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Donnerstag, 16. Mai 2019

„Die AfD ist keine Alternative“

Kolpingwerk positioniert sich im politischen Diskurs – Diözesanversammlung in Ludwigshafen-Pfingstweide

Diözesanvorsitzender Andreas Stellmann bei seinem Bericht. 

Ludwigshafen-Pfingstweide / Kaiserslautern. „Die AfD ist keine Alternative“, sagte Diakon Andreas W. Stellmann, Diözesanvorsitzender des Kolpingwerkes im Bistum Speyer, vor 80 Delegierten und Gästen der Diözesanversammlung im Pfarrzentrum St. Albert in Ludwigshafen-Pfingstweide. Die AfD sei in den zurückliegenden Jahren vor allem mit bewussten Grenzüberschreitungen in Wort, Schrift und politischer Praxis hervorgetreten.

Sie propagiere Inhalte, die den Werten einer freiheitlichen Demokratie mit ihrem Fundament der Menschenwürde und Menschenrechte widersprechen, führte Stellmann weiter aus. Wer Begriffe aus der Nazisprache wie „völkisch“ wieder hoffähig machen, deutsche Geschichte, insbesondere die des Dritten Reiches, revisionistisch umschreiben wolle, mit rassistischen, antisemitischen und homophoben Äußerungen aus der Parteiführung bewusst in der Öffentlichkeit provoziere, der suche offenkundig den Anschluss an rechtsradikale Kreise und wolle mit menschenverachtendem Gedankengut das bürgerliche Milieu infiltrieren.
„Das Kolpingwerk distanziert sich von einem solchen Gedankengut“, so der Diözesanvorsitzende wörtlich.

Erklärung des Kolpingwerkes

In einer mit überwältigender Mehrheit beschlossenen Erklärung, zeigt das Kolpingwerk in fünf Punkten auf, was nicht mit der AfD geht:

1. Europa geht nicht mit der AfD
Ein geeintes Europa werde von der AfD abgelehnt. Sie setze damit alles aufs Spiel, was in 70 Jahren an Zusammenarbeit, Frieden und Versöhnung in Europa nach den verhee-renden Weltkriegen geschaffen worden ist.
2. Eine moderne Familienpolitik geht nicht mit der AfD
In der Familienpolitik werde das rassistische Denken der AfD besonders deutlich: Deut-sche Kinder würden höher bewertet als nichtdeutsche. Nur „deutsche“ Familien könnten die Herausforderungen der Demographie lösen. Familienpolitik sei Bevölkerungspolitik für Deutsche: Eltern sollen Nachwuchs zeugen, um das „eigene Staatsvolk“ zu erhalten.
3.  Eine nachhaltige Klimapolitik geht nicht mit der AfD
Die AfD leugne den Klimawandel und die Erderwärmung als menschengemachtes Phä-nomen. Eine Politik der Eindämmung z.B. der CO2-Emmissionen betrachte sie als „Gefährdung des Wirtschaftsstandortes Deutschland und Senkung des Lebensstandards“.
4. Migration und Integration gehen nicht mit der AfD
Die AfD zeichne ein nicht der Wirklichkeit entsprechendes, geradezu apokalyptisches Bild der Zuwanderung nach Deutschland. Sie spreche von Quoten nicht von Menschen, die vor Kriegen, Gewalt und Verfolgung fliehen. Sie schüre bewusst Angst vor „Über-fremdung“ in der Gesellschaft.
5. Ein friedliches Miteinander der Religionen geht nicht mit der AfD
Die AfD zeichne in ihrem Grundsatzprogramm ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit des Islam in unserer Gesellschaft. Sie zeichne ein Bild der Bedrohung abendländisch-christlicher Kultur durch die Muslime. Die Radikalisierung einzelner Muslime werde in-strumentalisiert zur Ausgrenzung des Islam als nicht zugehörig zur deutschen Gesell-schaft und ihrer Kultur. Die AfD verweigere sich somit dem interreligiösen Dialog, der friedliches Miteinander und eine geistige und kulturelle Vielfalt in unserem Land ermögliche.

