Donnerstag, 10. Oktober 2019

Im Geist miteinander verbunden

Bischof Wiesemann zelebriert den Gottesdienst in der St.-Franziskus-Kirche 

In Santiago des Compostela vereinten sich die Pilgergruppen zu einer großen Wallfahrtsgemeinschaft

Santiago de Compostela. Mit einem feierlichen Abschlussgottesdienst endete gestern Abend die große Wallfahrt des Bistums Speyer nach Santiago de Compostela, an der Bischof Wiesemann, die beteiligten Priester und die Pilgerinnen und Pilger in der St.-Franziskus-Kirche in Santiago de Compostela teilnahmen. Denn die im elften Jahrhundert entstandene Kathedrale in der Nachbarschaft ist seit Anfang des Jahres aufgrund von Renovierungsmaßnahmen weitgehend für die Öffentlichkeit gesperrt. Zu den wenigen Ausnahmen im Kircheninneren, die besucht werden können, gehört unter anderem das Grab des Apostels Jakobus. Die Arbeiten sollen rund zwölf Monate andauern.

Während der heiligen Messe lud Domkapitular Franz Vogelgesang die Teilnehmer aus der Pfalz und Saarpfalz dazu ein, einen kleinen Moment in die Stille zu gehen, um mit Blick auf die Wallfahrt „die kostbaren Perlen im Herzen“ noch einmal gedanklich aufzusuchen. „Welche guten Dinge nehmen Sie mit? Wofür sind Sie dankbar?“, fragte der Geistliche Leiter der diözesanen Wallfahrt die Pilgerinnen und Pilger aus dem Bistum Speyer. Stellvertretend für alle berichteten schließlich vier Frauen von ihren Erfahrungen in den vergangenen Tagen. „Ich habe viele liebe Menschen kennengelernt; alle waren glücklich; Gott hat uns gestärkt auf dem steinigen Weg“, erzählte eine der Pilgerinnen. Eine andere charakterisierte ihre Erlebnisse mit Begriffen wie „zu sich finden, Sonnenschein und Regen, durchhalten, Schöpfung genießen, Gemeinschaft, Begeisterung, Glaube, ankommen – und ,Buen Camino‘, was so viel heißt wie ,Guten (Jakobs)Weg‘“.

Sichtlich gerührt war Bischof Wiesemann als aus rund 400 Kehlen ein Ständchen zum 34. Jahrestag seiner Priesterweihe erklang, auf den er an diesem Tag zurückblicken konnte. Am Ende des Gottesdienstes segnete er die Andachtsgegenstände der Wallfahrer und dankte den Teilnehmern, „dass sie dabei waren. Ich habe in vielen Gesprächen gespürt, was jeder und jede von Ihnen bewegt“. Für ihn selbst sei es eine große Ermutigung, um eine solche Gebetsgemeinschaft zu wissen, in der man sich gegenseitig trägt. Wer wollte, konnte sich im Anschluss an die liturgische Feier vom Speyerer Oberhirten oder einem der anwesenden Priester segnen lassen.

Ausflug ans Ende der Welt


Bis zur Entdeckung Amerikas glaubten die Menschen, am Kap Finisterre im äußersten Westen der Iberischen Halbinsel sei das Ende der Welt. Zu der Landzunge, die 140 Meter hoch aus dem Meer aufragt, fuhren die verschiedenen Pilgergruppen am gestrigen Vormittag. Auch Bischof Wiesemann nahm das Kap in Augenschein. Dorthin ging früher ein Großteil der Jakobuspilger von Compostela aus in drei Tagesetappen und kehrte dann nochmals nach Santiago zurück, zur „zweiten“ und endgültigen Ankunft.

Ankunft in Santiago am 8. Oktober


Am 8. Oktober waren sämtliche Pilgergruppen in Santiago de Compostela angekommen. Große Freude herrschte als sie sich auf dem Platz vor der in der Dunkelheit hell erleuchteten Kathedrale versammelten und so zu einer großen diözesanen Wallfahrtsgemeinschaft vereinten. Für viele ein ergreifender Moment. Einigen standen die Tränen in den Augen. Freunde und Bekannte lagen sich erleichtert und glücklich in den Armen. Der Geist der Verbundenheit – er war an diesem Abend deutlich spürbar.

