Dienstag, 18. Juni 2019

Gewächse der Seele am Museumseingang

Bis 04. August bleibt die Installation stehen. Bis dahin haben sich Pflanzen an den Rankhilfen nach oben ausgebreitet und integrieren die Kunstwerke in das Gewächs 

Besucher des Caritas-Förderzentrums St. Johannes gestalten Installation am Eingang zum Wilhelm-Hack-Museum

Ludwigshafen. Passanten, die derzeit am Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen vorbeigehen, sehen unweigerlich den besonders gestalteten Eingang: links und rechts von der Eingangstür stehen Blumengefäße aus Beton, die mit schnell rankenden Pflanzen bepflanzt sind. An einem großen Rankgitter, das wie ein Tunnel geformt ist, ranken sie empor, dazwischen hängen originale Kunstwerke aus dem Museum.

Gefertigt wurde diese Skulptur von drei Besuchern der Tagesstätte des Caritas-Förderzentrums St. Johannes unter der Leitung von Ulrich Thul. Zu sehen ist sie noch bis 4. August. So lange präsentiert das Hack-Museum nämlich noch die interdisziplinäre und inklusive Ausstellung „Gewächse der Seele“.

„Das Hack-Museum hatte für März einen Workshop zu dieser Ausstellung ausgeschrieben“, erinnert sich Thul, der als Leiter der Tagestätte von St. Johannes für die Arbeits- und Beschäftigungsangebote verantwortlich ist. „Die drei Besucher, die sich schließlich anmeldeten, sind alle in verschiedener Weise mit den Themen Kultur und künstlerischem Gestalten vertraut.“

Ihre Aufgabe beim Workshop bestand darin, sich das Thema der Ausstellung zu erschließen und eine Installation für den Haupteingang zu gestalten. Zahlreiche Entwürfe sind in der einen Woche entstanden; daraus wurden zunächst einige kleine Modelle, bis schließlich die Entscheidung fiel, diesen einen Entwurf umzusetzen, der jetzt von der Straße aus zu sehen ist. Die Entwürfe und Vormodelle wurden bei der Ausstellungseröffnung ebenfalls in einem eigenen Raum präsentiert.

„Die Aktion war eine wunderbare Gelegenheit für unsere Besucher, sich kreativ mit einem Thema auseinanderzusetzen“, freut sich Thul noch heute über den Workshop. Zudem empfanden die Drei das Zusammenwirken mit zwei wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und zwei Fachfrauen als sehr wertschätzend – als ein Stück Realität. „Wir haben sehr konstruktiv zusammengearbeitet und waren als Gruppe sehr harmonisch“, berichtet Thul. Auch die Mittagspausen verbrachten alle gemeinsam und diskutierten auch bei dieser Gelegenheit über Themen wie Kunst, Pflanzen und seelische Gesundheit.

„Da sind Beziehungen gewachsen“, betont Thul, der selbst auch künstlerisch tätig ist, die Nachhaltigkeit des Projekts. Die Tagesstättenbesucher gehen weiterhin ins Museum und animieren andere Besucher oder Bewohner des Hauses, mitzukommen. „So hat das Projekt auch direkte Auswirkungen in unserem Haus.“

Das Caritas-Förderzentrum St. Johannes pflegt auch außerhalb dieses Projekts Kontakt zum Hack-Museum und engagiert sich immer wieder auch im Hack-Garten. So wird es am Samstag, 13. Juli, um 14 Uhr ein Konzert der Band „blues yellows“ geben, und am Dienstag, 8. August, will Thul mit Bernhard Junker eine Art Werkstattgespräch führen. Der Tagestättenbesucher wird an diesem Tag einige seiner Kunstwerke im Hack-Garten präsentieren und sie von Ulrich Thul vorstellen und besprechen lassen.

Text/Foto: Brigitte Deiters