Montag, 07. Dezember 2015

„Kolpingarbeit ist Sozialarbeit“

Am Rednerpult der Diözesanvorsitzende Diakon Andreas W. Stellmann. Links von ihm Diözesanpräses Pfarrer Michael Baldauf (Heßheim), 2.v.l.: Moderator Matthias Donauer. 

Kolpingwerk verleiht zum zweiten Mal Sozialpreis – Kolpingsfamilie Oggersheim geehrt

Kaiserslautern / Frankenthal. „Viele Kolpingsfamilien engagieren sich sozial und helfen, akute Not und schmerzliches Leid zu lindern“, sagte Matthias Donauer (Kindsbach), der Moderator bei der zweiten Verleihung des Kolping-Sozialpreises im Ökumenischen Zentrum St. Jakobus / Pilgerpfad in Frankenthal vor mehr als 60 Gästen, unter ihnen Bürgermeister Martin Hebich, der künftige Oberbürgermeister der Stadt Frankenthal. Kolpingmitglieder seien sensibel für die Menschen in ihrer Nachbarschaft, sie leisteten aus Überzeugung soziale und materielle Hilfe. Mit Mut forderten sie die Solidarität der Gesellschaft mit den Armen ein. Kolpinger seien „Mutbürger“, meinte Donauer, der im Diözesanvorstand des Kolpingwerkes für den Aufgabenbereich Gesellschaft und Politik verantwortlich ist.

Bürgermeister Hebich dankte in seinem Grußwort der Kolpingsfamilie für ihren Dienst am Menschen. Kolping leiste tatkräftige Arbeit, gerade in der Flüchtlingshilfe, damit Menschen eine Zuflucht finden vor Krieg, Terror und Not. Er wünsche dem Kolpingwerk, dass es noch viel Gutes aus christlicher Gesinnung tun könne, „damit die Welt ein klein wenig besser wird.“

Drei Bewerbungen für Sozialpreis
Drei Kolpingsfamilien hatten sich mit ihren Sozialprojekten für den vom Kolpingwerk Diözesanverband Speyer ausgelobten Sozialpreis beworben. Der Preis soll nach innen und außen das große und vielfaltige Engagement im sozialen Bereich aufzeigen, das durch die Kolpingsfamilien im Bistum Speyer geleistet wird. Der Preis will eine Anerkennung sein, aber auch Ermutigung, sich für bedürftige Menschen mit Mut, Menschenfreundlichkeit und schöpferischer Kraft – individuell und politisch –einzusetzen.

Norbert Thines, Ehrenbürger der Stadt Kaiserslautern und soziales Gesicht der Westpfalz, zitierte in einer kurzen, prägnanten Rede Papst Franziskus: Die Reise der Kirche geht zu den Armen. Jeder Mensch sei ein Ebenbild Gottes und habe Anspruch auf Würde, menschliche Zuwendung und Lebensqualität. „Unser Adolph Kolping heißt Franziskus“, sagte Thines unter dem Beifall der Anwesenden. „Machen wir es ihm nach! Kolpingarbeit ist Sozialarbeit! Und die Kolpingsfamilien sind Netzwerke spürbarer Nächstenliebe“.
Thines dankte dem Diözesanvorstand für seine beispielhafte Arbeit, insbesondere für die Unterstützung der Aktion „alt – arm – allein“ durch die Einrichtung des Adolph-Kolping-Fonds in der gleichnamigen Stiftung. Mit dieser Stiftung sei nun die Nachhaltigkeit der solidarischen Hilfe für alte, bedürftige Menschen in der Westpfalz gewährleistet.

