Montag, 19. August 2019

„Unser Glaube darf nicht um sich selbst kreisen“

Ulrike Gentner und Bernhard Kaas sind für die Konzeption der Veranstaltungen verantwortlich. 

Noch drei Veranstaltungen des Forums katholische Akademie in 2019

Speyer. Bis zum Jahresende hat das „Forum katholische Akademie“ in Speyer noch drei Veranstaltungen geplant. „Dabei haben wir eine gute Mischung der Themen gefunden aus den Bereichen Gesellschaftspolitik, Wirtschaftspolitik sowie Kirche“, betont Bernhard Kaas, Vorsitzender des Pfarreirats Pax Christi.

„Diese Breite der Themen ist uns wichtig“; so Kaas. Gemeinsam mit Ulrike Gentner, Direktorin Bildung im Heinrich Pesch Haus, ist Kaas für die inhaltliche und konzeptionelle Planung verantwortlich. Er ist überzeugt: „Unser Glaube darf nicht um sich selbst kreisen. Wir suchen nach Entwicklungen, die Menschen heute bewegen, und bei denen sich die Frage stellt: „Wie werden wir als Christinnen und Christen hier herausgefordert?“

Im „Forum katholische Akademie“ arbeiten die Katholische Erwachsenenbildung im Bistum Speyer (KEB), die Dompfarrei Pax Christi in Speyer und das Heinrich Pesch Haus zusammen.

Inklusion – eine gesellschaftspolitische Aufgabe
In Kooperation mit der Abteilung „Seelsorge für Menschen mit Behinderung“ im Bistum Speyer findet am Mittwoch, 11. September, ein Abend zum Thema „Inklusion umsetzen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ statt. Beginn ist – wie bei allen Forums-Veranstaltungen – um 19.30 Uhr.
Referent des Abends ist Matthias Rösch, Landesbeauftragter für die Belange behinderter Menschen. Vor zehn Jahren ist die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland in Kraft getreten. Darin wird Behinderung nicht als persönliches Schicksal, sondern als Wechselwirkung zwischen Beeinträchtigung und den vielfältigen Barrieren in Einstellungen, Verhalten und Umwelt begriffen.

Als Folge und Forderung daraus nimmt die UN-Behindertenrechtskonvention Inklusion als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahr: Menschen mit Behinderung sind nicht länger Objekt wohlmeinender Hilfe, sondern wollen Unterstützung und Assistenz für ein selbstbestimmtes Leben und gleichberechtigte Teilhabe.

Matthias Rösch berichtet an diesem Abend über aktuelle Themen der Politik sowie über die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Rheinland-Pfalz und bundesweit. Teilnehmende, die einen Gebärdendolmetscher benötigen, können dies bei der Anmeldung mitteilen. Der Zugang zum Veranstaltungsort, dem Friedrich-Spee-Haus in Speyer, ist barrierefrei.

Die Abteilung „Seelsorge für Menschen mit Behinderung“ sieht als eine Aufgabe das Engagement „in Kirche und Gesellschaft, damit Menschen mit Behinderung selbstverständlich dazu gehören und nicht benachteiligt und ausgegrenzt werden“.  Diesem Ziel dienen auch Vortragsabende wie dieser.

„Reform. Dieselbe Kirche anders denken“ – Kirchenpolitisch brisant
Prof. Dr. Michael Seewald, geboren 1987 in Saarbrücken, ist Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Er befasst sich am Mittwoch, 23.Oktober, mit der Möglichkeit zur Reform der katholischen Kirche. Der Ausgangspunkt des Vortrags mit anschließender Diskussion: Das Wort „Reform“ ist derzeit in der katholischen Kirche in aller Munde. Was aber bedeutet es genau? Wie kann die Kirche sich grundlegend reformieren und doch sie selbst bleiben? Was bedeutet es, eine „moderne‘ Kirche“ zu fordern?

Michael Seewald ist der Meinung: Der Spielraum für Veränderung ist größer als gedacht. „Auf diesen Vortrag freue ich mich besonders, weil wir in der Pfarrei die Dringlichkeit einer Veränderung ständig wahrnehmen“, sagt Bernhard Kaas als Pfarreiratsvorsitzender. „Dies gilt unter anderem im Zusammenhang der Aktionen rund um Maria 2.0. Wer die Kirche nicht aufgibt, weil er an den Heiligen Geist glaubt, hofft auf ihre Fähigkeit zum Wandel.“ Über den Referenten des Abends sagt Kaas: „Michael Seewald ist ein brillanter Theologe, der sehr sorgfältig argumentiert. Es wird ein großer Gewinn sein, ihn zu hören.“

Die sieben Todsünden – ein Aspekt in der Wirtschaftspolitik?

„Die sieben Todsünden und die moderne Ökonomie“ ist ein Vortrag mit Dr. Thomas Steinforth  am Mittwoch, 6. November, überschrieben. Der Bildungsreferent des Heinrich Pesch Hauses mit dem Schwerpunkt „Ethik in Wirtschaft und Gesellschaft“ geht in seinem Vortrag auf die „Aktualität eines alten Konzepts“ ein.
Er beleuchtet die klassisch als „Todsünden“ bezeichneten Haltungen -  Hochmut, Habgier, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Trägheit  - und versucht eine vielleicht provozierende Neubewertung: Hat nicht jede dieser sieben Haltungen auch eine „gute Seite“? Wie und warum geht diese gute Seite unter bestimmten Umständen verloren? Sind die Laster der Einzelnen vielleicht sogar Quellen unseres materiellen Wohlstands? Welche Rolle spielen Tugend- und Charakterbildung?

Dies sind einige Fragen, denen der Referent nachgehen wird. „Dr. Thomas Steinforth war schon zweimal bei uns im Spee-Haus“, erinnert sich Bernhard Kaas. „Er geht an Fragen nach dem „richtigen“ Leben mit erfrischender geistiger Offenheit heran. Da spürt man eine Weite des Denkens in bester katholischer Tradition.“

Für alle Veranstaltungen des Forums katholische Akademie gilt:
Ort: Friedrich-Spee-Haus, Edith-Stein-Platz 7, Speyer (barrierefreier Zugang)
Kostenbeitrag: 5 €

Um Anmeldung wird gebeten bei der KEB, Tel. 06232 102-180, oder im Heinrich Pesch Haus, Tel. 0621 5999-162.

Text/Foto: HPH