Dienstag, 01. Dezember 2015

Gemeinsames Eintreten der Weltreligionen entfacht Dynamik im Vorfeld der Weltklimakonferenz in Paris

Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit 

Rund 500 Teilnehmer bei Klimapilgerweg durch die Pfalz unterwegs – Weltkirchen-Referent Christoph Fuhrbach bei Abschlussveranstaltungen der verschiedenen internationalen Klima-Pilgerwege in Paris

Speyer/Paris. Mit einem starken Zeichen haben Vertreter/innen der Weltreligionen kurz vor dem Start der 21. Weltklimakonferenz in Paris (COP 21) den Druck auf die politisch Handelnden erhöht: sie übergaben 1.780.528 Unterschriften für ein verbindliches Klimaschutzabkommen an Christiana Figueres, der Leiterin des UN-Klimasekretariats.

Als Vertreter des ökumenischen Klima-Pilgerweg-Abschnitts “Ludwigshafen – Metz” und des gesamten deutsch-französischen Klima-Pilgerweges „Geht doch!“ von Flensburg über 1470km nach Paris nahm Christoph Fuhrbach vom Referat Weltkirche des Bistums Speyer an den Abschlussveranstaltungen der verschiedenen internationalen Klima-Pilgerwege in Paris teil. „Frau Figueres zeigte sich emotional gerührt, weil alle Weltreligionen erstmals in dieser existentiellen Frage einheitliche und zudem klare sowie verbindliche Forderungen an die Politik erhoben“, berichtet Fuhrbach. Figueres bezeichnete den Klimawandel als die „zentrale Herausforderung dieser Generation“, die nun entschieden angegangen werden müsse.

Die Attentate in Paris vor zwei Wochen hatten Auswirkungen auf den Abschluss der internationalen Klima-Pilgerwege vor dem Start der COP 21 in Paris: Einige Veranstaltungen wie eine große Demonstration für ein verbindliches Klimaschutzabkommen wurden aufgrund der angespannten Sicherheitslage in Paris abgesagt. Viele weitere Events mussten verlegt oder verkürzt und einige Sicherheitskontrollen eingehalten werden. Banner und Fahnen durften aufgrund des Demonstrationsverbots nicht ausgerollt werden, Gesang war nur in geschlossenen Räumen erlaubt. Zudem hatten sich etliche Pilgernde in den vergangenen zwei Wochen für das Finale in Paris abgemeldet. Gleichzeitig freuten sich die Menschen in Paris, dass dennoch so viele Klima-Pilgernde in ihre Stadt kamen, was sie auch als Solidaritätsbekundung in ihrer aktuell nicht einfachen Situation deuteten.

Die verschiedenen internationalen Klimapilgerwege aus Norwegen, Schweden, Dänemark, Deutschland, Schottland, England, Niederlande, Ukraine, Ungarn, Österreich und Italien sowie aus den Philippinen und von Ostafrika kamen alle am Freitag in Paris an. Selbst in vielen Metro-Stationen wurde auf die Ankunft der Klimapilgernden mit Plakaten hingewiesen. Aufgrund dieses Anlasses gab es diverse Empfänge, Gebetszeiten und thematische Veranstaltungen in der ganzen Stadt.

Aus dem Veranstaltungsreigen ragte ein interreligiöses Gebet in der Kathedrale von St. Denis mit muslimischen, jüdischen, buddhistischen und christlichen Gläubigen heraus. Direkt im Anschluss gab es ein Treffen von Vertreter/innen aller Klimapilgerwege und der Weltreligionen mit bei der  COP 21 zentralen Persönlichkeiten: Pilger/innen berichteten mit Hilfe von mitgebrachten Symbolen über ihre im Laufe der Pilgerwege gemachten Erfahrungen und Einsichten. Religiöse Würdenträger/innen stellten klare Forderungen an die bei der Weltklimakonferenz politisch Handelnden. Dabei wurde klar, dass es hier keine religiösen Grenzen gibt, sondern dass – zum ersten Mal - alle großen Weltreligionen sich einig sind, dass der Klimawandel und ein an Klimagerechtigkeit ausgerichtetes Handeln eine der wesentlichen Herausforderungen der gesamten Menschheit im 21. Jahrhundert sein wird. Erzbischof Thabo Makgoba rief daher alle Gläubigen und alle politisch Handelnden auf: „Wir können, wir müssen, wir werden handeln“, um den Klimawandel zu begrenzen und Klimagerechtigkeit zu schaffen.

Viele weitere religiöse Würdenträger/innen wie z.B. der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, seine Stellvertreterin Annette Kurschus (Präses der Evangelischen Landeskirche von Westfalen), Erzbischof Ludwig Schick (Erzbistum Bamberg. Vorsitzender der Kommission Weltkirche bei der Deutschen Bischofskonferenz) und Bischof Bernabe Sagastume (Guatemala) als „Stimme der Menschen im globalen Süden“, waren vor Ort in Paris. Er hat in den vergangenen Tagen auch im Bistum Speyer sowohl über seinen Einsatz gegen große Bergbauprojekte mit massiven negativen Auswirkungen auf Mensch und Natur, über die Auswirkungen des Klimawandels in Mittelamerika als auch über seine Hoffnungen auf ein verbindliches Klimaschutzabkommen in Paris berichtet.

Etliche Zehntausende Klima-Pilgernde waren auf dem Weg nach Paris unterwegs, allein zwischen Ludwigshafen und Metz waren es gut 500. Zusätzlich wurden viele weitere Menschen auf dem Klima-Pilgerweg durch die Pfalz und das Saarland mit öffentlichen Veranstaltungen in Kirchen, Gemeindehäusern, Fußgängerzonen erreicht. Die Evangelische Landeskirche der Pfalz als auch das Bistum Speyer haben damit einen Beitrag geleistet, dass der Druck auf die Politisch Handelnden, bei der COP 21 ein verbindliches Klimaschutzabkommen zu erreichen, erhöht wurde.

Text: Referat Weltkirche, Bistum Speyer