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann und Domkapitular Franz Vogelgesang begrüßten die Pilgerinnen und Pilger aus dem Bistum Speyer und darüber hinaus. Jede einzelne Gruppe wurde aufgerufen – von den Wallfahrern auf dem Camino Francés und Portugués über die Bus-Wanderpilger bis zu den Fluggruppen. Insgesamt waren es rund 400 Teilnehmer, darunter etwa 25 Jugendliche.

„Wir sind am Ziel“, rief Bischof Wiesemann den Wallfahrerinnen und Wallfahrern zu. Die Pilger aus dem Bistum Speyer seien eine große Gemeinschaft und Teil einer riesigen Bewegung von Wallfahrern, die sich seit vielen Jahrhunderten nach Santiago de Compostela aufmachten. Und jeder habe ein persönliches Anliegen, das er mitbringe. „Schön, dass Sie mitgekommen sind.“ Auch er selbst sei am heutigen Tag ein Stück auf dem Camino Francés mitgegangen – und nass geworden. Das gehöre zum Pilgern dazu. Zum Abschluss hielten sich sämtliche Wallfahrer an den Händen als Zeichen, dass sie im Geist Jesu miteinander verbunden sind. Gemeinsam beteten sie das Vaterunser. Bischof Wiesemann schloss den Abend mit der Erteilung des Segens.

Besuch der Kathedrale und Pontifikalamt mit Prozession


Auf dem Besuchsprogramm der einzelnen Pilgergruppen während der Wallfahrtstage in Santiago standen Stadt- und Kirchenführungen einschließlich des Grabes des heiligen Jakobus in der Kathedrale. Im Hochaltar ist eine übergroße Silberbüste des Apostels aufgestellt. Über eine Treppe konnten die Wallfahrer die Jakobusfigur gemäß dem alten Pilgerbrauch von hinten umarmen. Die Reliquien des Jüngers Jesu befinden sich in einem silbernen Schrein in der Krypta unter dem Hochaltar.

Zu den Höhepunkten zählte das feierliche Pontifikalamt mit Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann, das ebenfalls in der St.-Franziskus-Kirche stattfand. Zuvor zog die Pilgerschar, angeführt vom Speyerer Oberhirten, in einer feierlichen Prozession vom Platz vor der Kathedrale zu dem Gotteshaus des Franziskanerordens. Erstmals zum Einsatz kam dabei eine kleine Kopie des Weihrauchfasses, das normalerweise durch das Querschiff der Kathedrale von Santiago schwingt. Domkapitular Vogelgesang hatte es für die gemeinsamen Gottesdienste in der 96000 Einwohner zählenden galizischen Hauptstadt aus Deutschland mitgebracht.

„Pilgern ist immer eine Lebensreise“, unterstrich der Bischof in seiner Predigt. „Es geht zutiefst um das, was mich im wahrsten Sinne beim Gehen bewegt.“ Dabei sei nicht nur der eigene, sondern auch der gemeinsame Weg wichtig. Man nehme beim Pilgern diejenigen mit, die zu einem gehören: Familie, Freunde, Nachbarn. Gerade solche Menschen würden sich heute auf den Pilgerweg begeben, die etwas suchen: den Grund und den Halt ihres Lebens. Der Speyerer Oberhirte rief die Wallfahrerinnen und Wallfahrer dazu auf, von dem, was sie auf dem Camino erfahren haben, zuhause zu erzählen. „Geben Sie Ihren Glauben und Ihre Freude weiter; den Mut, aufzubrechen und durchzuhalten, selbst wenn alles weh tut.“ Wer pilgere, komme zudem verändert zurück. „Denn so ein Weg verwandelt und verändert mich.“ Das habe er selbst als junger Kaplan erfahren. An die eigenen Grenzen zu gehen, gehöre ebenfalls dazu – nicht nur körperlich. „Noch mehr kann das Pilgern einem im Inneren herausfordern. Dann, wenn alles hoch kommt.“

Die musikalische Gestaltung der beiden gemeinsamen Gottesdienste in Santiago de Compostela übernahm ein Projektchor unter der Leitung von Dekanatskantor Christian von Blohn (St. Ingbert).

Text/Foto: Petra Derst

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