Dienstag, 24. September 2019

Einen wachen Blick auf den eigenen Konsum werfen

 

Das Bewusstsein für das eigene Konsumverhalten wurde im Rahmen der ökumenischen Umweltaktion Trendsetter Weltretter geschärft.

Speyer. Bei einem weltbewussten Stadtrundgang schärften Monika Kreiner, Referat Frauenseelsorge im Bistum Speyer, und Inge Miltz, Arbeitsstelle Frieden und Umwelt der Evangelischen Kirche der Pfalz, den Blick für das eigene Konsumverhalten. Anlässlich der ökumenischen Umweltaktion Trendsetter Weltretter zeigten sie 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, welche Blickwinkel es auf das Thema gibt.

„Früher hieß die Führung ‚konsumkritischer Stadtrundgang‘. Wir wollen nun bewusst aufzeigen, dass es gar nicht so sehr um Verzicht, Kritik oder negative Aufzählungen geht. Es geht beim weltbewussten Stadtrundgang mehr um das Bewusstsein für unseren täglichen Konsum: In welchen Zusammenhängen steht unser Konsum? Was bedeutet mein Konsum für andere Menschen auf der Welt?“, so Monika Kreiner. Es gehe darum, in diesen Bereichen das Bewusstsein zu erweitern und sich gegenseitig Tipps zu geben. Die Erkundung erfolge dann mehr in spielerischer Art und Weise, als in langen Vorträgen.

Urlaube und Bücherkisten

Zu Beginn zogen die Teilnehmenden verschiedene Postkarten. Diese beinhalteten nicht nur verschiedene Reiseziele, sondern auch unterschiedliche Reisemethoden. So begann nicht nur eine Diskussion über die Ökobilanz von Auto, Bahn, Schiff und Flugzeug, sondern beispielsweise auch über die Form der Verpflegung. Bei „All Inclusive“-Urlauben sei die lokale Gastronomie in der Regel außen vor, da sich die Urlauber dann komplett im Hotel oder auf dem Schiff versorgen würden. Beim Wochenmarkt ging es um das Thema Einkaufen und die verschiedenen Verpackungsarten. Ein Joghurt-Becher besteht zum Beispiel aus verschiedenen Materialien, einer Metallfolie und einem Plastikbecher. Neben der richtigen Entsorgung wurde dabei auch über alternative und kreative Weiternutzungsmöglichkeiten informiert. Beim Upcycling werden alte Gegenstände zu nützlichen neuen Objekten aufbereitet. So können aus Gardinen und T-Shirts auch Aufbewahrungssäcke genäht werden. Ebenso können gelesene Bücher in allgemein zugänglichen Bücherkisten im öffentlichen Raum jedermann zur Verfügung gestellt werden.

„Wir nehmen jede Woche Mikroplastik in der Menge einer Bankkarte auf“

„Jede PET-Flasche braucht 500 Jahre, bis sie sich in der Natur in kleinste Teilchen aufgelöst hat. Von verrotten können wir nicht sprechen, denn es entsteht kein organisches Material mehr – sondern Mikroplastik. Schon jetzt nehmen wir über Nahrung und Getränke jede Woche fünf Gramm Mikroplastik auf, das entspricht einer Bank- oder Kreditkarte.“, veranschaulicht Kreiner die Bedeutsamkeit von Verpackungen. Im „Unverpackt Kaufladen Speyer“, der noch vor Weihnachten in diesem Jahr offiziell eröffnen soll, ging es um Lebensmittel, Hygiene- und Reinigungsprodukte, die ohne Verpackung verkauft werden.

Während das Geschäft die Produkte in großen Mehrweg-Verpackungen erhält, müssen die Kunden ihre eigenen Gläser, Tupperdosen oder auch gebrauchten Brottüten mitbringen. Die leeren Verpackungen werden gewogen, danach kann der Kunde die leeren Behältnisse mit den gewünschten Waren befüllen. An der Kasse wird dann beim Wiegen das Verpackungsgewicht abgezogen. Das Sortiment des verpackungsfreien Ladens wird trockene Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Nudeln, Reis, Schokolade, Tee, Kaffee, aber auch Körperpflege-Artikel wie Zahnpasta-Tabletten oder Putzmittel zum Abfüllen beinhalten. „Unser Credo ist es möglichst auf Bio, Regionalität und wenig Verpackung zu achten“, so die beiden Geschäftsinhaberinnen. Zurzeit sind sie bei der umfangreichen Renovierung des Geschäftes, die Umsetzung der Idee wird mittels Crowdfunding finanziell ermöglicht.

Was macht ein „faires“ Produkt aus?

Im Weltladen ging es um faire Produkte. „Was ist fair? Menschen zu helfen, dass sie faire Preise bekommen, um sowohl Produktion als auch Lebenshaltungskosten decken können und unter Umständen die Möglichkeit haben, in Bildung zu investieren“, so eine Mitarbeiterin. Dabei geht es nicht nur um das Warenangebot, das beispielsweise Kaffeebauern eine bessere Bezahlung ermöglicht, als sie es sonst von Zwischenhändlern gewohnt sind. Auch die Überzeugungsarbeit in Richtung der Konsumenten spielt eine wichtige Rolle.

Schülerinnen und Schülern wird anschaulich erklärt, wie eine angemessene Entlohnung an das eigene Gerechtigkeitsempfinden appelliert: „Wenn zwei Geschwister für ihre Oma die gleiche Gartenarbeit leisteten. Ist es dann in Ordnung, wenn einer einen Euro und einer fünf Euro dafür erhält?“ Empörte Reaktionen sind bei diesem Beispiel sicher. Doch auch die Sensibilisierung für den Wert eines Produktes gehört zu der Wissensvermittlung. Ist es wirklich sinnvoll, für eine Tafel Schokolade immer den geringsten Preis zu bezahlen? Auf Seiten der Erzeuger kann es einen großen Unterschied machen, wenn die zehn Cent teurere Schokoladentafel mit dem fair gehandelten Kakao gekauft wird.

Nach rund zweieinhalb Stunden in Speyer hatten die Teilnehmenden viele Eindrücke und Denkanstöße erhalten. Eine Teilnehmerin überlegt in Germersheim ebenfalls einen weltbewussten Stadtrundgang anzubieten. Manchmal braucht es nur einen Perspektivwechsel, um woanders auf die Welt die Situation für andere Menschen zu verbessern.

 

Text/Foto: is