A - Z Stichwortsuche

Bitte wählen Sie einen Buchstaben aus:

Zur Landkarte Bistum

Informationen

Dekanate

In dieser Übersicht finden Sie alle Dekanate im Bistum Speyer.

Dekanat 1 Bad Dürkheim


Dekanat 2 Donnersberg


Dekanat 3 Germersheim


Dekanat 4 Kaiserslautern


Dekanat 5 Kusel

Dekanat 6 Landau


Dekanat 7 Speyer


Dekanat 8 Pirmasens


Dekanat 9 Saarpfalz


Dekanat 10 Ludwigshafen


Montag, 07. Oktober 2019

Ausbildung möglich dank Intensivbetreuung

Caritas geht mit jungen Geflüchteten weite Wege

Henok Mehari hat mit der Unterstützung der Caritas und "Pro Integra" die Chance auf einen Ausbildungsplatz 

Homburg. Inzwischen sind Erfolgsberichte über Geflüchtete, die im Saarland eine Ausbildungoder Arbeit finden, keine Seltenheit mehr. Doch wie steht es um die wirklich schwierigen Fälle – insbesondere bei den Jugendlichen am Übergang zum Erwachsenenalter? Um sie kümmert sich der Projektverbund „Pro Integra“ der Caritas im Saarland. Henok Mehari (19) hat nach langen Wirren mit Hilfe des Intensiv-Projektes doch noch die Chance zum Berufseinstieg bekommen.

Henok Mehari ist schüchtern. Nach drei Jahren in Deutschland versteht der 19-Jährige gut deutsch, spricht aber immer noch wenig. Doch aktuell verbessert sich das Reden auf deutsch von Tag zu Tag – hier oben auf dem Dach eines Einfamilienhauses, das von der Firma Richard Grimm & Söhne aus Homburg gerade neu eingedeckt wird. Henok ist auf dem hoch gelegenen Terrain trittsicher, reagiert schnell und gekonnt auf Anweisungen und Hinweise der erfahrenen Dachdecker.

Schweres Schicksal für jungen Henok

Henok Mehari wurde geboren am 1. September 2000 in Dekemhare, Eritrea. Im August 2016 kommt der damals knapp 16-Jährige als unbegleiteter, minderjähriger Flüchtling nach Deutschland und dann im September ins Saarland. Bis zu seinem 18. Geburtstag ist er beim Christlichen Jugenddorf (CJD) in Homburg untergebracht. Mit Eintritt der Volljährigkeit muss er aber aus der Jugendhilfe ausscheiden, sich eine Wohnung suchen und von diesem Tag an alleine sein komplettes Leben regeln. Das heißt auch etwa: E-Mails schreiben, beim Jobcenter Leistungen beantragen, Überweisungen tätigen, Anträge ausfüllen und ähnliches. „Es war für uns schnell klar, dass Henok mehr als einige wenige Beratungen benötigt“, sagt der Leiter des Caritas-Zentrums Saarpfalz, Andreas Heinz. „Für Henok war ,Pro Integra‘ genau die richtige Hilfe, da sie aufsuchend und begleitend konzipiert ist.“ Und so kam Henok Mehari am 19. September 2018 erstmals zu Caritas-Mitarbeiterin

Anika Bastigkeit aus dem Projekt „Pro Integra“. Dabei handelt es sich um ein von der Ruhrkohle AG (RAG) gefördertes Intensivprogramm, das seit September 2017 junge Flüchtlinge in Schule, Ausbildung und Arbeit zu vermitteln versucht – und zwar in Form einer individuellen, intensiven Begleitung. „So begann unser gemeinsamer Weg“, sagt die Integrations- und Migrationsberaterin und erzählt von den inzwischen rund 40 gemeinsamen Terminen im Caritas-Zentrum Saarpfalz in Homburg, aber auch in der Schule, beim Jobcenter, bei ihm zu Hause und so weiter.

„Er bekam wie andere Jugendliche in ähnlichen Situationen auch meine Diensthandynummer. Unter der kann er mich in dringenden Fällen direkt erreichen oder mir eine SMS senden. Man kann sich ja vorstellen, wie schwer es einem jungen Mann in einem fremden Land und ohne Unterstützung seiner Eltern fallen muss, mit der deutschen Bürokratie klarzukommen“, sagt Anika Bastigkeit. Laut der Diplom-Sozialarbeiterin hat Henok von Anfang an sehr gut mitgearbeitet. „Er ist sehr zuverlässig und überpünktlich. Die von mir aufgetragenen Aufgaben hat er immer direkt erledigt. Ich bin sehr zufrieden mit seiner Entwicklung, seiner Mitarbeit und seiner Motivation.“

Doch es gab auch Rückschläge. Denn Henok konnte keinen Schulabschluss erwerben. Von Oktober 2018 bis zum Ende des Schuljahres im Sommer dieses Jahres absolvierte er bei der Firma Grimm in Homburg ein Praktikum – ein Glücksfall. Denn hier zeigte Henok, was in ihm steckt. „Henok war mit großem Spaß und Eifer bei der Sache“, berichtet Oliver Grimm. „Die Kollegen haben sehr gerne während des Praktikums mit ihm zusammengearbeitet. Deshalb haben wir einer betrieblichen Einstiegsqualifizierung zugestimmt.“ Das bedeutet: Seit August dieses Jahres arbeitet Henok in der Firma Grimm mit. Ziel ist für alle Beteiligten, dass Henok übernommen wird. So sieht es aktuell für den jungen Henok richtig gut aus, besser als je zuvor.

Dies gilt auch für zahlreiche andere junge Geflüchtete im Alter zwischen 18 und 25 Jahren an den anderen „Pro Integra“-Projektstandorten im Saarland bei den Caritasverbänden und dem Sozialdienst katholischer Frauen. Die Caritaseinrichtungen in der Landesaufnahmestelle Lebach übernehmen eine koordinierende Funktion. Über diese Koordinierung wird ein regelmäßiger Austausch der Projektmitarbeitenden sichergestellt. Seit 1. September 2017 konnten bislang 108 junge Männer und 45 junge Frauen von der Caritas im Saarland individuell und intensiv begleitet werden. Seit 2017 wurde seitens der Stiftung ein hoher sechsstelliger Betrag in dieses Projekt investiert.

„Wir engagieren uns sehr gerne in der Flüchtlingshilfe, weil wir mit diesem Projekt nachhaltig die Chancen junger Geflüchteter verbessern, sich in den saarländischen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu integrieren“, berichtet die zuständige Mitarbeiterin der RAG-Stiftung, „und daher haben wir unsere Unterstützung bis Ende 2020 verlängert.“

Text/Foto: Caritas-Zentrum Saarpfalz

Anzeige

Anzeige