Montag, 09. September 2019

Grundwerte neuer Gemeindeformen

Mit neuen Gemeindeformen befassten sich die Teilnehmer der Fortbildung im Priesterseminar. 

Ökumenische Fortbildung im Priesterseminar

Speyer. Neue Gemeindeformen standen im Fokus einer ökumenischen Fortbildung, die im Priesterseminar in Speyer stattfand. Insgesamt 18 Teilnehmende aus Bistum und Landeskirche nutzten das Angebot der ökumenischen Initiative "Schon Jetzt" und widmeten sich in einem Einsteiger- und einem Fortgeschrittenenmodul neuen Formen von Kirche.

Die Inspiration dazu stammt aus England: Dort sind unter dem Titel "Fresh Expressions of church" in den letzten Jahren immer mehr Gemeinden entstanden, die mit einer neuen Gestalt von Kirche Antworten auf eine sich wandelnde Gesellschaft geben. Übertragen auf die Pfalz und Saarpfalz baut "Schon Jetzt" mit seinen Stammtischen und Seminarangeboten ein Netzwerk von Haupt- und Ehrenamtlichen auf, die Interesse haben, neue Formen von Gemeinde zu gründen. Gemeinsam suchen sie nach einer Kirche, die anschlussfähig wird für Menschen, zu denen Kirche den Kontakt verloren hat.

Im Fokus des Seminars am vergangenen Wochenende standen die Grundwerte neuer Gemeindeformen: Das Hören auf Gott und die Menschen, zugewandtes und helfendes Handeln, das Gefühl der eigenen Sendung und der gelebte Glaube. Dabei war der Missionsbegriff zentral: "Mission" meint das Entdecken von Gottes Wirken in der Alltagswelt und das Einsteigen in verschiedenen Lebenswelten. In diesem Sinne will Mission nicht Glauben im Anderen erwirken, sondern Gott im Anderen entdecken. Ganz praktisch ging es um Rahmenbedingungen für neue Gemeindeformen im Kontext bestehender Pfarreien. Neue Gemeindeformen sollen und wollen keine Konkurrenz zu bestehenden Gemeinden oder Pfarreien sein: Sie ergänzen diese und richten sich in erster Linie an diejenigen, für die die klassischen Formate nicht (mehr ) passen.

Felix Goldinger, Referent für Missionarische Pastoral im Bistum Speyer, liegt die Vernetzungsarbeit besonders am Herzen: "Im Bereich der neuen Gemeindeformen geht es viel um Austausch. Letztlich ist jeder Versuch, Gemeinde neu zu bilden ein Experiment, das vom Mut lebt, den man da hinein investiert. Im Mut, Neues auszuprobieren liegt immer auch das Risiko des Scheiterns. Deshalb ist Vernetzung und Austausch so wichtig: Zum Mutmachen und auch, um gemeinsam über Defizite und möglicherweise auch über das eigene Scheitern zu reden." Stefanie Schlenczek, Pfarrerin der Evangelischen Landeskirche, ergänzt: "Es ist nicht selbstverständlich, dass Menschen glauben. Wie vielfältig die Wege sind, die Gott in den Biographien der Teilnehmenden gegangen ist, lässt erahnen, wie kreativ auch die Wege der Menschen sein können, um miteinander ihren Glauben zu leben. Bei Fresh Expressions of Church - neuen Ausdrucksformen von Kirche - geht es darum, mit ihnen ins Gespräch zu kommen."

Text/Foto: Missionarische Pastoral