Mittwoch, 23. Oktober 2019

Ökonomisierung im Krankenhaus und Seelsorge

 

Jahrestagung der Katholischen Krankenhausseelsorge im Kloster Neustadt

Neustadt. Diagnosebezogene Fallpauschalen, Dokumentationspflicht, erhöhter Patientendurchlauf und kürzere Liegezeiten und ein allgemeiner Personalnotstand in der Pflege sind Faktoren, die den Arbeitsalltag von Mitarbeitenden im Krankenhaus bestimmen. Sie erzeugen vielfach Druck, Leistungszwänge und oft eine große Zeitnot im Umgang mit den Patientinnen und Patienten.

Auf ihrer jährlichen Fachtagung am 16. und 17. Oktober beschäftigten sich daher Krankenhausseelsorgerinnen und Krankenhausseelsorger des Bistums im Kloster Neustadt mit dem Thema „Ökonomisierung im Krankenhaus – wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Auswirkungen für die Mitarbeitenden – Konsequenzen für die Seelsorge“. Vorbereitet wurde die Tagung vom Sprecherrat der Krankenhausseelsorge gemeinsam mit Andreas Welte, Referent in der „Seelsorge in der Arbeitswelt“.

Für den ersten Vormittag waren hierzu Mitarbeitende der unterschiedlichen Berufsgruppen im Krankenhaus eingeladen. In verschiedenen Gesprächsrunden konnten die Seelsorgerinnen und Seelsorger mit einer Ärztin, zwei Krankenpflegerinnen und zwei Therapeutinnen und Therapeuten den Fragen nachgehen, wie aus der Sicht der Mitarbeitenden die Folgen der Ökonomisierung im Krankenhaus erlebt wird, welche Herausforderungen sich daraus für das eigene Berufsbild ergeben und welchen Beitrag Krankenhausseelsorge leisten kann. Gerade im Bereich der Pflege zeige sich, wie die Veränderung im Arbeitsalltag des Krankenhauses bzw. der Klinik gegenüber früher oft für ein hohes Maß an Frustration sorge, weil weniger Zeit für den persönlichen Kontakt mit den Patienten bleibe. Gleichzeitig wurde den Seelsorgenden rückgemeldet, wie allein schon die Schwerpunktsetzung der Tagung ein positives Signal dafür setze, dass Kirche sich für die Mitarbeitenden in den Krankenhäusern interessiere und einen Raum eröffne, die eigene Haltung zu reflektieren.

Krankenhausseelsorge werde innerhalb des Krankenhauses dabei als komplett anderes System wahrgenommen: Hier zähle nicht ein Leistungszwang und Gelingenmüssen, sondern die unverzweckte Präsenz und Entschleunigung. Zudem zeigte sich, wie nach wie vor Krankenhausseelsorge ein hohes Maß an Kompetenz in der Begleitung von Menschen in Grenzsituationen zugeschrieben wird.

Am Nachmittag referierte Jonas Sewing, Geschäftsführer des Diakonissen-Stiftungskrankenhauses in Speyer, zum Thema: „€ oder  ? Krankenhaus zwischen Idee und Realität“. Dabei stellte er die ökonomischen Rahmenbedingungen und Herausforderungen vor, mit denen heute die Leitung eines Krankenhauses umgehen muss. Eine notwendige Reduzierung des Kostenanstieges im Krankenhaus sei etwa durch die Verkürzung von medizinisch nicht notwendigen Liegezeiten im Krankenhaus zu erreichen.  Dazu gehört auch die seit 2003 gesetzlich geregelte Einführung diagnosebezogener Fallgruppen (DRGs).

Der zweite Vormittag diente der Vertiefung des am Vortag Gehörten und ermöglichte einen Austausch der Kolleginnen und Kollegen zu der Frage, in wieweit die Ergebnisse Herausforderungen für Krankenhausseelsorge heute darstellen. Das Thema der Tagung machte deutlich, welche Chance es für Kirche heute bietet, einen festen Platz im System Krankenhaus zu haben ohne selbst Teil des Systems zu sein. Die Präsenz von Krankenhausseelsorge wird als hoher Wert nicht nur für Patientinnen und Patienten, sondern auch für Mitarbeitende wahrgenommen.

Text: Susanne Laun/Foto: Pixabay