Montag, 02. September 2019

Generalvikar Andreas Sturm im Gespräch mit Aktiven von „Maria 2.0“

Generalvikar Andreas Sturm im Gespräch mit den Frauen aus Dansenberg 

Treffen in Kaiserslautern Dansenberg – Thema war die Rolle der Frau, aber auch die Situation in der Pfarrei wie auch in der Kirche insgesamt

Kaiserslautern. „Geben Sie nicht auf. Die Bischöfe brauchen ihre Stimmen. Die Kirche lebt von Vielschichtigkeit und stark engagierten Frauen.“ Nach einem zweistündigen Gedankenaustausch zwischen Andreas Sturm, dem Generalvikar des Bistums Speyer, und Mitgliedern der Initiative „Maria 2.0“ Kaiserslautern über deren Anliegen ermutigte Sturm, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. „Ich habe hoch engagierte Frauen und Männer mit großer Liebe zur Kirche kennengelernt“, bescheinigte er den Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Pfarrzentrum Dansenberg.

Eingangs informierte Christa Kriegel-Fischer vom örtlichen Lenkungskreis Maria 2.0 über das, worüber viele Katholiken besorgt sind: Sexueller Missbrauch und Missbrauch von Macht in der Kirche, Sexualmoral und Pflichtzölibat, Ausschluss der Frauen vom Priesteramt und Diakonat sowie die Vernachlässigung der Seelsorge in den Gemeinden.

Angesichts der derzeitigen Situation sprach Sturm von einem „Desaster einer Männerkirche“, das weltweit noch nicht richtig angekommen sei. Das Pflichtzölibat sei nicht gut und trage zur Unglaubwürdigkeit der Kirche bei, da nicht alle Priester zölibatär lebten. Er plädiere für unterschiedliche Lebensformen für Priester. „Ich sehe keinen Grund, das nicht zu ändern“, so Sturm. Nicht ausschließen wollte der Generalvikar, dass verheiratete und bewährte Männer zu Priester geweiht werden können.

Eine Weihe von Frauen könne nur in einem Konzil entschieden werden. „Eine schwierige Entscheidung, da eine reine Männerdomäne“, räumte er ein. Nicht auszuschließen sei bei einer Weihe von Frauen eine Spaltung der Kirche. „Eine Diakonenweihe für Frauen kann ich mir vorstellen, eine Priesterweihe eher nicht“, sagte Sturm. Gleichwohl räumte er ein, dass Mann und Frau als Ebenbild Gottes geschaffen wurden. Einerseits verstehe er die Tradition der Kirche, andererseits frage er sich, ob diese sinnvoll sei. Die Weihe von Frauen müsse von Bischöfen in Rom zum Thema gemacht werden. Zu bedenken gab er unterschiedliche Positionen in der Bischofskonferenz.

Einen guten Ansatz zur Lösung aktueller Problemfelder in der katholischen Kirche sieht Sturm im synodalen Weg, zu dem die Deutsche Bischofskonferenz eingeladen hat. Praktikable Antworten erwartet der Generalvikar in Sachen klerikaler Machtmissbrauch, Sexualmoral, priesterlicher Lebensform und Stellenwert der Frau in der Kirche. Dass Frauen in Leitungsfunktionen der Kirche ihren Platz haben, habe Bischof Karl-Heinz Wiesemann gezeigt, indem er für das Bistum Speyer eine Frau als Personalchefin aller Priester der Diözese eingesetzt hat.

Wie schnell Gemeinde- und Patoralreferenten Leitungsfunktionen in einer Pfarrei übernehmen müssten, schilderte Gemeindereferentin Gabriele Heinz aus dem Dekanat Donnersbergkreis. Warum ist es nicht möglich, die Leitung einer Pfarrei übertragen zu bekommen, wenn der Pfarrer für längere Zeit ausfällt? so Heinz. Aufgrund der vielen Aufgaben, die sie habe übernehmen müssen, hätten sie die Leute als „Pfarrerin“ angesprochen.

Probleme in der Struktur der Pfarrei Heilig Geist in Kaiserslautern, die zu Lasten der Seelsorge gehen, thematisierte auch Christa Kriegel-Fischer. „Wir müssen über Leitungsmodelle von Pfarreien, einschließlich der Pfarrleitung durch Laien nachdenken“, signalisierte Sturm. Die Stimmung der Priester sei nicht gut. Viele seien überfordert, müde und erschöpft. „Ich sehe die Situation als Aufgabe, hier zu neuen Lösungen zu kommen“, so Andreas Sturm.

Text und Foto: Joachim Schwitalla / is