Montag, 23. November 2015

25 Jahre Kinderschutzdienste in Rheinland-Pfalz

Kinder lassen zum Jubiläum des Kinderschutzdienstes Luftballons steigen. 

Caritas-Kinderschutzdienst feiert sein 25-jähriges gemeinsam mit Kindern der Kindertagesstätte St. Elisabeth und dem Haus für Kinder St. Hedwig mit einer Luftballon-Aktion

Speyer. „Vor was müssen Kinder denn beschützt werden?“, ließ Ulrike Dietz-Frübis, Mitarbeiterin der Kinderschutzdienste des Caritasverbandes für die Diözese Speyer, die Handpuppe Max fragen. „Wenn sie geschlagen werden“, meinte ein Junge, „oder wenn man sich streitet“, sagte ein Mädchen, die sich in einer kleinen Gruppe in der Kita St. Elisabeth zusammengefunden hatten. „Stimmt, aber auch, wenn ich nicht mitspielen darf und wenn andere sagen, dass ich doof bin“, warf Handpuppe Lisa ein, gespielt von Naomi Hettich vom Kinderschutzdienst. „Man darf sich Hilfe holen, wenn man ausgegrenzt wird,“ findet Puppe Lisa.

Die beiden Expertinnen in Sachen Kinderschutz machten Mut: „Ihr dürft ‚Nein‛ sagen, zum Beispiel wenn Euch Eure Tanten mit Schlabberküssen begrüßen und Ihr das nicht wollt.“ Manchmal werde ein ‚Nein‛ aber leider nicht gehört, bemerkte Naomi Hettich in der Rolle von Lisa. „Dann üben wir das jetzt mal alle gemeinsam“, schlug Max alias Dietz-Frübis vor und forderte die Kinder auf, gemeinsam laut und deutlich „Nein, das will ich nicht!“ zu sprechen.

Um auf die Rechte von Kindern auch außerhalb der Kita aufmerksam zu machen, ließen die Kinder gemeinsam mit den Erzieherinnen und im Beisein der Mitarbeiter der Kinderschutzdienste um 11 Uhr gelbe Luftballons in den Himmel über dem Kita-Garten in der Langensteinstraße steigen.  

Der Einsatz von Handpuppen sei eine Möglichkeit, insbesondere die kleineren Kinder für ihre eigenen Grenzen, aber auch für die anderer Kinder und im Umgang mit Erwachsenen zu sensibilisieren, so Sabrina Wöhlert, Leitern der Kita St. Elisabeth. Sie war Gastgeberin für die Jubiläumsfeier der Kinderschutzdienste. „Für unsere Erzieher sind die Kinderschutzdienste eine wertvolle Unterstützung, wenn wir Auffälligkeiten im Verhalten unserer Kinder entdecken“, sagt sie.

Auf Anfrage etwa von Kitas oder Sportvereinen würden Fachkräfte der Kinderschutzdienste eingeschaltet, führt Pascal Thümling, Leiter des Caritas-Zentrums Speyer, weiter aus. „Unsere Mitarbeiter beobachten die Kinder zunächst neutral. Wenn sich der Verdachtsfall erhärtet, bieten wir den Kindern und Jugendlichen Beratung an, auch – insbesondere bei den älteren Kindern – ohne das Wissen der Eltern“, sagt er. Dabei gehe es darum, den Kindern und Jugendlichen auf Augenhöhe zu begegnen und ihnen in ihrer jeweiligen Situation Handlungsoptionen vorzuschlagen. „Wir be-sprechen zum Beispiel, wohin ein Kind oder ein Jugendlicher sich wenden kann, wenn es zu Hause zu Konfliktsituationen am Wochenende kommt und Beratungs-dienste nicht erreichbar sind“, erläutert er eine Möglichkeit des individuellen ‚Notfallk-offers‛. Grundsätzliches Anliegen sei, neben der Beratung der Kinder ein nieder-schwelliges Angebot an Familien zu machen, um Eltern in ihrer Erziehungskompe-tenz zu fördern.

„Oft merken wir, wenn es zu Überforderungen in den Familien kommt, etwa durch Scheidung der Eltern oder der Schwierigkeit, als alleinerziehendes Elternteil Beruf und Familie miteinander in Einklang zu bringen. Wir Erzieher versuchen präventiv gegenzusteuern, bevor eine Situation eskaliert, und zeigen Unterstützungsangebote auf“, sagt Kita-Leiterin Wöhlert. „Im Multifamilientraining zum Beispiel, das von der Caritas Ludwigshafen angeboten wird, lernen Eltern, sich gegenseitig zu beraten“, fügt Thümling hinzu.

„Auch der Zuzug von Flüchtlingsfamilien und Kindern ohne Elternbegleitung stellt die Kinderschutzdienste in Zukunft vor neue Herausforderungen“, sagt der Caritas-Zentrums-Leiter. Ziel sei es in jedem Fall, betroffene Kinder und Jugendliche so zu stärken, dass aus ihnen widerstands- und handlungsfähige Erwachsene werden. Dazu diene auch die Qualitätssicherung, die ein interdisziplinäres Team von qualifizierten Fachkräften garantiere. Die Kinderschutzmitarbeiter würden unter anderem durch Supervision und Fortbildungen in ihrer Arbeit unterstützt.

Text/Foto: Caritasverband Speyer - Monika Stumpf