"Bringdienst für Kranke" ausgezeichnet
Die Jury um Norbert Thines entschied sich einvernehmlich für die Kolpingsfamilie Oggersheim: Der Preis, ein Fahnenband, wurde ihr für ihren „Bringdienst für Kranke“ in der BG Unfallklinik Ludwigshafen verliehen. Seit mehr als 20 Jahren bringen jeden Sonn- und Feiertag vier bis fünf Kolpingschwestern und –brüder Kranke, die als Patienten stationär in der Unfallklinik sind, zur Heiligen Messe, zum evangelischen Gottesdienst oder zur Wort-Gottesfeier in die Kapelle der BG Unfallklinik.
18 „Bettenschieber“, wie sie sich selber nennen, teilen sich den Dienst, der zuverlässig, auch im Urlaub, an Ostern und Heiligabend, durchgeführt wird. Die Patienten werden in ihren Zimmern auf Station abgeholt und in die Kapelle der Unfallklinik begleitet. Auch wenn die Patienten im Bett liegen und am Gottesdienst teilnehmen wollen, werden sie von der Station geholt und nachher wieder zurück gebracht. Das ist in der Regel bei Patienten der Station für Verbrennungen und der Station für Querschnittsverletzte der Fall.
„Wenn wir die Patienten in ihren Zimmern abholen“, sagte der Vorsitzende der Kolpingsfamilie Oggersheim, Horst Stauder, „begegnen wir ihnen unmittelbar und in einer für sie sehr persönlichen – sogar intimen – Situation. Wir erleben sie im wahrsten Sinne des Wortes verletzt. Der behutsame Umgang, das eigene Zurücknehmen ist hier besonders wichtig.“ Und da gibt es immer Gespräche mit den Kranken. „Wir schenken ihnen unsere Zeit.“ Der Bringdienst entstand auf Initiative des Diözesanehrenvorsitzenden Rolf Schäfer und seiner Frau Elisabeth.

Urkunde für „Aktion Stricken und Häkeln für kranke Menschen“

Alle Bewerber erhielten als Auszeichnung eine Urkunde. Die Kolpingsfamilie Mörsch und Frankenthal für ihre „Aktion Stricken und Häkeln für kranke Menschen“: Ein Kreis älterer Frauen in der Kolpingsfamilie – alle um die 80 Jahre alt – strickt und häkelt seit fünf Jahren, um Menschen einen kleinen Dienst der Nächstenliebe zu leisten: Mützen für Menschen, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen. Mit der „Aktion Bärchen für Kinder“ verkauft der Strick- und Häkelkreis selbst hergestellte „dänische Bärchen“ zum Preis von 5 Euro. Der Erlös geht an ein Kinderprojekt, z.B. den Verein Kinderhospiz Sterntaler e.V. oder die Säuglingsstation des Frankenthaler Stadtklinik. Neuerdings stellt der Kreis auch Totentücher für totgeborene Kinder her, für die es keine Kleidung gibt. Der Strick- und Häkelkreis führt Seniorinnen der Kolpingsfamilie zusammen, die miteinander eine sinnvolle Aufgabe mit viel Liebe tun. „Wir sind stolz auf unsere Kolpingschwestern“, sagte Vorsitzender Stephan Krantz.

Anerkennung für Aktion „Verdienter Bürger der Stadt Kaiserslautern“
Eine Urkunde erhielt die Kolpingsfamilie Kaiserslautern-Zentral für ihre Aktion „Verdienter Bürger der Stadt Kaiserslautern“. Alljährlich, seit 1987, ehrt die Kolpingsfamilie eine Frau oder einen Mann, die sich ehrenamtlich zum Wohl ihrer Mitmenschen einsetzen. Die Geehrten stammen aus allen sozialen Schichten und Berufen, vom Handwerker bis zum Akademiker. Die Kolpingsfamilie will damit öffentlich machen, „dass es in der heutigen Ellenbogengesellschaft noch Menschen gibt, die oft in aller Stille und Bescheidenheit, ohne eigene Vorteile davon zu haben, ehrenamtlich in Einrichtungen tätig sind oder eigene Initiativen verwirklichen zum Wohle ihrer Mitbürger“. Die Auszeichnung will, so der Vorsitzende Hans-Georg Mader, zum persönlichen sozialen Engagement anregen und ermutigen.

Diakon Andreas W. Stellmann (Heßheim), der Diözesanvorsitzende des Kolpingwerkes, dankte den Kolpingsfamilien für ihr beispielgebendes Engagement. Er dankte der Kolpingsfamilie Mörsch und Frankenthal für die gastfreundliche Ausrichtung des Festabends und der jungen Pianistin Viktoria Linzer aus Karlsruhe für ihre herausragende Interpretation von Werken Mendelsohn-Bartholdys, Frederic Chopins und Franz Schuberts.

Text/Foto: Kolping