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Montag, 26. August 2019

“Freiräume ohne Smartphone, Tablets und Computer schaffen“

Caritasverband Speyer und Institut für Lehrerfort- und -weiterbildung richten Fachtag „Durchgeb(k)lickt – Kinder, Kita und Medien“ aus

Jelena Wagner, Leiterin der Kita „Kinderplanet“ in Ramstein-Miesenbach stellte im Workshop sinnvoll Apps für Kinder vor. Die Teilnehmer durften die Anwendungen auch selbst testen. 

Speyer. Tablets in Händen von Kleinkindern? Digitale Medien in der Kita? Warum? Warum nicht! „Wir können uns der Digitalisierung nicht verschließen – wir müssen richtig damit umgehen.“ Das war der Tenor des Fachtags „Durchgeb(k)lickt – Kinder, Kita und Medien“, den der Caritasverband für die Diözese Speyer und das Institut für Lehrerfort- und -weiterbildung (ILF) in Speyer ausrichteten.

Wie gelingt der richtige Umgang mit digitalen Medien? Wie erkennt man Chancen und Grenzen? Das zeigten die Referenten in Vorträgen und Workshops. Benjamin Wockenfuß vom Bundesmodellprojekt Digikids und Jan Koch, beim Caritasverband zuständig für Digitalisierung, machten deutlich, dass es seit der Industrialisierung technischen Fortschritt gab. An Beispielen zeigten sie, dass die Menschen seitdem die Angst vor Veränderung begleitet. Woher kommt diese Angst? Jan Koch gab eine Erklärung: „Keiner kann wissen, wie die Zukunft aussieht. Diese Unsicherheit verursacht die Skepsis gegenüber Innovationen.“ Aber: „Wir wissen aus der Geschichte, dass es immer ein gutes Ende genommen hat“, sagte Koch und machte Mut, die Angst abzulegen. Man müsse kein Experte sein, um mit neuen Medien umzugehen – man sollte ihnen neugierig und wachsam begegnen und das Thema nicht zu ernst nehmen.  

„Digitale Medien sind weder gut noch schlecht und sollten nicht pauschal verteufelt werden“, so positionierte sich auch Benjamin Wockenfuß. Der Suchttherapeut und Social Media Manager bestritt den Auftaktvortrag. Er zeigte ebenfalls an Beispielen, dass Ängste vor technischen Neuerungen alt sind und Erwachsene gelassen damit umgehen sollten. „Wir dürfen aber nicht zu gelassen sein. Nicht alles, was digitale Medien bieten, ist sinnvoll“, meinte er und verwies auf die Anwendungen von Google, Amazon oder Apple. „Die machen viele Dinge bequem und einfach – dafür bezahlen wir mit unseren Daten und geben Privates preis. Ist das wirklich ein Mehrwert?“ Seine Formel lautete: „Hat Digitales keinen Mehrwert, ist es Quatsch.“ Er forderte die Pädagogen auf, selbst eine eigene Haltung gegenüber digitalen Medien einzunehmen – und dabei unbedingt auf das eigene Urteilsvermögen zu vertrauen.

Wockenfuß machte klar, wie wichtig Medienkompetenz ist. „Die eigene Kompetenz fängt mit Selbstreflexion an. Dazu gehört auch, Freiräume ohne Smartphone, Tablets und PCs zu schaffen.“ Erwachsene sollten nicht nur Vorbild sein. Es reiche auch nicht aus, mit den Mädchen und Jungen über Medien zu sprechen. „Vielmehr müssen wir mit den Kindern digitale Medien erleben und das Geschehen lenken. Meine Empfehlung: Erwachsene sollten in fühlbarer Nähe sein, wenn sich Kinder mit digitalen Medien beschäftigen.“

Neben den beiden Vorträgen, die den Fachtag im Priesterseminar umrahmten, tauchten die Teilnehmer in Workshops in die Praxis ein. Die Themen waren vielfältig: von Datenschutz über digitale Dokumentation, Mobbingprävention und Fortbildung bis hin zur Frage, welche Rolle Medienhelden für Kinder spielen. Wie Apps im Kita-Alltag sinnvoll eingesetzt werden, schilderte Jelena Wagner, Leiterin der Kita „Kinderplanet“ im westpfälzischen Ramstein-Miesenbach. Hier läuft seit anderthalb Jahren ein Modellprojekt des Landes, in dem die Kinder ganz selbstverständlich den Umgang mit Computern, elektronischen Hilfsmitteln und Programmen lernen. Wagner verriet den Workshop-Teilnehmern nicht nur, was eine gute App kennzeichnet und wie die Kinder damit umgehen. Sie und ihre beiden Kolleginnen hatten auch einige Tablets mitgebracht, auf denen verschiedene Apps getestet werden konnten.

Das begeisterte nicht nur Sandra Henkel. „Am liebsten würde ich gleich morgen alles umsetzen“, sagte die Erzieherin, die gerade das WLAN-Mikroskop kennengelernt hat. „Toll, dass man alles ausprobieren kann.“ Sie ist überzeugt, dass der richtige Umgang mit Medien von klein auf gelernt werden muss. Der Vortrag von Benjamin Wockenfuß habe ihr gezeigt, dass wir keine Angst vor der Digitalisierung haben müssten, aber Erwachsene und Kinder sich unterschiedlich in der digitalen Welt bewegten. Fachberaterin Anja Bambach nahm gute Anregungen mit: „Digitalisierung ist ein Thema in Kitas, aber die meisten Einrichtungen stehen dem noch sehr kritisch gegenüber“, ist ihre Erfahrung.  
Der Fachtag stieß auf großes Interesse. Die Organisatoren zählten 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter pädagogische Fachkräfte, Kita-Leitungen, Fachberater, Vertreter von Fachschulen und Trägern und aus der Wissenschaft. Die meisten reisten aus der Region an, manche hatten sich sogar aus Mainz, Koblenz und Köln auf den Weg ins Priesterseminar nach Speyer gemacht.

Christina Göth (Leiterin des Arbeitsfeldes Kita beim ILF), Barbara Aßmann (Leiterin der Abteilung Soziales beim Caritasverband Speyer) sowie Miriam Engel (Referat Kindertageseinrichtungen beim Caritasverband) freuten sich über den Zuspruch. Barbara Aßmann sicherte die Unterstützung des Caritasverbandes bei der Digitalisierung zu: „Wir gehen diesen Weg gemeinsam.“ Es sei wichtig, dieses Thema konstruktiv anzugehen.
„Wir können die Augen nicht davor verschließen“, sagte Christina Göth vom ILF. „Digitale Medien sind für Kinder und Jugendliche selbstverständlich. Es gilt, ihnen eine bewusste Gestaltung zu ermöglichen.“ Deshalb sollte Digitalisierung auch im pädagogischen Konzept von Kitas verankert sein. „Alle Kitas müssen sich damit auseinandersetzen“, meinte Göth. Der Fachtag sei ein erster Schritt. Das ILF biete darauf aufbauend Fortbildungen an.

Teilnehmer lobten die Vorträge und die guten Anregungen für die Praxis, fasste Miriam Engel die Reaktionen zusammen. Viele dem Thema gegenüber seien skeptisch gewesen, hätten die Vorbehalte nun abgelegt, schilderte sie. Ebenso wichtig sei der Austausch gewesen. Die Fachtag-Besucher hätten festgestellt, sie sind mit dem Thema nicht allein.

Text und Foto: Yvette Wagner für den Caritasverband für die Diözese Speyer

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