Mittwoch, 19. Juni 2019

Ökumene erwächst aus dem Geist wechselseitigen Vertrauens

Ökumenisches Gipfeltreffen in Landau. 

Kirchenleitungen des Bistums und der Landeskirche sehen weitere Felder der Zusammenarbeit

Landau /Speyer. Eine Aufbruchstimmung in der Ökumene ist nach Ansicht des Generalsekretärs der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), Mario Fischer, zu verzeichnen. Dazu beigetragen habe die im September 2018 in Basel beschlossene Aufnahme von Gesprächen zwischen dem Päpstlichen Einheitsrat und der GEKE über die Themen „Kirche und Kirchengemeinschaft“. Bereits die dem Beschluss vorausgegangene Konsultationsreihe habe die Erwartungen der Beteiligten weit übertroffen, sagte Fischer beim jährlichen Treffen der Kirchenleitungen des Bistums Speyer und der Evangelischen Kirche der Pfalz in Landau. Es gelte nun, „weitere Eckpfosten für den Dialog einzuschlagen“.
 
Der GEKE-Generalsekretär bezeichnete den bisherigen Weg als gemeinsamen Lernprozess mit Momenten großer Euphorie und Momenten der Ernüchterung. In den kommenden Gesprächen müsse nun das Kirchen- und Amtsverständnis ökumenisch eingehender erörtert werden. Dazu sollte der Dialog internationaler aufgestellt und unter Beteiligung der konfessionellen Weltbünde, wie der Reformierten, Lutheraner und der Methodisten, geführt werden. Mario Fischer dankte Bischof Karl-Heinz Wiesemann und Kirchenpräsident Christian Schad, die als Leiter der katholischen und evangelischen Delegation maßgeblich dazu beigetragen hätten, die Grundlagen für die künftigen Gespräche zu legen.
 
Der Kirchenpräsident und der Bischof betonten, dass der Erfolg nur aus dem Geist gegenseitiger Wertschätzung und wechselseitigem Vertrauen erwachsen könne. Schad und Wiesemann unterstrichen, dass neben den theologischen Fragen auch die praktische Zusammenarbeit von Landeskirche und Bistum vertieft werden solle. „Wir müssen prüfen, in welchen Arbeitsbereichen wir noch besser und intensiver zusammenarbeiten können, um in einer sich verändernden Gesellschaft ein gemeinsames christliches Zeugnis abzulegen“, erklärten Schad und Wiesemann. Zugleich verwiesen die beiden auf die Vielzahl bereits bestehender ökumenisch getragener Einrichtungen und Initiativen, wie die Sozialstationen, die Hospizhilfe oder das Gemeinschaftwerk für Menschen mit Beeinträchtigungen. Die Vertreter des Bistums und der Landeskirche zeigten sich überzeugt, dass „der Weg unserer Kirchen in die Zukunft durch und durch ökumenisch geprägt sein muss“. Nur so könne man Christ-sein heute glaubwürdig leben und im Miteinander ein Zeugnis sichtbarer Einheit geben.
 
Hintergrund: Zur Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa gehören 94 protestantische Kirchen. Sie gewähren einander Kanzel- und Abendmahlgemeinschaft, bewahren jedoch ihre jeweilige Prägung sowie die theologische und organisatorische Eigenständigkeit. Ihr Modell der „versöhnten Verschiedenheit“ sieht die GEKE auch als Beitrag zur kirchlichen Einheit. Sitz der Geschäftsstelle ist Wien. Präsident der GEKE ist der Vorsitzende des Schweizerischen Kirchenbundes, Gottfried Locher, erster hauptamtlicher Generalsekretär ist der hessische Pfarrer Mario Fischer.

Text: lk/is - Foto: lk