Mittwoch, 25. November 2015

Erinnerungen an den Papstbesuch 1987 in Speyer

Oberbürgermeister a.D. Werner Schineller und Bischof em. Dr. Anton Schlembach (v.l.n.r.) 

Bischof em. Schlembach und Oberbürgermeister a.D. Schineller berichten in der Reihe „Lebendige Erinnerung“ über einen denkwürdigen Tag

Speyer. Der 4. Mai 1987 war ein großer Tag für Speyer, als Papst Johannes Paul II. das Bistum und die Stadt besuchte. Bischof em. Anton Schlembach hatte das Oberhaupt der katholischen Kirche in die Domstadt eingeladen. Werner Schineller, damals Bürgermeister, zeichnete von städtischer Seite für die Organisation des Großereignisses verantwortlich. Am Dienstag blickten beide Zeitzeugen in der Reihe "Lebendige Erinnerung" im historischen Ratssaal in Speyer zurück und ließen den denkwürdigen Tag vor 28 Jahren und die ganzen Vorbereitungen Revue passieren. 

Wie lädt man einen Papst überhaupt ein, fragte Rebecca Blum, Schülerin des Speyerer Edith-Stein-Gymnasiums, die die Moderation übernahm. Schlembach berichtete ausführlich, wie die Idee geboren wurde, er einen Brief an den Sekretär des Papstes schickte, über die Zeit, in der er und das Domkapitel auf eine Zusage hofften, an die sie eigentlich gar nicht glaubten. Schlembachs Grundgedanke: Wenn der Papst Edith Stein in Köln selig sprechen wird, passt Speyer, wo sie gewirkt hat, dazu. Am 26. Juni 1986 kam die Zusage in Speyer an – rund sechs Wochen, nachdem Schlembach die Einladung gesandt hatte. Der Bischof berichtete, wie der damalige Oberbürgermeister Christian Roßkopf alles andere als begeistert war: "Er ist erschrocken", rief Schlembach den rund 70 Zuhörern zu. Der Rathauschef hatte Bedenken, die Stadt könne solch einen Ansturm von Menschen nicht verkraften.

An diesem 4. Mai war die Speyer wahrlich im Papst-Fieber. Rebecca Blum lieferte die Zahlen: 1000 Polizisten, über 1000 ehrenamtliche Helfer, mehr als 300 Journalisten und nicht zuletzt 60.000 Gläubige waren auf den Beinen. Aber bis zu dem historischen Tag hatten Ordinariat und Stadt viel zu tun. Wo landet der Hubschrauber des Papstes? Welche Route nimmt der Papst in die Stadt? Es gab eine Vielzahl von Arbeitsgemeinschaften, die sich von Parkplatzfragen bis hin zur Liturgie beschäftigen, zeigte Werner Schineller die Spanne auf. Der frühere Bürgermeister hatte einige Erinnerungsstücke mitgebracht, etwa Schriften und Medaillen, die anlässlich des Papstbesuches herausgegeben wurden. Lacher erntete er, als er das "saukalte Wetter" an diesem 4. Mai in Erinnerung rief.

Bischof em. Anton Schlembach gab detailreiche Einblicke in den Tagesablauf. Alles lief nach Protokoll, angefangen von der Begrüßung am Landeplatz beim heutigen Kolb-Schulzentrum. Er sprach von der eindrucksvollen Fahrt von Johannes Paul II. über die Maximilianstraße. Das Bistumsarchiv, das die beiden Zeitzeugen gemeinsam mit dem Forum Katholische Akademie zu der Veranstaltung eingeladen hat, lieferte einen Zusammenschnitt der Fernsehberichterstattung.

Einig waren sich Schlembach und Schineller, dass der Papstbesuch bis heute nachwirkt und das Andenken in der Stadt gepflegt wird. Mit Unverständnis reagierten sie auf die gegenwärtige Situation in Europa, bemängelten die fehlende Solidarität der Staaten. "Ich habe mir das Europa anders vorgestellt", erklärte Schineller. Ende der 80er Jahre habe Europa einen großen Aufschwung erfahren, heute würden die Grenzen wieder geschlossen. "Die Grundwerte sind heute nicht weniger gefährdet als damals beim Papstbesuch", fügte Anton Schlembach hinzu, der Johannes Paul II. als begeisterten Europäer bezeichnete und auf dessen Beitrag bei der friedlichen Lösung des Ost-West-Konfliktes hinwies.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Sängerinnen des Mädchenchors am Dom unter Leitung von Domkapellmeister Markus Melchiori. Bei der Reihe "Lebendige Erinnerung" arbeiten das Bistumsarchiv, das Speyerer Stadtarchiv, das Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz, das Historische Museum der Pfalz, der Historische Verein der Pfalz sowie das Speyerer Seniorenbüro zusammen.

Text / Foto: Yvette Wagner