Montag, 01. Juli 2019

In Gottes bunter Stadt stehen die Tore offen

Ökumenischer Gottesdienst zum Rheinland-Pfalz-Tag 2019 

Im ökumenischen Gottesdienst zum Rheinland-Pfalz-Tag werben Kirchenpräsident und Bischof für einen Geist der Versöhnung

Annweiler. Die Christen sind dazu aufgerufen, den Geist der Versöhnung in das bunte Miteinander der Menschen in den Städten und Dörfern einzubringen. Dies haben Kirchenpräsident Christian Schad und Bischof Karl-Heinz Wiesemann im ökumenischen Gottesdienst anlässlich des Rheinland-Pfalz-Tages 2019 erklärt. So wie der neue Geist das Verhältnis der unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften zueinander präge, könne er auch das  gesellschaftliche Miteinander im Land beeinflussen sowie das Zusammenwachsen unterschiedlicher Sprachen, Kulturen und Religionen in Deutschland, in Europa und in der ganzen Welt befördern, sagten Schad und Wiesemann in ihrer Dialogpredigt. Der Gottesdienst in der Protestantischen Stadtkirche Annweiler stand unter dem Motto „Gottes bunte Stadt“.

Farbe ins Leben komme immer dann, wenn jeder Einzelne offen und neugierig werde für die Vielfalt der Menschen, „ihre unterschiedlichen Lebensentwürfe, ihre verschiedenen Sprachen, ihre anders-gearteten Kulturen und religiösen Erfahrungen“, sagte der Kirchenpräsident. Die Verschiedenartigkeit müsse als Chance begriffen und ergriffen werden. Der Glaube an Jesus Christus sprenge die begrenzten menschlichen Horizonte auf und eröffne neue Sichtweisen. Als Kinder der bunten Gnade Gottes stecke in jedem „die Fähigkeit zur Toleranz, der Respekt vor der Würde jedes einzelnen Menschen, die Liebe zu denen, die uns nah – und zu denen, die uns fern sind“, erklärte Schad.

Das Bild einer bunten, lebendig pulsierenden Stadt, deren Tore allen offen stehen, löst nach Auffassung von Bischof Wiesemann bei den Menschen hierzulande eine tiefe Verunsicherung aus. Sie suchten ihr Heil in der Wiederbelebung nationalstaatlicher Ideen und errichteten aufs Neue bereits überwunden geglaubte Mauern. „Was aber ist das für eine Sicherheit, die in Kauf nimmt, dass ganze Bevölkerungsgruppen in Unsicherheit und Angst leben müssen: Flüchtlinge und Asylbewerber, die im Mittelmeer zu ertrinken drohen oder unsere jüdischen Mitbürger, die Angst haben, sich auf der Straße offen als Juden zu erkennen zu geben“, sagte Wiesemann

Für die beiden Vertreter von Bistum und Landeskirche schwindet die Angst vor dem Fremden überall dort, wo sich die Menschen besser kennenlernen. Farbe komme ins Leben, wo Mauern niedergerissen würden. „Die Fülle des Lebens finden wir nicht im Nationalismus oder Protektionismus. Sie sind vielmehr ein Armutszeugnis gegenüber dem Reichtum menschlicher Vielfalt“, sagten Kirchenpräsident Schad und Bischof Wiesemann. Hoffnung auf eine bessere Zukunft, auf ein gutes Leben für jede und jeden, liege in der Vision der bunten Stadt Gottes, in der alle ihren Platz und ihre Würde fänden. Der Rheinland-Pfalz-Tag lade dazu ein, diese Fülle zu erleben und sie als Reichtum zu erfahren. „Das Landesfest, ökumenisch gefeiert, macht Mut, an Gottes neuer, bunter Stadt mitzubauen – und die eigenen Farben mit einzutragen“, so Schad und Wiesemann.

Musikalisch wurde der ökumenische Gottesdienst unter anderem von einem Projektchor aus acht Ensembles der Region begleitet. Die Gesamtleitung hatte Horst Christill. Lektorinnen und Lektoren aus den Kirchengemeinden rund um Annweiler gestalteten die Liturgie. Bis Sonntagabend präsentieren sich die protestantische Kirche und die Diakonie auf einer Kirchenmeile mit einem Angebot rund um das trifelsländische „WWW: Wald, Wasser, Wein“. Bistum und Caritas luden unter dem Motto „Zeit für mich – Zeit für andere – Zeit für Gott“ zu einem vielseitigen, kreativen und spirituellen Programm ein.

Text: lk/is