Dienstag, 15. Oktober 2019

BDKJ-Diözesanvorstand: "Kein Krieg!"

 

Stellungnahme des Jugenddachverbandes zum militärischen Vorgehen der Türkei in Nordsyrien

Speyer. Der Vorstand des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in der Diözese Speyer hat in einer Stellungnahme das militärische Vorgehen der Türkei in Nordsyrien verurteilt. In der Veröffentlichung heißt es:

"Die katholische Jugend verurteilt das militärische Vorgehen der Türkei in Nordsyrien. Wir bewerten die Offensive als Bruch des Völkerrechts. Wir schließen uns dem Statement des Vorsitzenden der Deutschen Kommission Justitia et Pax, Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ an: „Diese gravierende Verletzung des Völkerrechts ist kein Kavaliersdelikt, sondern untergräbt die Fundamente der internationalen Rechtsordnung und damit die Menschenrechte selbst. Sie trägt damit zur Verschärfung der Situation bei.“

Die türkische Offensive macht die globale Bedeutung politischer Entscheidungen unmissverständlich deutlich. Sie zeigt damit auch, dass der stabile Frieden in Europa weder unantastbar noch selbstverständlich ist: Kriegerische Auseinandersetzungen sind nun näher an die Grenzen Europas gerückt. Wir sehen darin eine potentielle Bedrohung auch des Friedens in Europa. Er ist aber Grundlage für das Wohlergehen künftiger Generationen, die wir als Jugendverbände vertreten.

Laut UN sind jetzt schon rund 130.000 Menschen in Nordsyrien auf der Flucht vor Krieg und Gewalt. Sie leiden unter der Instabilität eines ohnehin fragilen Machtgefüges in der Region. Sie sind Leidtragende politischer Entscheidungen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump und des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und werden zum Spielball geostrategischer Interessen Russlands, der Türkei und Syriens und deren Verbündeter.

Die Konsequenzen des Abzugs amerikanischer Truppen und der Unterstützung der Kurden in Nordsyrien im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat sind noch gar nicht vollumfänglich absehbar. Sie reichen von einem erneuten Erstarken der Terrormiliz über einen Stellvertreterkrieg auf syrischem Boden bis hin zum möglichen NATO-Bündnisfall und der Aufkündigung des Flüchtlingsabkommens mit der Türkei. Aus scheinbar weit entfernten außenpolitisch relevanten Fragestellungen können binnen kurzer Zeit europa- und innenpolitische Dilemma werden.

Wir unterstützen die Entscheidung der Bundesregierung, Rüstungsexporte in die Türkei sofort zu stoppen. Allerdings reicht uns diese Entscheidung nicht. In den Beschlüssen „Kinder und Jugendliche wollen Frieden keine Waffen“ (2016) und „Frieden ist mehr wert!“ (2019) hat der Bund der deutschen katholischen Jugend Forderungen für eine gerechte und friedliche Welt aufgestellt. Sie nehmen direkten Bezug auf Rüstungsexporte und fordern deren deutliche Beschränkung. Wir sind davon überzeugt, dass ein weltweites Aufrüsten nicht dazu beiträgt, langfristig Frieden zu sichern. Stattdessen werben wir für eine Verstärkung diplomatischer Bemühungen und die konsequente Umsetzung nachhaltiger Entwicklungsziele.   

Wir sind sicher: Nichts ist wichtiger für Europas Zukunft, als die Verteidigung der Werte, die Basis unseres Miteinanders sind. Wir vertreten sie als Christ*innen und überzeugte Demokrat*innen. Wir appellieren an alle Verantwortungsträger in Politik, Kirche und Gesellschaft, sich in ihren Zuständigkeitsbereichen für Friedenssicherung, für Menschenrechte und Gleichberechtigung einzusetzen. Es liegt an uns, nicht die Unterschiede zwischen Menschengruppen, Nationalitäten, Geschlechtern oder Religionen zu betonen, sondern die Gemeinsamkeit der Menschheitsfamilie. Frieden ist unser höchstes Gut. Er setzt Kompromiss und Toleranz voraus."

Der BDKJ-Diözesanvorstand
Lena Schmidt, Thomas Heitz, Andreas Rubel

Text: BDKJ/Foto: Bernhard Riedl - pfarrbriefservice.de