Mittwoch, 18. November 2015

Ermutigung in Zeiten des Umbruchs

Prof. Dr. Matthias Sellmann 

Pastoraltag mit rund 320 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Bildungsstätte Heilsbach

Schönau. Die Diskussionen im Prozess Gemeindepastoral 2015 sind erfolgreich abgeschlossen, Beschlüsse wurden mit großer Einmütigkeit und Zustimmung gefasst, zum Abschluss des Kirchenjahres werden die neuen Pfarreien errichtet, an die Pfarrer verliehen und die hauptamtlichen Seelsorger und Seelsorgerinnen werden zusammen mit Delegationen der neuen Gremien gesegnet und in die neuen Pfarreien gesendet.

Dieser formale Abschluss ist allerdings nur eine Zwischenetappe. Jetzt gilt es, den Umbruch nicht nur irgendwie technisch zu managen, sondern vor allem pastoral zu gestalten. Dazu fordert schon der Titel des Abschlussdokumentes auf: „Der Geist ist es, der lebendig macht.“ In der gegenwärtigen Umbruchzeit sind Priester, Diakone, Gemeinde- und Pastoralreferentinnen und –referenten besonders gefordert: Wie können Sie den Wechsel aktiv gestalten, wie können sie Akzente setzen und vorangehen, statt nur zu reagieren oder hinterherlaufen?

Der Pastoraltag 2015, der am 17. November in der Bildungsstätte Heilsbach (Schönau) stattfand, bot für diese Fragen ein angemessenes Forum. Als Referent für den Tag, an dem rund 320 hauptamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger teilnahmen, konnte Prof. Dr. Matthias Sellmann, Pastoraltheologe in Bochum, gewonnen werden. Er stellte sich mit sichtbarer Freude der Aufgabe, für die Kunst der Kirchenentwicklung zu werben und aus dieser Perspektive mutig und kreativ das Speyerer Seelsorgekonzept zu lesen. Sellmann verstand es, seine Zuhörerinnen und Zuhörer in vier Arbeitseinheiten mit klugen und spritzigen Referaten zur engagierten Auseinandersetzung zu führen. In vielen lebendigen Gesprächen in den Tischgruppen konnten die hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Sellmanns Ermutigungen vertiefen und mit eigenen Erfahrungen anreichern. Mehr und mehr wurde so deutlich, dass sich die Seelsorgerinnen und Seelsorger zwar von einigen vertrauten und liebgewordenen Selbstverständlichkeiten verabschieden müssen, dass aber auch viele neue Chancen genutzt werden können.

Mit einer bibeltheologische Vertiefung zur Perikope von der Erscheinung des Auferstandenen am See von Tiberias / Gennezaret (Joh 21) rundete Prof. Sellmann seinen Vortrag ab und machte nochmals deutlich: Freiheit zum bewussten Handeln und aktiven Gestalten gewinnen die pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dem Maße, in dem sie den ganzen Prozess als einen geistlichen Prozess annehmen und mittragen.

Kleinere Beiträge von Mitarbeitern der Hauptabteilung Seelsorge und Mitarbeiterinnen des Forschungsinstituts von Professor Sellmann trugen dazu bei, dass immer wieder die ganz konkrete Situation der Diözese Speyer zur Sprache kam. Auch hier wurde deutlich, dass der Weg „Gemeindepastoral 2015“ nicht zu Ende ist und neue Abschnitte vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern liegen. Diese können aber gemeinsam gegangen werden –alle Seelsorger und Seelsorgerinnen sind dazu eingeladen.

In seinem Schlusswort griff Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann die bibeltheologische Meditation von Prof. Sellmann auf: Sowohl den Pastoraltag als auch den langen Prozess vorher deutete er aus der Perspektive von Ostern, aus dem Licht einer Auferstehungsgeschichte. Dafür konnte er allen Beteiligten, vor allem Prof. Sellmann und seinen Mitarbeiterinnen danken. Sein Dank war zugleich Ermutigung: „Der Auferstandene verheißt auch uns eine ungeahnte Zukunft, auf die wir uns einlassen dürfen.“

Text/Foto: Alois Moos