„Das Kolpingwerk verurteilt niemanden, der – vielleicht aus Enttäuschung und Frustration – mit der AfD sympathisiert“, sagte abschließend der Diözesanvorsitzende Stellmann. „Wir rufen jedoch dazu auf, genau hinzuschauen und die eigene Haltung sowie das eigene Denken und Handeln zu hinterfragen. Wir sind davon überzeugt, dass es der falsche Weg ist, den Versprechungen und Verführungen rechter Populistinnen und Populisten zu folgen.“

Gäste der Diözesanversammlung
Als Gäste konnte Andreas Stellmann den Europaabgeordneten Michael Detjen (Kaiserslautern), den Vizepräsidenten der Handwerkskammer der Pfalz, Michael Lehnert (Münchweiler a.d.R.), Dr. Thomas Kiefer als Vertreter des Bistums Speyer und P. Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach SJ (Ludwigshafen) begrüßen. Als Gastgeber hieß Pfarrer Christian Eiswirth die Delegierten der Kolpingsfamilien in „seinem“ Pfarrzentrum herzlich willkommen. Vizepräsident Michael Lehnert betonte die gute langjährige Zusammenarbeit zwischen Kolping und Handwerk. Als besonderes Zeichen dafür sieht er das gemeinsame Friedenskreuz an, das beide Organisationen im Sommer in Münchweiler errichten werden.

Dr. Thomas Kiefer dankte dem Kolpingwerk herzlich im Namen der Diözese Speyer für die geleistete Arbeit und das vielfältige Engagement in Gesellschaft und Kirche. Er hob den Zukunftsprozess des Verbandes hervor, sein politisches Handeln „mutig gegen rechts und für Europa“ sowie seine Partnerschaftsarbeit mit Brasilien. Er würdigte das Engagement der Kolpingjugend um Nachhaltigkeit. Sie leiste damit einen Beitrag zur weltweiten Bewegung der Jugend unter der Überschrift „Fridays for Future“.

Kiefer zeichnete ein Bild der aktuellen Kirchenkrise und rief das Kolpingwerk auf, sich am diözesanen Visionsprozess zu beteiligen: „Wohin sind wir als Christinnen und Christen der Kirche von Speyer hier und heute gesendet?“ Wenn viele Menschen sich diesem geistlichen Suchen und Fragen anschlössen, auch Kol-ping, werde eine Vision der Kirche der Zukunft Gestalt gewinnen. Bischof Wiesemann nenne das: „Kirche neu denken, sie von der leidenschaftlichen Vision Gottes her neu denken.“ Kiefer rief die Kolpingmitglieder dazu auf, sich von Gottes Geist inspirieren zu lassen und Verantwortung in den Pfarreien zu übernehmen, gerade jetzt bei den Pfarrgremienwahlen im November.

Verband will Leitlinien zur Nachhaltigkeit einführen
Neben den Regularien und der einstimmigen Entlastung des Vorstandes und der Geschäftsführung behandelte die Diözesanversammlung mehrere Anträge. Mit großer Mehrheit stimmte die Versammlung einem Antrag der Kolpingjugend zu, Leitlinien zur Nachhaltigkeit im Diözesanverband Speyer einzuführen. Den Leitlinien entsprechend verpflichtet sich das Kolpingwerk, nachhaltige Standards dauerhaft für die Arbeit auf Diözesanebene festzuschreiben.

Für nachhaltige Projekte in ihrer örtlichen Gemeinde zeichneten die Diözesanleiter der Kol-pingjugend, Daniel Reiß (Erfenbach) und Fabian Geib (Landstuhl), die Kolpingjugendgrup-pen LU-Pfingstweide und Grünstadt aus. Andrea Storminger (Dirmstein), Vorsitzende des AK Zukunftsprozess, informierte über den Stand des Erneuerungsprozesses „Kolping Up-grade“. Es werde im kommenden Jahr ein diözesanes „Kolping Upgrade“-Treffen geben.

Einen herzlichen Dank richtete Diözesanvorsitzender Stellmann an die Tagungsleitung, Wolfgang und Franziska Breitwieser und Martin Garst (alle Hettenleidelheim). Sein abschließender Dank galt der örtlichen Kolpingsfamilie Ludwigshafen-Pfingstweide, nament-lich Wunibald Kippenberger, für die Ausrichtung und hervorragende Organisation der Ver-anstaltung. Die Diözesanversammlung 2019 endete mit dem Kolpinglied und dem alten Kolpinggruß: „Treu Kolping!“  

Das Kolpingwerk zählt in der Diözese Speyer 5.400 Mitglieder in 50 örtlichen Gemeinschaften, den Kolpingsfamilien. 900 Mitglieder sind unter 30 Jahre alt und gehören der Kol-pingjugend an. In Deutschland hat der Verband, der sich auf den Seligen Adolph Kolping und seine Katholischen Gesellenvereine zurückführt, 232.000 Mitglieder in 2.600 Kolpingsfamilien. Weltweit zählt das Kolpingwerk in 61 Ländern über 420.000 Mitglieder in über 7.000 Kolpingsfamilien. Sein Wahlspruch lautet: „Verantwortlich leben – Solidarisch han-deln.“

Text/Foto: Kolping

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