Trauer ist noch immer gegenwärtig. Die sieben Frauenhaben den Ehepartner, die Eltern, Großeltern oder das eigene Kind verloren. Mit Muskelkraft und Steinmetz-Technik und in Gedenken an ihre Angehörigen formen sie aus einem Quader einen Wassertropfen oder zeichnen eine Eule auf die Oberfläche. Sie schaffen Reliefs, etwa eine Berglandschaft oder mit dem Yin-Yang-Zeichen. Teilnehmerin Veronika Steuermann dies gut gefallen, als Steinmetz Keller zu Beginn des Tages über Symbole und ihre Bedeutung sprach. In den beiden Gegensätzen, die sich einander bedingen und eine Einheit schaffen, sieht die Vorderpfälzerin etwas Wegweisendes: "Man muss immer im Gleichgewicht bleiben."

Den Anstoß für das Angebot "Steine der Erinnerung" gab Siegfried Keller. Vor einigen Jahren war er einem zehnjährigen Jungen begegnet, der sehr um seinen Großvater trauerte, berichtet der Steinmetz und Bildhauer. Spontan hatte er dem Jungen vorgeschlagen, ein Geschenk aus Stein zu gestalten und dies als Geschenk dem Opa an sein Grab zu bringen. So stellte der Junge eine Vogeltränke her. Keller freute sich über die Rückmeldung: "Die Großmutter hat mir erzählt, wie gut ihrem Enkel das getan hat."  

"Steine der Erinnerung" selbst schaffen als Trauerbewältigung: Mit dieser Idee stieß Siegfried Keller bei Kerstin Fleischer, Referentin für Hospiz- und Trauerseelsorge im Bistum Speyer, auf offene Ohren. Einmal im Jahr möchte sie ein Angebot anderer Art für Trauernde schaffen, sagte sie, denn nicht jedem liege es, in einem Kreis mit Fremden über seine Trauer und seine Gefühle zu sprechen. Trauer könne auch auf andere Weise, etwa durch kreative Arbeit, ausgedrückt werden, ist die Referentin überzeugt. Zum Beispiel lud die Hospiz- und Trauerseelsorge im letzten Jahr anlässlich Allerheiligen zum Herstellen eines Trauergestecks in einen Blumenladen ein. 

Fleischer will mit der Trauerseelsorge hinaus in die Welt. Zum einen, damit Trauernde erfahren, auf welche verschiedene Weise Trauer möglich ist und bewältigt werden kann, zum anderen, weil manchmal die Hemmschwelle, eine Kirche zu betreten, zu groß ist. Viele Hinterbliebene haderten mit Gott, weil der Schmerz groß ist – vor allem, wer ein Kind verloren hat, weiß die Referentin. Sie will Räume für neue Trauererfahrung öffnen und die Menschen in den Mittelpunkt stellen. "Ich möchte mich auf die Menschen zubewegen und sehen, was sie in der Situation brauchen." 

Sie berichtet von einer wegweisenden Erfahrung, die sie im vergangenen Jahr erlebte. Zum ersten Mal veranstaltete die Hospiz- und Trauerseelsorge eine "(R)Auszeit für Trauernde" in einem Kloster am Starnberger See ein. Manche Trauernde hätten zunächst nicht bemerkt, dass es eine Veranstaltung der Kirche ist, blickt Kerstin Fleischer zurück. Die Teilnahme an Morgen- und Abendgebeten war freigestellt, "aber am zweiten Tag waren alle dabei". In dieser Zeit sei sie reich beschenkt worden", sagt die Referentin berührt. "Ich habe den Heiligen Geist unter uns gespürt." Dieses Erlebnis habe sie bestärkt, dass ungezwungene Angebote außerhalb von kirchlichen Räumen die richtigen Wege sind.

Text / Foto: Yvette Wagner

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