Montag, 23. September 2019

Kampf um eine zukunftsfähige Landwirtschaft

Juana Mendoza aus Paraguay (links) berichtete über die Situation der Kleinbauern in ihrem Land, unterstützt von Monika Bossung-Winkler (rechts). 

Berufsschüler in Ludwigshafen diskutieren mit Aktivistinnen aus Paraguay

Ludwighafen. Passender hätte der Termin nicht sein können, als am 19. September, also wenige Stunden vor den Großdemonstrationen „fridays for future“, Schülerinnen und Schüler der Ludwigshafener Berufsschule für Naturwissenschaften gleich zwei Aktivistinnen aus Südamerika zur Zukunft kleinbäuerlicher Strukturen befragen konnten.

Seinen Ursprung hatte diese Veranstaltung in einer Unterrichtseinheit im Fach katholische Religionslehre, gestaltet von der Religionspädagogin Verena Hüther. Zwei Klassen dieser Schule hatten im Vorfeld den Dokumentarfilm „Raising Resistance“, also „Wachsender Widerstand“ sehen können.

Auf Einladung von MISEREOR war die Kleinbäuerin Juana Mendoza aus Paraguay nach Deutschland gereist. Mendoza spielt in dem Film als eine der Darstellerinnen insofern eine besondere Rolle, als sie einerseits zu den persönlich Betroffenen beim gigantischen Soja-Anbau in ihrer Heimat gehört, sie aber auch mitgemacht hatte beim aufkeimenden Widerstand gegen die Großkonzerne, die in Paraguay wie in mehreren angrenzenden Staaten rücksichtslos Unkrautvernichtungsmittel versprühen lassen. Die Landwirtschaftsindustrie, so die 49-Jährige, habe überall leichtes Spiel, da die Regierenden im Zweifel einknickten und die Landbevölkerung im Stich ließen; die grassierende Korruption verschlimmere dieses Ungleichgewicht zusätzlich. Soja würde ausschließlich für den Export für Futtermittel angebaut, das Saatgut sei allemal genverändert.

Nachfragen aus der Schülerschaft, was aus den im Film gezeigten Verhafteten inzwischen geworden sei, beantwortete die engagierte Bäuerin: „Diese Menschen, die ja lediglich passiven Widerstand geleistet hatten, wurden erst nach einem Jahr aus der Haft entlassen.“

Juana Mendozas Mitreisende aus Paraguay war die Kinderärztin Dr. Stela Benitez. Sie präsentierte mehrere von ihr und ihrem Team an einer katholischen Universität durchgeführte Studien. Inhalt war, ob Erbgutveränderungen festgestellt werden könnten bei Kindern, die in unmittelbarer Nähe zu den Sojafeldern aufwachsen. Es gäbe diesbezüglich, so die Ärztin, signifikante Unterschiede zur Vergleichsgruppe. Dr. Benitez zeigte sich überzeugt, dass für diese Veränderungen in der menschlichen DNA Glyphosat verantwortlich sei; für besonders fatal hielt sie die Wechselwirkungen der unterschiedlichen Bestandteile beim Produkt „Roundup“.

Organisiert hatte den Vormittag die Speyerer MISEREOR-Referentin für globales Lernen Dr. Monika Bossung-Winkler, die auch dank ihrer exzellenten Spanisch-Kenntnisse als Übersetzerin fungierte. Sie verdeutlichte den jungen Berufsschülern den engen Zusammenhang zwischen Menschenrechtsverletzungen, Waldrodungen, Artenschwund und Gesundheitsgefahren im „Soja-Gürtel“ Südamerikas einerseits und unser aller Verhalten andererseits. „Über unseren Fleischkonsum entscheiden wir selbst“, stellte Bossung-Winkler lapidar fest. Die Frage: „Wer von euch isst gerne Fleisch?“ beantwortete die Zuhörerschaft fast einstimmig: „Wir!“

Die Abschlussfrage an Juana Mendoza, ob sie denn Hoffnung auf Veränderung in ihrer Heimat habe, beantwortete die Kleinbäuerin ohne Zögern: „Zusammenhalt in der Gemeinschaft macht uns stark. Mir persönlich hilft mein Glaube, so dass ich zuversichtlich in die Zukunft schaue.“

Text/Foto: Franz Josef Wittkampf